Review: Jawbone (VOD)

Das Artwork von "Jawbone" (© Ascot Elite)

Das Artwork von “Jawbone” (© Ascot Elite)

Inhalt: In seinen Jugendjahren galt Jimmy McCabe (Johnny Harris, „Snow White and the Huntsman“) als großes Boxtalent und hat sogar Titel gewonnen. Ihm ist es nie gelungen, an die Erfolge von damals anzuknüpfen. Inzwischen ist er schwer gezeichnet vom Alkoholismus und lebt ohne Job und Familie in einer Sozialwohnung. Als er unverschuldet aus seiner Wohnung fliegt, sieht er die Zeit für einen Richtungswechsel in seinem Leben gekommen: Er schwört dem Alkohol ab und geht zurück zu seinem alten Boxclub, wo ihn Besitzer Bill (Ray Winstone, „Große Erwartungen – Great Expectations“) und Trainer Eddie (Michael Smiley, „Free Fire“) eher argwöhnisch willkommen heißen. Tatsächlich zerreißt er sich, um wieder in Form zu kommen. Da er aber dringend Geld braucht, lässt er seinen alten Kumpel Joe (Ian McShane, „John Wick – Kapitel 2“) einen illegalen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner organisieren. Ist das der richtige Weg, um seine Würde wieder zu bekommen?

Kritik: Wer regelmäßig britische Filme oder Serien sieht, ist in den letzten Jahren sicherlich irgendwann mit Johnny Harris in Berührung gekommen. Obwohl er sicherlich nicht zu den Namen gehört, die jedem sofort auf Anhieb einfallen, hat er sich als gern gesehener Nebendarsteller etabliert. Bei „Jawbone“ ist er das Zentrum des Geschehens. So hat er nicht nur die Hauptrolle verkörpert, sondern auch noch das Drehbuch geschrieben und den Film mitproduziert. Thomas Napper feiert hier offiziell sein Regie-Debüt, konnte aber in den vergangenen Jahren bereits als Second Unit Director von Joe Wright („Die dunkelste Stunde“) nennenswerte Erfahrungen sammeln. Gerade in einem Subgenre wie dem Boxer-Drama, in dem generische Filme zur Tagesordnung gehören, liefern Napper und Harris einen wirklich erfrischenden Beitrag.

Eddie gibt Jimmy die dringend nötige Hilfe (© Ascot Elite)

Eddie gibt Jimmy die dringend nötige Hilfe (© Ascot Elite)

Die Außenseiter-Romantik, die in solchen Filmen so gerne thematisiert wird, ist hier im Prinzip nicht vorhanden. Hier kämpft ein Mann nicht um Ruhm und Ehre, sondern gegen seine Krankheit und falsche Lebensentscheidungen. Es entwickelt sich ein fast schon schmerzhaft intensiver Film, der von seiner Authentizität lebt. „Jawbone“ ist mehr Charakterstudie als Sportfilm, was sich durchweg bezahlt macht. So wurde das zornige, starke Drehbuch mit einer verdienten Nominierung bei den diesjährigen BAFTA Awards belohnt. Der abschließende Boxkampf zeichnet sich durch eine ungewöhnliche, aber sehr interessante Inszenierung aus und gipfelt in einer gelungenen Schlusspointe.

Schauspielerisch sollte dieses sehr persönliche Projekt für Johnny Harris eine Karrieresprung sein. Mit wie viel Herz, Glaubwürdigkeit und Klasse er diese emotional höchst anspruchsvolle Rolle spielt, ist komplett faszinierend. An seiner Seite darf Harris auf Schauspieler zählen, die fast jeden Film noch ein Stück besser machen würden. Ray Winstone ist ein wenig auf die harten Kerle festgelegt, die ihm nicht nur wegen seines Aussehens liegen. Als Boxclub-Chef Bill zeigt er, dass ihm darüber hinaus auch die ruhigen Töne liegen. Trotz geringer Spielzeit entwickelt er eine vielschichtige, spannende Figur und verantwortet darüber hinaus die wohl beste Szene des Films. Michael Smiley ist als engagierter Trainer, der für Jimmy zur wichtigen Stütze wird, ebenfalls in exzellenter Verfassung. Ian McShane bekommt als charismatischer Gangster – der nur eine nennenswerte Szene hat – kaum Material.

„Jawbone – Du fühlst jeden Schlag“ ist eine bittere, packende Überraschung, die aus einer Fülle von vergleichbaren Werken herausragt. Mit einem starken Skript, erstklassigen Darsteller-Leistungen und einer sauberen Inszenierung bleibt ein Film, der sich den Status „Geheim-Tipp“ mehr als verdient.

4 von 5 Punkten

Der Film ist ab dem 17.08.2018 als VOD erhältlich.


Quelle: Ascot Elite, YouTube

Jawbone - Du fühlst jeden Schlag

Originaltitel:Jawbone
Regie:Thomas Napper
Darsteller:Johnny Harris, Ray Winstone, Michael Smiley, Ian McShane
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2017
Verleih:Ascot Elite
Länge:91 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Ascot Elite

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 17.08.2018
Review: Jawbone (VOD)

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