Review: Network (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Network" (© StudioCanal)

Das Blu-ray-Cover von “Network” (© StudioCanal)

Inhalt: In einem mittelmäßig laufenden Fernsehsender arbeitet der routinierte Howard Beale (Peter Finch) seit vielen Jahren als Nachrichtenmoderator aktiv. Als sich der Sender verjüngen möchte und ihm die Kündigung ausspricht, bricht seine Welt zusammen. Vor laufender Kamera kündigt er an, sich in seiner letzten Sendung erschießen zu wollen. Dieser morbide Lockruf sorgt für das größte Publikum seit ewigen Zeiten. Als er dann statt des Freitods „nur“ eine donnernde Hassrede auf die modernen Medien liefert, sind die Zuschauer dennoch begeistert.

Die junge, ehrgeizige Programmdirektorin Diana Christensen (Faye Dunaway) sieht die Möglichkeit für einen Überraschungshit gekommen. Sie überzeugt ihren Chef Hackett (Robert Duvall, „Colors – Farben der Gewalt“), dem labilen Howard eine neue Sendung zu geben, in der dieser über seine Probleme mit der Welt reden darf. Tatsächlich wird die Show rund um den selbsternannten Prediger zu einer der beliebtesten Serien des Landes. Doch dann beginnt Howard, die Hand zu beißen, die ihn füttert.

 

Kritik: Im Jahr 2011 ist Sidney Lumet im Alter von 86 Jahren verstorben. Bis dahin hat er aber als Regisseur zahlreiche Klassiker geschaffen, die seinen Namen weiterleben lassen. Neben seinem Durchbruch-Film „Die zwölf Geschworenen“ aus dem Jahr 1957 verlebte er vor allem in den 70er-Jahren die beste Zeit seines Schaffens. Nach „Serpico“, „Mord im Orient Express“ und „Hundstage“ veröffentlichte er 1976 die Medien-Satire „Network“. Der Film wurde unter anderem mit vier Oscars (bei zehn Nominierungen) ausgezeichnet und ist längst ein unverzichtbarer Teil der Kino-Geschichte geworden. Einer der Gründe für den Status des Films lässt sich nach 42 Jahren sogar noch besser bestimmen: Die erzählte Handlung ist absolut weitsichtig und zeitlos. Die Art, wie die skrupellosen TV-Produzenten den arglosen Howard zugunsten der Quoten den Wölfen (bzw. dem Publikum) zum Fraß vorwerfen, ist böse und effektiv.

"Sie können mich mal am..." (© StudioCanal)

“Sie können mich mal am…” (© StudioCanal)

Die größte Stärke des Films dürften die rasiermesserscharfen Dialoge sein, für die Drehbuchautor Paddy Chayefsky (unter anderem) einen Oscar und einen Golden Globe gewonnen hat. Mit unfassbarer Konsequenz führt dieser perfekt zitierbare Film durch einen gnadenlose Welt, in der der Schein das Sein erschlägt. Schauspielerisch ist „Network“ auch nach all den Jahren noch atemberaubend. Peter Finch ist als Howard Beale Herz und Seele einer fast durchweg überragenden Besetzung. Gerade seine überdrehten Predigten sind natürlich die denkwürdigen Elemente dieses Films. Ihm gelingt aber eine vielschichtige und berührende Perfomance, die der Figur ein ganz anderes Gewicht gab. Da der als Lebemann bekannte Peter Finch einige Wochen vor der Oscar-Verleihung an einem Herzinfarkt gestorben ist, wurde er zum ersten Schauspieler, der posthum ausgezeichnet wurde.

Auch wenn Faye Dunaway aufgrund zahlreicher Schönheits-Operationen mittlerweile eher bizarr aussieht und ihre Auftritte in filmischen Wegwerf-Produkten wie „The Bye Bye Man“ nicht gerade denkwürdig sind, gehört sie zu den großen Darstellern ihrer Generation. Hier zeigte sie die vielleicht beste Performance ihrer Karriere. Als intelligente, zielstrebige und komplett skrupellose Diana Christensen liefert sie einen brillanten Auftritt, der ihr ebenfalls den Oscar einbrachte. Weitere legendäre Charaktermimen wie Robert Duvall, William Holden und Ned Beatty zeigen sich hier ebenfalls auf der Höhe ihres Könnens. Beatrice Straight gelang das Husarenstück, sich mit etwa fünf Minuten Leinwandzeit den Oscar als „Beste Nebendarstellerin“ zu sichern. Ihre explosive, emotionale Szene, die wahrscheinlich jedem Zuschauer im Gedächtnis bleibt, reichte aus, um die Jury zu überzeugen. Für „Two And A Half Men“-Fans ist sogar Conchata „Berta“ Ferrell in einer Nebenrolle zu sehen.

„Network“ hat nach all den Jahren nichts von seiner Klasse und seinem Reiz verloren. Die zornige, aber präzise Satire auf die Medienlandschaft trifft mit seinem Aussagen bis ins Mark und kann dazu mit einer der besten Ensemble-Leistungen der Filmgeschichte aufwarten. So bleibt der Film ein echter Klassiker, der auch nach mehreren Durchläufen noch uneingeschränkt funktioniert.

Diana überwacht ihr Enfant Terrible (© StudioCanal)

Diana überwacht ihr Enfant Terrible (© StudioCanal)

Der Film ist ab dem 19.04.2018 in neuer Fassung auf DVD und erstmals auf Blu-ray erhältlich.

5 von 5 Punkten

 

Bild: „Network“ war nie ein Film, der mit besonders scharf gezeichneten Bildern auf sich aufmerksam gemacht hat. So sind auch in der überarbeiteten Fassung einige Aufnahmen (bewusst) ziemlich verwaschen. Die Detaildarstellung ist hingegen meistens ziemlich ordentlich. Die Farben haben manchmal einen merklichen Rotstich, sind aber deutlich kräftiger und natürlicher geworden. Kontraste und Schwarzwert sind wirklich gut eingestellt. Das oft ziemlich deutliche Korn passt zum Charakter des Films. Dafür überrascht es, dass einige Unsauberkeiten und Bildfehler nicht entfernt wurden. Insgesamt ist die Überarbeitung des Materials sicherlich nicht ideal, aber ordentlich ausgefallen.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 2.0-Ton liefern eine solide Überarbeitung des Ausgangsmaterials. So sind die akustisch eher eingeschränkten Möglichkeiten des (immerhin 42 Jahre alten) Filmes schon merklich. Dennoch sind die Dialoge immer sauber und gut verständlich und auch die Hintergrundatmosphäre sowie der Soundtrack werden einigermaßen dynamisch über den Center transportiert. In manchen Szenen wäre der Transfer auf eine 5.1-Spur wirklich lohnend gewesen und hätte die Qualität hörbar gesteigert. Auch wenn der Sound nach modernen Standards eher bedächtig klingt, dürften die wenigsten wirklich unzufrieden sein.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein Audiokommentar von Star-Regisseur Sydney Lumet, die sechsteilige Dokumentation „Making of Network“ (insgesamt 85 Minuten), ein altes Interview mit Drehbuchautor Paddy Chayefsky (14 Minuten), ein Video-Essay des Autors Dave Itzkoff (47 Minuten) und ein paar Trailer sind als Bonusmaterial auf der Blu-ray zu finden und bieten einen schönen Mehrwert zum Film.

4,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle: Movieclips Classic Trailers, YouTube

Network

Originaltitel:Network
Regie:Sidney Lumet
Darsteller:Faye Dunaway, William Holden, Peter Finch
Genre:Drama, Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 1976
Verleih:StudioCanal
Länge:122 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Arthaus

 

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 21.04.2018
Review: Network (Blu-ray)

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