Review: Under the Wire (Kino)

Das Plakat von "Under the Wire" (© Ascot Elite)

Das Plakat von “Under the Wire” (© Ascot Elite)

Inhalt: In über einem Vierteljahrhundert hat sich die amerikanische Kriegsjournalistin Marie Colvin mit ihrer kompromisslosen Berichterstattung weltweite Anerkennung verdient. Trotz zahlloser Auszeichnungen und großen Errungenschaften dachte sie gar nicht daran, einen ruhigeren Bereich ihres Berufs kennenzulernen. Gemeinsam mit dem Ex-Soldaten und Fotojournalisten Paul Conroy, einem langjährigen Freund und Weggefährten, reist sie im Frühjahr 2012 nach Syrien, um dort von den Vorkommnissen rund um den Bürgerkrieg zu berichten. Unter größter Gefahr gelingt es ihnen, nach Homs zu kommen, wo sie ein Bild des Schreckens erwartet. So ertragen die Menschen den ständigen Beschuss des Militärs und Verletzungen und Tote gehören zum Alltag. Colvin und Conroy machen es sich zur Aufgabe, die schockierenden Zustände ans Tageslicht zu bringen. Doch dann fordert ihre Arbeit das ultimative Opfer ein.

Kritik: Im Jahr 2012 ging die tragische Geschichte der Kriegsjournalisten Marie Colvin und Paul Conroy um die Welt. Beide begaben sich in Lebensgefahr, um auf das unvorstellbare Elend in Homs und die Lügen des Assad-Regimes aufmerksam zu machen und bezahlten einen unvorstellbaren Preis. Der routinierte britische Dokumentarfilmer Christopher Martin hat mit einer Mischung von Originalaufnahmen, Interviews und nachgestellten Szenen den Weg des Duos nachgezeichnet. Herausgekommen ist ein intensiver und aufrüttelnder Film, der sich mit der Wichtigkeit von echtem Journalismus und von Werten wie Solidarität und Empathie auseinandersetzt und dabei mehr als reine Verneigung vor der weltbekannten Journalistin mit der Augenklappe ist.

Das Herz von „Under the Wire“ ist dabei sicherlich Paul Conroy. Es könnte wohl kaum einen passenderen Erzähler als den idealistischen, raubeinigen Kriegsveteran geben, der den Zuschauer in breitem Liverpooler Dialekt immer tiefer in die unvorstellbaren Abgründe dieses Kampfes einer Regierung gegen die eigene Bevölkerung führt. Mit Bildern, die sich im Kopf einbrennen (manchmal aber auch schon etwas manipulativ wirken) und vorbildhaften Charakteren wie dem mitreißend sympathischen einheimischen Übersetzer Wa’el schafft es Christopher Martin, seinem Publikum massive Denkanstöße zu vermitteln, ohne dabei belehrend zu wirken. Dabei behält „Under the Wire“ einen Fokus, der absolut wichtig ist: Der Film wird nie zur reinen Heldensage über selbstlose Journalisten, sondern konzentriert sich darauf, die Geschichte zu erzählen, für die diese gefährliche Reise angetreten worden ist – wobei Zitate aus Colvins ungeschönten Artikeln sicherlich zu den bedeutenden Momenten der Dokumentation zählen.

Dabei scheuen sich die Macher auch nie davor, Schritte zu gehen, die wirklich weh tun. Es mag sein, dass diese harte Dokumentation genau deswegen zu unhandlich für die großen Preisverleihungen geworden ist. Doch gerade weil dieser Film gar keine Anstalten macht, dem Zuschauer gefallen zu wollen, bleibt ein derart beeindruckendes Ergebnis. Dabei sind es sogar hauptsächlich positive Momente, die nachdenklich stimmen. Wenn die so geschundenen Bürger von Homs die Zeit finden, Journalisten für das reine Interesse an ihrem Schicksal zu würdigen und einem Paul Conroy – Typ Fels in der Brandung – bei den Aufnahmen die Tränen kommen, kann sich wohl niemand den Menschen und Ereignissen dieses Films entziehen.

Neben seinen Botschaften, die der Film schon durch seinen klaren und unerbittlichen Blick vermittelt, ist „Under the Wire“ tatsächlich auch noch spannender als die meisten fiktiven Thriller. Die unvorstellbare Situation, in der die gestrandeten und bombardierten Journalisten auf ihre Rettung hoffen, könnte nicht verstörender sein.

Gerade in einer Welt, in der so grauenhafte Wörter wie „Fake News“ und „Lügenpresse“ an der Tagesordnung sind und Menschen, die vor dem Krieg flüchten, zu guten Teilen mit Misstrauen oder teils sogar Feindseligkeit begegnet wird, ist „Under the Wire“ ein nahezu perfekter Film. Ohne vorgefertigte Meinung begleitet die Dokumentation ihre mutigen Protagonisten mit einer (bis auf ein bis zwei nicht idealen Momenten) fesselnden Sachlichkeit. Es ist zu hoffen, dass dieser Film samt der Opfer, die für die Entstehung gebracht worden sind, von möglichst vielen Zuschauern gesehen wird. Auch über das Gewicht seiner Inhalte hinaus bleibt hier ein nervenzehrend intensives und klug erzähltes Machwerk, das Marie Colvin gerecht wird und nachhaltig beeindruckt.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Film Threat, YouTube

Under the Wire

Originaltitel:Under the Wire
Regie:Christopher Martin
Darsteller:Paul Conroy, Ziad Abaza, Janine Birkett, Julian Lewis Jones
Genre:Dokumentation
Produktionsland/-jahr:UK, 2018
Verleih:Ascot Elite
Länge:95 Minuten
FSK:tba
Kinostart:Frühjahr 2019

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 27.01.2019
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