Review: RAW (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "RAW" (© Universal Pictures Germany)

Das Blu-ray-Cover von „RAW“ (© Universal Pictures Germany)

Inhalt: Die junge Justine (Garance Marillier) ist eine absolute Musterschülerin. Wie ihre ganze Familie möchte die leidenschaftliche Vegetarierin später Tierärztin werden. Deswegen geht sie an die gleiche Hochschule, bei der ihre große Schwester Alexia (Ella Rumpf) in einem höheren Semester lernt. In der Einführungswoche muss Justine ein paar herbe Aufnahmerituale über sich ergehen lassen. Da sie nicht zur Außenseiterin werden möchte, lässt sie alles über sich ergehen. Als es dann darum geht, zum ersten Mal Fleisch zu essen, zögert sie aber. Erst auf Zureden von Alexia springt sie auch hier über ihren Schatten. Noch ahnt sie nicht, wie groß die Auswirkungen sein werden. Auf einmal hat sie einen anhaltenden Heißhunger auf Fleischgerichte. Als dann Tiere langsam zur Gewohnheit werden, bekommt der zügellose Appetit von Justine ein neues Ziel: Ihre Mitschüler.

 

Kritik: Schon lange bevor der Film in Deutschland das Licht der Welt erblicken durfte, ging „RAW“ groß durch die Medien. Von entsetzlichen Brutalitäten, die für körperliches Unwohlsein beim Publikum sorgten, wurde berichtet. Die Gore-Fans, bei denen Werke wie „Cannibal Holocaust“ einen festen Platz im Regal haben, wurden so angestachelt. Deswegen dürfte bei einigen die Verwunderung groß gewesen sein, als die FSK den Film ab 16 Jahren freigab. Tatsächlich darf sich der geneigte Zuschauer am Kopf kratzen, wie es zu diesem merkwürdigen Hype gekommen ist. Dabei hat der Film eine solche Art von Publicity gar nicht nötig. Viel mehr ist das Werk der französischen Langfilm-Debütantin Julia Ducournau ein intensives und verstörendes Horrordrama, das sich mehr für Selbstfindung und Heranwachsen seiner jungen Protagonistin interessiert, als für Splatter-Effekte.

Das Leben von Justine und Alexia verändert sich drastisch (© Universal Pictures Germany)

Das Leben von Justine und Alexia verändert sich drastisch (© Universal Pictures Germany)

Auf seine eigene Art macht der Film extrem viel richtig. Mit einer sehr atmosphärische Inszenierung sorgt Ducournau für eine durchweg vorhandene Anspannung. Zwischen Partys, grenzwertigen Gags der höheren Semester, sexuellem Erwachen und Streitigkeiten mit der Schwester wächst auch der wörtliche Hunger in Justine. Ob die Handlung als Kritik am exzessiven Fleischkonsum, oder rein als Metapher aufs Außenseitertum gesehen wird, darf jeder Zuschauer für sich entscheiden. Im Verlauf des Filmes häufen sich die kleinen Momente, die unter die Haut gehen. So gelingt es hier, den Snack einer Fingerkuppe weit verstörender erscheinen zu lassen, wie es ganze Blutfontänen erreichen könnten.

Neben der eigenwilligen, dichten Erzählweise sind es auch noch die Darstellerleistungen, die den Film hier vom Gros abheben. Für die junge Garance Marillier, die hier ihre erste Hauptrolle spielt, dürfte der Film den großen Durchbruch bedeuten. Sowohl die Coming of Age-Geschichte, als auch die provokanten und derben Momente werden von ihr so klug gespielt, dass wohl jeder Zuschauer gerne mehr von ihr sehen würde. Ella Rumpf dürften die meisten deutschen Kinogänger aus dem Berlin-Film „Tiger Girl“ kennen. Als abgebrühte, große Schwester der Protagonistin, die öfter mal genervt ist, aber Justine dennoch unbedingt bei ihren Problemen helfen will, spielt sie einen reifen und etwas schrägen Part, der genau zu der Stimmung des Filmes passt.

Obwohl „RAW“ doch deutlich anders ist, als viele erwarten dürften, entpuppt sich die französisch-belgische Co-Produktion als gemeiner, zorniger Genre-Tipp. Julia Ducournau schafft es, eine ungewöhnliche Geschichte einer heranwachsenden Frau zu erzählen, die nicht nur wegen ihrer kannibalischen Elemente auch lange nach dem gelungenen Finale noch im Kopf des Zuschauers arbeitet.

Hmmm, wie das duftet (© Universal Pictures Germany)

Hmmm, wie das duftet (© Universal Pictures Germany)

4 von 5 Punkten

 

Bild: Passend zur Thematik kommt der Film zumeist in einem eher kühlen Look. Obwohl der ein oder andere deutliche Filter zum Einsatz kommt, wirken die Farben zumeist natürlich. Schärfe und Detaildarstellung sind zwar nie herausragend, können aber überzeugen. Auch die Einstellung von Kontrasten und Schwarzwert ist gelungen. Es ist öfters mal ein leichtes Rauschen zu erkennen. Ein glatter, sauberer Look hätte aber auch nicht zum Film gepasst.

4 von 5 Punkten

Ton: Während die deutsche Fassung nur in DTS 5.1 vorliegt, dürfen sich die Zuschauer der französischen Originalversion über eine etwas voller klingende DTS-HD MA 5.1-Vertonung freuen. Die meiste räumliche Aktivität gibt es noch durch den enervierenden Score und auf einigen Party-Szenen. Hier fährt auch die deutsche Spur einen kräftigen Sound auf. Im Zentrum stehen aber eindeutig die Dialoge, die immer problemlos wiedergegeben werden. Grundsätzlich liefert der Sound alles, was bei dem Film zu erwarten ist.

4 von 5 Punkten

Extras: Bis auf ein paar Trailer enthält die Blu-ray kein Bonusmaterial.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten

Der Film gehört zum Programm des Fantasy Filmfest 2017 und ist ab dem 26.10.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Quelle: Universal Pictures, YouTube

RAW

Originaltitel:Grave
Regie:Julia Ducournau
Darsteller:Garance Marillier, Ella Rumpf, Rabah Naït Oufella
Genre:Horror, Drama
Produktionsland/-jahr:Belgien/Frankreich, 2016
Verleih:Universal Pictures
Länge:98 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen gibt es auf der Seite von UPHE

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 26.10.2017
Review: RAW (Blu-ray)

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