Review: Winter’s Bone (Blu-ray)

Bildquelle: Ascot Elite

Das Leben der 17-jährigen Ree Dolly (Jennifer Lawrence, Mystique in „X-Men-Erste Entscheidung“) ist so schon hart genug: Da ihre psychisch kranke Mutter nicht mehr zurechenbar und ihr Vater verschwunden ist, muss Ree die Familie versorgen und ihre kleinen Geschwister Sonny und Ashlee in einer kargen Blockhütte in den Wälder der Ozark-Berge in Missouri aufziehen. Es wird aber noch schlimmer, als sie eines Tages vom Sheriff des Ortes (Garret Dillahunt, Wendell in „No Country for Old Men“) erfährt, dass ihr wegen der Produktion der Droge Crystal Meth angeklagter Vater verschwunden ist und das Haus der Familie als Kaution hinterlegt hat. Alleine macht sich die resolute Ree auf die Suche nach ihrem Vater. Von ihren Mitmenschen, die fast alle in kriminelle Machenschaften verwickelt sind, und speziell von ihrem drogensüchtigen Onkel Teardrop (John Hawkes, Bugsy Moran aus „Der Sturm“) schlagen ihr nur feindselige Reaktionen entgegen. Ree bleibt aber hartnäckig und kämpft um das Obdach ihrer Familie.

Debra Graniks zweite Regiearbeit, die Romanverfilmung „Winter’s Bone“, gehörte mit vier Nominierungen bei den Oscars 2011 und dem Jury-Preis bei Robert Redfords Sundance-Festival zu den positiven Überraschungen des Jahres. Der unscheinbare Independent-Film, der auf den ersten Blick wie ein Familiendrama aussieht, sich aber zu einem handfesten Thriller entwickelt, schafft es sofort, den Zuschauer die trist-graue Welt zwischen Trailer-Parks, Blockhütten und Meth-Laboren mit jedem Bild spüren zu lassen. Die unaufdringliche und souveräne Regie von Granik zeichnet ein düsteres Bild der illusionslosen, kriminellen Sippen, die durch engen Zusammenhalt alle Machenschaften geheim halten. Das hätte schnell klischeebeladen wirken, oder in einer Vorführung der Charaktere enden können. Die moralisch manchmal fragwürdigen, aber tiefgründigen Figuren, die zu einem großen Anteil von Laiendarstellern verkörpert wurden, sind jedoch sehr realistisch dargestellt und lassen keinen Raum für Klischees.

Ein Star ist geboren

Ein weiteres Highlight des Films ist die Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence. Die bis zu diesem Film wohl nur Insidern bekannte Schauspielerin (Gastauftritte in Serien wie „Monk“ oder „Medium“) bietet einen atemberaubenden Auftritt als Jugendliche, die gezwungen ist, ihre Familie zu versorgen. Sie verleiht der Protagonistin, die für ihre Familie vor psychischen und körperlichen Schmerzen nicht zurück schreckt, unglaubliche Tiefe für die schwierigen Situationen, lässt aber auch manchmal die kindliche Naivität der jungen Frau erkennen. Leider unterlag die inzwischen 21-Jährige bei den Oscars noch Natalie Portman, lässt aber mit dieser Rolle vermuten, dass sie in Zukunft häufiger ein Kandidat für die kleine Goldstatue der Academy sein wird.

Auch John Hawkes als Rees raubeiniger Onkel Teardrop bietet in diesem Film die wohl stärkste Vorstellung seiner 25-jährigen Karriere. Er verkörpert sowohl den drogensüchtigen, kriminellen Taugenichts, als auch den treusorgenden Familienmenschen steckt extrem glaubwürdig und bewahrt der Figur über die gesamte Spieldauer eine gewalttätige Bedrohlichkeit. Sein Auftritt wurde ebenfalls mit einer Oscar-Nominierung honoriert. Die oben genannten Laiendarsteller komplettieren das Feld der finsteren Charaktere, deren zwischenmenschlichen Emotionen gemeinsam mit der kahlen Landschaft eine unglaublich zerstörerische Atmosphäre kreieren.

Diese mit ruhiger Hand erzählte, aber unheimlich spannende Geschichte von “Winter’s Bone” wurde zu Recht bei den Oscars neben den Darstellerpreisen noch für das beste Drehbuch und den besten Film nominiert, konnte aber keine Auszeichnung gewinnen. Es bleibt eine zwischen schwebender Bedrohung und explodierender Gewalt wankende Milieustudie, die auch dank einer spektakulär guten Hauptdarstellerin den Zuschauer mit der Wucht eines Schlags in die Magengrube trifft und verstört zurück lässt.

5 von 5 Punkten

 

Bild: Das Bild präsentiert sich dafür, dass es sich bei „Winter’s Bone“ um eine kleine Independent-Produktion handelt, auf hervorragendem Niveau. Während des gesamten Films wird ein sehr scharfes und plastisches Bild geboten. Als einzige Schwäche fällt die etwas zu schwache Kontrastierung bei dunklen Szenen auf.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Die deutsche und englische Tonspur in DTS-HD Master Audio 5.1 ist auf sehr gutem Niveau. Natürlich kann man schon anhand der Handlung kein besonders mitreißendes Klangfeuerwerk erwarten. Die Dialoge sind aber alle sehr klar und deutlich umgesetzt und die Hintergrundgeräusche im Wald können auch zu jeder Zeit voll überzeugen.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Ein 45 minütiges Making-Of bietet einen weitreichenden Blick hinter die Kulissen. Die sonstigen Extras sind mit einem Audiokommentar, einem Kinotrailer und ein paar gelöschten Szenen aber etwas dürftig ausgefallen.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Hier geht es zur offiziellen Homepage des Films

 


Quelle: Ascot Elite, YouTube

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