Review: Scars of Xavier (Mediabook)

Das Mediabook-Artwork Cover A von "Scars of Xavier" (© 2020 Wicked-Vision)

Das Mediabook-Artwork Cover A von „Scars of Xavier“ (© 2020 Wicked-Vision)

Inhalt: Der wortkarge Mittvierziger Xavier (Marc Engel) wäre eigentlich ein ziemlich unauffälliger Zeitgenosse, würde er nicht ein radikales Doppelleben führen: Nachts lauert der hauptberufliche Autowäscher jungen Frauen auf und ermordet sie auf möglichst brutale Weise. Nachdem ihm die Polizei in seiner italienischen Wahlheimat auf die Schliche kommt, zieht es ihn in die tschechische Metropole Prag. Nachdem er auch dort schnell erste Opfer findet, lernt er in einer Kneipe in seiner Nachbarschaft die Kellnerin Karolina (Alexia von Wismar) kennen. Er fühlt sich zu der Frau hingezogen, gibt sich aber zeitgleich weiter seiner blutrünstigen Leidenschaft hin. Hat Xavier überhaupt die Chance, ein normales Leben zu führen?

Kritik: Nachdem Kai E. Bogatzki bis dahin hauptsächlich als Kurzfilm-Regisseur und Editor in der zweiten Reihe der deutschen Indie-Horror-Branche unterwegs gewesen war, entschloss er sich 2016, seinen ersten Langfilm in die Tat umzusetzen. Gemeinsam mit Marc Engel (Produzent und Hauptdarsteller) sowie Sascha Goldbach (Executive Producer) setzte er sich an die Umsetzung einer Serienkiller-Geschichte, die mittels privater Mittel und einer Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Der Plan ging auf, was dem Film sogar ein Jahr später schon erste Auszeichnungen auf kleineren US-Festivals einbrachte. Mit etwas Verzögerung hat der Psychothriller jetzt den Sprung ins deutsche Heimkino geschafft. Dabei schlägt „Scars of Xavier“ nicht den Weg der klassischen Mörderjagd ein, sondern guckt dem titelgebenden Monster viel mehr bei seiner „Arbeit“ über die Schulter.

Xavier geht seinem finsteren Hobby nach (© bogatzki.mov)

Xavier geht seinem finsteren Hobby nach (© bogatzki.mov)

In einer Art humorloser, nihilistischer Antwort auf den Skandalkultfilm „Mann beißt Hund“ begleitet die Kamera das teils ausgesprochen verstörende Treiben. Xavier bei seinem von Badezimmer-Routine bis Schlachteinlagen gezeigten Alltag zu beobachten, ist nicht immer unterhaltsam – soll es aber auch gar nicht sein. Es entwickelt sich ein zorniger, extrem brutaler und unangenehmer Trip, der immer auch von schicken stilistischen Einfällen lebt. Eine herausragend böse Sequenz in einer Diskothek, die vielleicht konsequenteste Verbindung von Arthouse und Exploitation, die eine einzelne Filmszene in letzter Zeit hervorgebracht hat, und der diabolische Schlussakkord sorgen dafür, dass sich der Look trotz schmalem Produktions-Geldbeutel ins Gedächtnis einbrennt.

Dazu kommt mit Marc Engel ein Hauptdarsteller, der weit über den darstellerischen Standard von Indie-Horror hinaus geht. Der Schauspieler, der für die Rolle massiven Gewichtsverlust, Isolation und wortwörtliche Selbstverstümmelung auf sich nahm, entwickelt einen sehr präsenten und aufrichtig angsteinflößenden Bösewicht.

Da ist es schon schade, dass sich der Film mit einer Entscheidung etwas auf den Füßen steht. Statt dem entsetzlichen Treiben ohne großen Kontext zu folgen, wird immer wieder auf die Hintergrundgeschichte einer gewalttätigen Mutter eingegangen. Die Prämisse nimmt dem gnadenlosen Protagonisten etwas von seiner Rätselhaftigkeit, was sich an mehreren Stellen als kontraproduktiv erweist.

Selbst wenn nicht alle Rädchen ineinander greifen, ist Kai E. Bogatzki ein hochinteressantes Regiedebüt gelungen, in das spürbar viel Herzblut gewandert ist. „Scars of Xavier“ macht den Zuschauer zum Komplizen und nimmt ihn auf eine unerfreuliche, fiese, auf ihre eigene Art packende Reise, die für ein hartgesottenes Publikum absolut empfehlenswert ist.

Kann Karolina Xavier auf andere Gedanken bringen? (© bogatzki.mov)

Kann Karolina Xavier auf andere Gedanken bringen? (© bogatzki.mov)

Der Film ist seit dem 07.04.2020 im Mediabook erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

Bild: Technisch wird solides Niveau geboten. Schärfe und Detaildarstellung sind meisten eher mittelmäßig. Die kargen Farben funktionieren bei entsprechender Beleuchtung. Kontraste und Schwarzwert hätten sicherlich etwas kräftiger sein können. Rauschen und kleine Unsauberkeiten passen zum Geschehen.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der originale englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind ziemlich ordentlich ausgefallen. Auf der DVD sind eine deutsche und eine englische Dolby Digital 5.1-Spur zu finden. Die Dialogwiedergabe in der Originalversion ist komplett problemlos, während die deutsche Synchronisation stellenweise etwas schwachbrüstig wirkt. Gerade der starke, enervierende Score wurde effektiv abgemischt. Aber auch ansonsten (z.B. Disko-Szene, anfängliche Schießerei, Prager Straßenverkehr) werden die äußeren Boxen gut mit eingebunden. Selbst ohne Effektfeuerwerk kann der Low-Budget-Film in diesem Segment absolut überzeugen.

4 von 5 Punkten


Extras: Im Zentrum der gewohnt stabil verarbeiteten Hülle befindet sich ein 24-Seiten-Booklet mit Filmstills und Texten von Mike Blankenburg. Ein ausgesprochen ausführliches Making of mit dem sympathischen Filmteam (45 Minuten), ein Making of der Synchronisation (10 Minuten), fünf Interviews mit Cast und Crew (insgesamt 34 Minuten), das Musikvideo „Disruption“ von Backfired.Hate (6 Minuten), der Kurzfilm „Treshold“ (3 Minuten), ein paar entfernte Szenen (3 Minuten), eine Bildergalerie und einige Trailer bieten einen schönen Mehrwert zum Film.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle. KinoCheck Horror, YouTube

Scars of Xavier

Originaltitel:Scars of Xavier
Regie:Kai E. Bogatzki
Darsteller:Isabelle Aring, Thomas Binder, Marc Engel
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2017
Verleih:Wicked-Vision Media
Länge:91 Minuten
FSK:tba

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Wicked-Vision

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 10.07.2020
Review: Scars of Xavier (Mediabook)

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