Das Odeon – Arthauskino im Kölner Vringsveedel

Das Odeon ist ein traditionsreiches Kino aus der Kölner Südstadt. Das frühere Theater der Kölner Ikone Trude Herr zeichnet sich durch seine Verdienste im Arthausbereich aus und kann immer wieder mit prominenten Gästen aufwarten. Wir haben uns das Kino mit seinen Besonderheiten einmal genauer angesehen.

 

Geschichte des Odeon von David Klug

Das Odeon von außen (Bild: Anne Czech)

In Köln gibt es eine ganze Reihe von Kinos, doch nur wenige versprühen einen solchen Charme wie das „Odeon-Lichtspieltheater“. Das ehemalige „Theater im Vringsveedel“, bei Nicht-Kölnern auch unter dem Namen “Severinsviertel” bekannt, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die in der Zeit des großen Kinobooms Mitte der 50er Jahre beginnt. Im Jahr 1956 wird es von der Kinobetriebsgesellschaft „Filmbühne Dr. Sander KG“ unter dem Namen „Rhenania“ in der Kölner Südstadt eröffnet. Bis Ende der 60er Jahre läuft das Kinogeschäft des Odeons gut. Erst Anfang der 70er Jahre, zur Zeit des großen Kinosterbens, gehen auch die Besucherzahlen des Odeons dramatisch zurück und das Kino wechselt häufig den Betreiber. Ende der 70er Jahre wird das Odeon in ein Theater umgewandelt und von 1977 bis Dezember 1986 unter dem offiziellen Namen „Theater im Vringsveedel“ geführt. Doch bis heute verbinden viele Kölner das Kino mit einem anderen Namen: Trude Herr, die lange Zeit Betreiberin war und nach der es „Trude Herr-Theater“ genannt wurde. Im Jahr 1987 übernehmen die damaligen Betreiber der Kinos „Broadway“ und „Off-Broadway“ Albrecht Winterberg und Heinz Holzapfel das „Theater“ und eröffnen nach einer vollständigen Renovierung das Kino unter dem heutigen Namen „Odeon“.

Im Odeon (Bild: Anne Czech)

Zwischen den Jahren 1994 und 2001 übernimmt die „Kinowelt Medien AG“-Tochter „Arthaus Lichtspieltheater Betriebs-GmbH“ das Kino. Trotz 25.000 Unterschriften Kölner Bürger wird das Odeon Ende 2001 aufgrund der Krise des Kinowelt-Mutterkonzerns geschlossen. Die Wiedereröffnung des Kinos findet am 6. März 2002 dank der Unterstützung durch die Filmstiftung NRW und der zur Rettung gegründeten Odeon-Lichtspieltheater GmbH statt. Der reguläre Spielbetrieb wurde dann wieder ab dem 7. März 2002 aufgenommen. Seitdem begeistert das Odeon-Lichtspieltheater zahlreiche Besucher mit einem auserlesenen und vielfältigen Kinoprogramm. Odeon – Ein besonderes Kino, das den Geist früherer Zeiten atmet.

Das Foyer (Bild: Anne Czech)

 

Odeon-Geschäftsführer Jürgen Lütz im Interview mit Thomas Trierweiler

LWR: Was ist das Odeon? Was macht es zu einem besonderen Kino?

Jürgen Lütz: Es hat ein bisschen gedauert, bis wir als Betreiber erkannt haben, dass das Odeon ein Stadtteil-Kino ist. Das ist das Besondere am Odeon: Es liegt in einem klar definierten Stadtteil. Das Odeon hat ein geographisch gegebenes Einzugsgebiet und versorgt die Menschen aus dem Umkreis mit guten Filmen. Wenn man irgendwann verstanden hat, dass man ein Versorger mit einer gewissen kulturellen Qualität ist und darauf auch Rückmeldungen bekommt, kann man als Kino mit seinem Stadtviertel auch durchaus interagieren. Auf der einen Seite versuchen wir, wie jedes andere Kino in Köln, die wichtigen Filme aus dem Erstaufführungsbereich zu zeigen. In unserem Metier suchen wir natürlich insbesondere unter den Kunstfilmen. Darüber hinaus versuchen wir, so viel Kommunikation über Filme wie möglich hier stattfinden zu lassen. Das heißt, dass wir hier auch Premieren, Lesungen und thematische Reihen veranstalten, bei denen Gäste zu speziellen Themen referieren oder auch mit dem Publikum darüber sprechen. Das ist uns ganz wichtig.

Filmprojektor (Bild: Anne Czech)

LWR: Was sind für Sie die Highlights aus der Geschichte des Odeons, natürlich insbesondere aus Ihrer aktiven Zeit? Was hatten Sie für Gäste, an die Sie sich besonders gerne zurück erinnern?

Jürgen Lütz:Das ist schwer zu beantworten. Wir haben über 50 Veranstaltungen im Jahr und gucken seit der Wiedereröffnung auf eine zehnjährige Geschichte zurück. Wir hatten in der Zeit also ca. 500 Veranstaltungen. Was mir 2011 besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist eines der wenigen Konzerte, die wir hier veranstaltet haben. Es war ein Konzert des Filmmusikers Little Bob, der den Soundtrack zu Aki Kaurismäkis „Le Havre“ gemacht hatte. Dieser 65-jährige Alt-Rocker mit seiner Begleit-Band, der vor allem in Frankreich und England als Rock-Musiker sehr bekannt ist, hat unseren Saal richtig gerockt.

Das war schon großartig. So viel Energie habe ich meinem Publikum gar nicht zugetraut. Jetzt weiß ich, dass ich so etwas eigentlich einmal im Jahr veranstalten muss. Mir fällt da noch unsere Auftaktveranstaltung ein, die kein Kinofilm war. Das war noch in der Renovierungsphase bei der Neueröffnung 2002. Im Februar kam eine Anfrage vom Literaturhaus Köln, ob Michelle Houellebecq hier lesen könnte. Das war so eine Art Initialzündung. Die Leute wussten überhaupt nicht, wo sie stehen oder sitzen sollen. Herr Houellebecq hat auch in gewisser Weise die Bühne gerockt. Er war sturzbetrunken und sein Übersetzer hatte große Mühe, alles wieder in den Griff zu bekommen..

Daran erinnere ich mich auch sehr gerne. Das hat uns allen sehr viel Mut gemacht, weil es während der Renovierungsarbeiten etwas ruhig um das Odeon geworden war.Mit diesem Auftakt haben wir gesehen, dass die Leute kommen, wenn man das Richtige anbietet. Vor allen Dingen müssen wir solche Veranstaltungen auch gut kommunizieren.

Programm im Odeon (Bild: Anne Czech)

 

LWR: Seit wann sind Sie Geschäftsführer des Odeon? Wie sind Sie zu ihrer Tätigkeit gekommen?

Jürgen Lütz: Da muss ich kurz nachdenken. Ich bin hier seit 2006 Geschäftsführer. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geologie studiert, habe aber zeitgleich immer in einem Kino in Bonn gearbeitet. Irgendwann wurde mir klar, dass ich mit meinen Studiengängen wahrscheinlich kein Geld verdienen werde. Vielleicht kam das auch daher, dass ich so viel Zeit in Kinos verbracht habe. Dann hatte ich das große Glück, mit einigen Partnern einen Filmverleih gründen zu können. Dadurch haben wir das Kapital erwirtschaftet, dieses Kino neu eröffnen beziehungsweise wiedereröffnen zu können.

 

Eingang Kino 1 (Bild: Anne Czech)

LWR: Was fasziniert Sie am ODEON und was unterscheidet es von anderen Filmkunstkinos in Köln?

Jürgen Lütz: Wir sind definitiv auch ein Kunstkino. Der Arthaus-Bereich in Deutschland hat einige Begriffe, mit denen er sich bezeichnet. Für mich ist wie erwähnt wichtig, dass man sich im Odeon um eine besondere Form gelebter Filmkultur bemüht. Das Odeon hat eine große Tradition im Umkreis, da es als Kino den idealen Standort hat. Das hat damit zu tun, dass es als Kino in den 50er Jahren auf einer alten Theaterruine gebaut wurde. In den 80er Jahren hat Trude Herr hier fast zehn Jahre ihr Theater aufgeschlagen. Danach ist es wieder Arthaus-Kino geworden. Durch diese irgendwo wechselhafte, aber künstlerisch kontinuierliche Geschichte und die Präsenz einer beseelten Person wie Trude Herr verfügt das Kino immer noch über eine besondere Aura. Wir fühlen uns da auch verpflichtet und erinnern mit Veranstaltungen an die besonderen Daten von Trude Herr. Eine unserer erfolgreichsten Reihen, die Kölsche Film-Matinee, ist genau daraus entstanden, dass wir versucht haben, Theaterinszenierungen von ihr hier auf die Leinwand zu bringen. Das lief so gut, dass wir uns überlegt haben, uns noch anderer Kölner Themen anzunehmen. Schon war eine ganze Reihe entstanden, für die wir letztes Jahr, was eine sehr angenehme Überraschung war, mit dem Severins-Bürger-Preis ausgezeichnet wurden.

Die Eingangstür zum Odeon (Bild: Anne Czech)

LWR: Welche Person aus der Filmbranche würden Sie gerne einmal im Odeon willkommen heißen?

Jürgen Lütz: Da würde mir spontan ein Name einfallen. Ich finde Schauspieler zwar toll und wir hatten ja auch schon einige Schauspieler hier, was immer sehr großartig ist. Ich erinnere mich da sehr gerne an Jessica Schwarz mit „Das Lied in mir“ und an diverse Regisseure. Wen ich aber wirklich gerne im Odeon hätte, wäre Dieter Kosslick. Kosslick hatte seine lange Tätigkeit in der Filmbranche als Chef der Filmstiftung NRW begonnen, bevor er die Leitung der Berlinale übernommen hat. Von daher ist er eher auf der Produzenten und Erschaffer-Ebene. Er macht Programm, er macht Film-Events und überlegt stets, wie er so etwas wie die Berlinale zukunftsfähig weiterentwickelt. Kosslick schafft neue Nebenwettbewerbe und guckt, wo die Trends hingehen. Das ist eine ziemlich große Aufgabe, die weit über das Machen von Filmen hinausgeht. Es ist eine Art von Filmpräsentation, die weltweit stattfinden muss. Mit ihm würde ich mich gerne einmal über seine Arbeit unterhalten, da sich so etwas ganz spannend finde.

Jürgen Lütz und Thomas Trierweiler (Bild: Anne Czech)

 

 

Ein Besuch im Odeon Kino von Anne Czech

Ein einladendes Foyer, ein roter Teppich, ein positiver Flair und ein schwerer, wallender Vorhang. Das alles gibt es in familiärer Atmosphäre mitten in Köln. Diese Variante des Kinos existiert heute kaum noch, da die großen Multiplexkinos den deutschen Kinomarkt anführen. Leider ähneln diese einander alle sehr und zielen mit überteuertem Fast Food und riesigen Sälen mehr auf Profit, als auf eine angenehme Atmosphäre ab. Im Odeon Lichtspieltheater in der Kölner Südstadt sieht das noch ganz anders aus.

Kuchen im Odeon (Bild: Anne Czech)

Nachdem ich mir eine Karte zum Film „Ziemlich Beste Freunde“ gekauft habe, hatte ich noch etwas Zeit bis zum Beginn des Films. In dem kleinen Cafeim Eingangsbereich werden Kleinigkeiten zu Essen und Getränke angeboten. Angezogen von frischem Kaffeeduft, wähle ich aus einem reichhaltigen Gebäck und Getränke Angebot einen Blaubeermuffin und einen Cappuccino aus. Auf den roten Ledersitzen im Foyer vergeht die Zeit bis zum Beginn des Films schnell. Schon beim Genuss meines Kaffees ist mir aufgefallen: Hier kennt man sich. Es wird geplappert und gelacht, gute Laune liegt in der Luft.

Die Treppe zum Kino 1 (Bild: Anne Czech)

Nachdem ich einen guten Sitzplatz ausgewählt habe, lehne ich mich in meinem blauen Sessel zurück und glaube, jetzt mit bunter Werbung überschüttet zu werden. Doch anstelle von schnöder Verbraucherinformationen flimmern im Odeon gerade mal für ein paar Minuten Filmvorschauen über die Leinwand. Bevor die Komödie „Ziemlich beste Freunde“ beginnt, wird die Leinwand noch einmal dunkel und der Saal hell, daran erkenne ich, dass hier noch Handarbeit hinter der Filmvorführung steckt. Dank der Tatsache, dass die Betreiber des Odeons auf die typischen Snacks der großen Kinos, wie Nachos und Popcorn, verzichten, war während des Films eine angenehme Ruhe in dem alten Kinosaal. Nur bei amüsanten Szenen wurde natürlich herzlich gelacht. Die Soundeffekte sind nicht so weit entwickelt, wie die eines Großkinos, aber das ist bei der vom Odeon gewählten Programmauswahl auch nicht entscheidend.

Am Ende des Films war ich froh das Odeon gewählt zu haben, da hier neben dem Film auch noch das Kino als sozialer Treffpunkt im Vordergrund steht. Der Besuch eines kleinen Lichtspieltheaters ist ein ganz anderes Filmerlebnis, als der eines überlaufenen Multiplexkinos. Beides hat seine Vor- und Nachteile, die man vielleicht je nach Kinofilm abwägen sollte, aber das Odeon siegt definitiv in puncto Charme.

Kino 2 (Bild: Anne Czech)

 

Hier geht es zur offziellen Homepage vom Odeon

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.02.2012
Das Odeon

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