Review: Der blutige Pfad Gottes (Blu-ray)

Blu-ray-Cover von "Der blutige Pfad Gottes" (Quelle: Capelight Pictures)

Blu-ray-Cover von „Der blutige Pfad Gottes“ (Quelle: Capelight Pictures)

Inhalt: Die religiösen, irischen Brüder Connor (Sean Patrick Flanery, „Dead Zone“) und Murphy McManus (Norman Reedus, „The Walking Dead“) schlagen sich trotz guter Bildung als Fließbandarbeiter einer Fleischfabrik in Boston durch. Eigentlich wollen sich die beiden am St. Patrick’s Day nur mit ihren Freunden in ihrer Stammkneipe betrinken, als einige Handlanger der russischen Mafia auftauchen. Doch sie haben die Rechnung ohne Connor und Murphy gemacht. Am nächsten Tag sind die Kriminellen tot und die Brüder werden in der Öffentlichkeit als „Heilige“ gefeiert. Durch diese Ereignisse fühlen sie sich von Gott auserwählt, die Welt von Bösewichtern zu befreien, was sie fortan sehr erfolgreich tun.

Der FBI-Agent Paul Smecker (Willem Dafoe, „The Hunter“) und die drei lokalen Polizisten Dolly (David Ferry) Duffy (Brian Mahoney, „American Pie – Das Klassentreffen“) und Greenly (Bob Marley) ermitteln und stellen sich bald selbst die Frage: Wie sind die Taten der „Boondock Saints“ (so der Originaltitel) zu bewerten?

Kritik: Der Barkeeper Troy Duffy schrieb das Drehbuch zu diesem schwarz-humorigen Actionfilm. 1999 führte er dann zusätzlich Regie. In vielen Kreisen ist der Film bis heute unbekannt und hier in Deutschland ist erst jetzt nach 11 Jahren vom Index gestrichen worden, wo er wegen dem lockeren Umgang mit dem Thema Selbstjustiz gelandet war. Das „Der blutige Pfad Gottes“ dennoch weltweit große Anhängerzahlen hat und als Kultfilm gefeiert wird, hat zahlreiche Gründe. Die Actionsequenzen sind klasse inszeniert und erreichen problemlos oberstes Hollywood-Niveau, was bei einem Budget von 7 Millionen Dollar sehr beachtlich ist. Auch die Erzählstruktur ist erinnerungswürdig, da alle Bluttaten von FBI-Agent Smecker am Tatort rekonstruiert und erst in Rückblenden erzählt werden, was ungewöhnlich gut funktioniert.

Die nettesten Killer aller Zeiten und ein genialer Willem Dafoe

Connor und Murphy sind leicht lädiert aber glücklich (Quelle: Capelight Pictures)

Connor und Murphy sind leicht lädiert aber glücklich (Quelle: Capelight Pictures)

Im Gegensatz zu den vielen sehr stringenten und wortkargen Rächern sind die McManus-Brüder sympathisch und leicht naiv. Wenn sie ihre Mordpläne schmieden und dabei Charles Bronson-Filme zum Vorbild nehmen oder das Hinterteil eines russischen Unterweltschlägers mit Schnaps und einem Feuerzeug malträtieren, wird dem Zuschauer mehr als nur ein Schmunzeln entlockt.

Die originellen Einfälle und tollen Dialoge funktionieren aber auch so gut, weil Sean Patrick Flanery und Norman Reedus glaubwürdig spielen und als Brüderpaar hervorragend harmonieren. Sie spielen so menschlich, dass der Zuschauer ihnen einfach nichts übel nehmen kann. Der Star dieses Films ist aber eindeutig, nicht nur nominell, Charaktermime Willem Dafoe. Sein Agent Smecker ist charismatisch, witzig, leicht feminin und ultra-schräg. Wie er zu Klassikmusik mit übertriebener Gestik durch die Tathergänge der Brüder schreitet, den intellektuell unterlegenen Detective Greenly demütigt oder in Frauenkleidern Mafiosi bespitzelt: Agent Smecker ist eine der kuriosesten und unterhaltsamsten Filmfiguren der letzten 20 Jahre, was hauptsächlich der grandiosen Leistung von Dafoe zuzuschreiben ist.

Agent Smecker führt seine Kollegen vor (Quelle: Capelight Pictures)

Agent Smecker führt seine Kollegen vor (Quelle: Capelight Pictures)

David Della Rocco, ein enger Freund von Regisseur Duffy, darf hier den Mafia-Laufburschen Rocco spielen, der sich irgendwann den Brüdern auf ihrem Rachefeldzug anschließt. Auch er macht jederzeit Spaß. David Ferry, Brian Mahoney und Bob Marley (nein, nicht die Reggae-Legende) arbeiten als überfordertes Ermittler-Trio im Fahrwasser von Dafoe. Das reicht auch für sie aus, um zu überzeugen. Carlo Rota als Mafiaboss Yakavetta und Billy Connolly als alternder Profikiller Il Duce komplettieren das famose Ensemble.

Auch wenn das Thema Selbstjustiz hier etwas verharmlost wird. „Der blutige Pfad Gottes“ ist charmant, witzig, skurril, optisch anspruchsvoll, toll gespielt und schlicht und ergreifend ein hervorragender Film. Auch ein Quentin Tarantino, der vier Jahre später „Kill Bill“ inszenierte, hätte diesen Film nicht besser als Debütant Troy Duffy inszenieren können. Im Zeitalter von „Dexter“ und Co. sollten die Bedenken hinfällig sein, die damals zu dem Verbot geführt haben. Es ist erfreulich, dass dieser ungewöhnliche Unterhaltungsfilm jetzt auch einem größeren, erwachsenen Publikum zugänglich gemacht wird.

4,5 von 5 Punkten

 

Il Duce ist den Brüdern auf den Fersen (Quelle: Capelight Pictures)

Il Duce ist den Brüdern auf den Fersen (Quelle: Capelight Pictures)

Bild: Wenn in Betracht gezogen wird, dass „Der blutige Pfad Gottes“ inzwischen 13 Jahre alt ist, ist das Ergebnis mehr als beachtlich. Die Farben sind kräftig, der Kontrast ist gut und auch die Schärfe stimmt in den meisten Fällen. Nur selten sind leichte Unschärfen zu erkennen.

4 von 5 Punkten

Ton: Der englische und deutsche DTS-HD MA 5.1-Ton ist noch einmal eine Steigerung zum Bild. Die Dialoge sind immer perfekt verständlich, die Hintergrundgeräusche wurden gut abgemischt und bei den zahlreichen Actionszenen bebt die Anlage.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Audiokommentare von Troy Duffy und Billy Connolly, entfallene Szenen, Outtakes, Probeaufnahmen, Trailer sowie eine Bonus DVD mit der Dokumentation „OVERNIGHT“ bieten einen hohen Mehrwert zum Film. Leider ist der große Anteil der Extras nicht in HD.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle: TripleP21, Capelight Pictures, YouTube

Der blutige Pfad Gottes

Originaltitel:The Boondock Saints
Regie:Troy Duffy
Darsteller: Willem Dafoe, Sean Patrick Flanery, Norman Reedus
Genre:Actionkomödie
Produktionsland/-jahr:USA/Kanada, 1999
Verleih:Capelight Pictures
Länge:104 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.11.2012
Der blutige Pfad Gottes (Blu-ray)

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