Review: Der große Crash – Margin Call (Kino)

Quelle: Koch Media

„Der große Crash – Margin Call“ (©: Koch Media)

Wem ist während der aktuellen Wirtschaftslage noch nicht diese Frage durch den Kopf gegangen: Was machen die großen Investmentbanker eigentlich hinter verschlossenen Türen? Langfilmdebütant J.C. Chandor gibt in seinem kammerspielartigen Wirtschaftsthriller sehr viele Antworten auf diese Frage.

Inhalt: Zeitlich ist sein Film 36 Stunden vor dem Börsencrash im Jahr 2008 angesiedelt. Unter den Investmentbankern greift eine Entlassungswelle um sich. Davon ist auch Risiko-Analyst Eric Dale (Stanley Tucci,  „Captain America – The First Avenger“) betroffen. Der gibt, bevor er des Gebäudes verwiesen wird, noch einen USB-Stick mit seiner letzten Arbeit an seinen jungen Kollegen, den gelernten Raketentechniker Peter Sullivan (Zachary Quinto, „Heroes“) weiter.

Sullivan rechnet daraufhin bis in die späten Abendstunden die Zahlen auf dem Stick durch und ruft panisch seinen Kollegen Seth Bregman (Penn Badgeley,  „Gossip Girl“) und seinen Abteilungsleiter Michael Emerson (Paul Bettany, „The Da Vinci Code“) zurück ins Büro. Die beunruhigenden Ergebnisse, die Sullivan den beiden vorlegt, veranlassen Emerson, seinen Vorgesetzten Sam Rogers (Kevin Spacey, „Die üblichen Verdächtigen“) zu informieren. Als Rogers die Tragweite der neuen Erkenntnisse klar wird, organisiert er eine nächtliche Sondersitzung. Schon bald der versammelt sich der Vorstand (u.a. Simon „The Mentalist“ Baker und Demi Moore,  “Eine Frage der Ehre”) inklusive CEO John Tuld (Jeremy Irons, „Stirb Langsam- Jetzt erst recht“). Gemeinsam überlegt das Gremium, wie die aufgetretenen Probleme an andere weiter gegeben werden können.

 

Kritik: Dieser Film ist kein reines Starvehikel. Chandor schafft es, ein realistisches Umfeld dort zu schaffen, wo dieser dialoglastige Film seinen Darstellern ihre volle Qualität abverlangt. J.C. Chandor, dessen Vater als Finanzmakler tätig war, bringt seine Expertise auch in der Charakterzeichnung erkennbar ein.

 Starauflauf zum Börsencrash

Quelle: Koch Media

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Die Personen, die sich in dieser Nacht treffen, sind keine diabolischen Wegelagerer im Stile von Michael Douglas’ Alter Ego Gordon Gecko aus dem Film „Wall Street“. Es handelt sich viel mehr um ganz normale Personen, die versuchen, ihre Zukunft zu retten und dabei den Überblick über die möglichen Auswirkungen ihrer Taten auf den sehr komplexen Finanzmarkt verlieren. Hauptdarsteller und ausführender Produzent Zachary Quinto ermöglichte seinem Freund Chandor die Umsetzung von dessen Drehbuch. Zusätzlich gelingt es Quinto mit seiner vielschichtigen Darstellung des aufstrebenden Karrieretyps Sullivan Sympathie und Verständnis für seine schwierige Figur zu erzeugen.

Kevin Spacey zeigt als zwischen seinem Gewissen und der Loyalität zu seiner Firma gespaltener nachdenklicher Routinier Rogers, was für ein außergewöhnlicher Charakterdarsteller in ihm steckt. Der dritte Hauptdarsteller Paul Bettany, der in letzter Zeit hauptsächlich in religiös angehauchten Actionfilmen wie „Legion“ oder „Priest“ zu sehen war, beweist als zynisch-taffer Michael Emerson, dass auch er durchaus hochwertige Qualitäten als Darsteller besitzt. Auch die fast ausschließlich prominenten Nebendarsteller schaffen es ohne Ausnahme zu überzeugen, wobei speziell Jeremy Irons als gerissener, skrupelloser Vorstandvorsitzender eine Vorstellung bietet, die einem im Gedächtnis bleibt.

„Der große Crash – Margin Call“ ist ein außergewöhnlicher Film, der sowohl als Wettbewerbsauftakt der Berlinale 2011 als auch auf Robert Redfords Independent-Filmfestival Sundance zu Recht von den Zuschauern gefeiert wurde. Der Film verwendet eine Fülle von Metaphern, die vor allem anhand des Schicksals von Sam Rogers Hund offen gelegt werden. Die komplexe Thematik und die Dialoglastigkeit dieses Kammerspiels werden für den Film nicht zu einer Belastung, da die zwischenmenschlichen Aspekte sowie die Figurenentwicklung sehr ergreifend sind und niemals Langeweile aufkommen lassen. Dass Chandors bärenstarker Finanzthriller zu keiner angemesseneren Zeit hätte veröffentlicht werden können und somit eine ungewollte Aktualität besitzt, hinterlässt wohl bei vielen Zuschauern eine bleibende Gänsehaut.

5 von 5 Punkten

Hier geht es zur offiziellen Homepage des Films

Videoquelle: VIP Magazin, YouTube

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