Review: The Wailing – Die Besessenen (Kino)

Das Kino-Plakat von "The Wailing - Die Besessenen" (© Alamode Film)

Das Kino-Plakat von “The Wailing – Die Besessenen” (© Alamode Film)

Inhalt: In dem abgelegenen Dorf Goksung arbeitet Jong-gu (Kwak Do-Won) als Polizist. Der harmlose, zurückhaltende Mann wird von seinen Kollegen eher belächelt als geschätzt. Doch gerade er ist gefordert, als sich in Goksung merkwürdige, verstörende Dinge abspielen. Leute bekommen Ausschläge, die dazu führen, dass sie extrem gewalttätig werden. Einige andere Dorfbewohner begehen Selbstmord. Auch Jong-gus Tochter Hyo-jin (Hwan-hee Kim) beginnt schon, sich zu verändern. Für viele ist schnell klar, dass übersinnliche Kräfte hinter den grausigen Ereignissen stecken müssen. Hauptverdächtiger ist ein alter Japaner (Jun Kunimura), der gerade ins Dorf gezogen ist. Beschwört er böse Kräfte oder ist er sogar selbst ein Dämon? Jong-gu bleibt nicht viel Zeit, wenn er seine Tochter retten möchte. Gemeinsam mit dem Schamanen Il-gwang (Hwang Jeong-min) arbeitet er an einer Lösung.

 

Kritik: Einen klassischer Horrorfilm ist unter den offiziellen Programmbeiträgen vom Cannes Film Festival eher selten zu finden. 2016 schaffte es „The Wailing – Die Besessenen“ dennoch, dort das Publikum in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Südkoreaner Na Hong-jin, der 2008 mit seinem ebenso brutalen wie gefeierten Polizei-Thriller „The Chaser“ internationale Anerkennung erlangen konnte, hat diesen Film geschrieben und inszeniert. Einen handelsüblichen Genre-Beitrag dürften die meisten schon bei einem Blick auf die Spieldauer von 156 Minuten ausgeschlossen haben. Auch wenn das Endergebnis wahrlich nicht kurzweilig ist, bekommt das Publikum ein teilweise beeindruckendes, episches Grusel-Märchen geboten. Na Hong-jin gelingt es, mit handwerklichem und künstlerischem Anspruch eine wirklich atmosphärische Geschichte zu erzählen, bei der der Horror-Aspekt nie in den Hintergrund rückt.

In Goksung geschehen schreckliche Dinge (© Alamode Film)

In Goksung geschehen schreckliche Dinge (© Alamode Film)

Themen wie familiärer Zusammenhalt, Traditionsbewusstsein, Vorurteile und Aberglauben werden eingearbeitet, ohne „The Wailing“ dabei zu verkopft erscheinen zu lassen. Natürlich variiert der Film zahlreiche bekannte Bestandteile aus Werken wie „Der Exorzist“ und einigen Geister-Horror-Geschichten. Da das aber mit ganz eigener Handschrift erfolgt, geht hier kaum etwas an Vergnügen verloren. Ganz zentrale Aspekte sind die starke Kameraarbeit und der beunruhigende Score, die die klaren Konstanten in der albtraumhaft-chaotischen Welt von Goksung sind. Eine weitere Stärke sind die gut ausgearbeiteten Charaktere. Kwak Do-Won bietet als Hauptfigur Jong-gu eine herausragende Leistung. Als gutmütiger Feigling, der über ein paar Schatten springen muss, um die heißgeliebte Tochter zu retten, ist er sympathisch, tragikomisch und durchläuft eine glaubhafte Entwicklung. Die junge Hwan-hee Kim zeigt sich in einem wahrhaft bösen Auftritt als äußerst gute Dämonenhülle.

Wer ein wenig Sitzfleisch mitbringt, kann hier sehen, dass modernes Genrekino mehr als Jumpscares sein kann. In einer sinnvollen, dichten und sehr intensiven Erzählung baut Na Hong-jin für „The Wailing – Die Besessenen“ ein großartig bebildertes Universum auf, was sich auf ganz eigene Art die Bezeichnung Horror-Epos verdient.

4 von 5 Punkten


Quelle: Alamode Film, YouTube

The Wailing – Die Besessenen

Originaltitel:Goksung
Regie:Hong-jin Na
Darsteller:Do-Won Kwak, Hwang Jeong-min, Jun Kunimura
Genre:Horror, Thriller
Produktionsland/-jahr:Südkorea, 2017
Verleih:Alamode Film
Länge: 156 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 12.10.2017

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Alamode Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 13.10.2017
Review: The Wailing – Die Besessenen (Kino)

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