Review: Kin (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von “Kin” (© Concorde Home Entertainment)

Inhalt: Der 14-jährige Elijah (Myles Truitt) wächst bei seinem strengen, geradlinigen Adoptivvater Hal (Dennis Quaid, „Der Moment der Wahrheit“) auf. In der Schule hat der Junge nach einer Schlägerei Stress und sein selbsternannter Nebenjob, Kupferrohre aus Abrisshäusern zu stehlen, erledigt sich auch nicht von allein. Bei einem erneuten Raubzug entdeckt er in einem Gebäude eine Gruppe toter Soldaten, in deren Mitte eine futuristische Waffe liegt, die Elijah prompt an sich nimmt. Zu Hause wartet mit seinem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Adoptivbruder Jimmy (Jack Reynor, „Die Macht des Bösen – The Man With The Iron Heart“) schon der nächste Ärger: Der hatte sich hinter Gittern Schutz von dem brutalen Gangsterboss Taylor (James Franco, „The Disaster Artist“) erkauft und sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, diese Schuld zu begleichen. Nach einem tragischen Zwischenfall muss Elijah dann mit Jimmy die Stadt verlassen. Gemeinsam machen sich die entfremdeten Brüder auf einen Weg quer durchs Land, um einen Neuanfang wagen zu können. Neben Taylors Leuten heften sich auch noch zwei mysteriöse Soldaten, die ein großes Interesse an Elijahs Waffe hegen, an die Fersen der ungleichen Geschwister.

Kritik: Nachdem sie einige Jahre in der Werbung verbracht haben, drehten die Regie-Brüder Jonathan und Josh Baker zuletzt einige Kurzfilme. Vor allem ihr 2014er-Werk „Bag Man“, das sogar auf dem weltbekannten SXSW Festival nominiert wurde, sorgte durchaus für Aufsehen. Diesen kleinen Hit haben sie nun als Ausgangslage für ihren ersten Langfilm genommen. In durchaus stilbewussten Bildkompositionen lässt sich der berufliche Werbe-Hintergrund der Regisseure erkennen. Das allein reicht aber nicht aus, um einen 14-Minüter anstandslos auf 103 Minuten Spielzeit auszuweiten. Nach einem anfänglichen Crime-Drama, das immer mehr in Richtung eines ziellosen Road-Movies driftet, entwickelt sich der Film in der Schlussphase zu skurriler SciFi-Action – was nur bedingt auf die überdimensionale Waffe Elijahs bezogen ist.

Elijah und sein Spielzeug (© Concorde Home Entertainment)

Elijah und sein Spielzeug (© Concorde Home Entertainment)

Hier wird es schnell offensichtlich, dass der Geschichte deutlich Substanz fehlt. Gerade in seinem Mitteldrittel ergeht sich der Film in ausgewalzten Nichtigkeiten, die Geduld und Nervenkostüm des Zuschauers beanspruchen. Nach ziemlich drögen 80 Minuten könnte ein Teil des Publikums plötzlich das Gefühl verspüren, sich versehentlich auf die Fernbedienung gesetzt zu haben. Fortan überschlagen sich die Ereignisse, Hektik bricht aus und „Kin“ entwickelt sich in eine fast schon bewundernswert irrsinnige Richtung. Statt die bisher entstandenen Fragen zu beantworten, entscheiden sich die Macher dazu, weitere Verwirrung in Hoffnung auf ein (ziemlich sicher nie erscheinendes) Sequel zu stiften.

Unter den gegebenen Möglichkeiten macht Debütant Myles Truitt in der Rolle des extravagant bewaffneten Teenagers Elijah einen absolut brauchbaren Job. Jack Reynor hat einen äußerst undankbaren Part erwischt. Sein Jimmy wird mit einer unsympathischen Mischung von Idiotie und Egoismus zum eigentlichen Wurzel allen Übels – wird von der Geschichte aber als Held verkauft. Da es Reynor nicht gelingt, dieser Figur eine Spur von Charme zu verpassen, wird sie zum Tiefpunkt eines ohnehin nicht sonderlich beeindruckenden Werkes. James Franco ist als charismatisch-böser Taylor eine (vielleicht sogar die einzige) verlässliche Unterhaltungsquelle von “Kin”, weswegen sich die meisten mehr Spielzeit für ihn wünschen dürften. Dennis Quaid wird in der Rolle des Vaters der Brüder kaum mehr gefordert als Zoe Kravitz, die eine Teilzeit-Weggefährtin spielt, oder Carrie Coon („The Sinner“), die in der Spätphase des Films als Polizistin zu sehen ist.

Es ist durchaus möglich, aus einem guten Kurzfilm einen ebenso überzeugenden Spielfilm zu machen. „Kin“ folgt hier aber leider nicht einem Beispiel wie „Whiplash“. Viel mehr bleiben 103 holprige Minuten, die bis zu ihrem bizarren Schlussakt nur von einem fiesen James Franco und stylischer Optik im Bereich des Erträglichen gehalten werden.

Taylor ist kein netter Zeitgenosse (© Concorde Home Entertainment)

Taylor ist kein netter Zeitgenosse (© Concorde Home Entertainment)

Der Film ist ab dem 06.06.2019 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2 von 5 Punkten

 

Bild: Da der Look das vielleicht beständigste Element des Filmes war, sollte diese Bildpräsentation bei den meisten auf Gegenliebe stoßen. Trotz ein paar bewusst „filmischer“ Spielereien sind Schärfe und Detaildarstellung sehr ordentlich. Allerdings müssen hier in den dunklen Szene ein paar Abstriche gemacht werden. Die Szenen wechseln stimmungsabhängig zwischen positiv-warmen, kühl-dreckigen und in Neon-Töne getunkten Farben. Kontraste und Schwarzwert wurden absolut zufriedenstellend umgesetzt. Bis auf ein recht konstant auftretendes Rauschen existieren keine Bildfehler.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton liefern immer ab, wenn sie gefordert werden. Während der zahlreichen Verschnaufpausen fällt eigentlich nur die problemlose Dialogwiedergabe auf. Sobald dann ein bisschen akustische Action aufkommt – röhrende Motoren, der Soundtrack von Mogwai, die zentrale Wumme im Einsatz – bebt das Wohnzimmer. Satte Bässe und eine zuverlässige und präzise Räumlichkeit dürften wohl die meisten Zuschauer hoffen lassen, einen besseren Film dazu geliefert zu bekommen. Dennoch kratzt „Kin“ in diesen Sequenzen an den besten Abmischungen des bisherigen Heimkino-Jahres.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Ein Audiokommentar mit Regisseuren Jonathan & Josh Baker und Drehbuchautor Daniel Casey, die Kurzfilm „Bag Man“ (14 Minuten), ein sechsteiliges, sehr ausführliches Making of (insgesamt 84 Minuten), das Featurette „Eine Analyse der Special Effects“ (13 Minuten) und ein paar Trailer komplettieren die Blu-ray mit einem enormen Mehrwert.

4,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: Concorde Home Entertainment, LeinwandreporterTV, YouTube

Kin

Originaltitel:Kin
Regie:Jonathan Baker & Josh Baker
Darsteller:Jack Reynor, Dennis Quaid, James Franco, Zoë Kravitz, Myles Truitt
Genre:Drama, Thriller, Science Fiction
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Concorde Home Entertainment
Länge:103 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Facebook-Seite des Films
Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 07.06.2019
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