Review: Imperium

Das (vorläufige) Blu-ray-Cover von "Imperium" (© Ascot Elite)

Das (vorläufige) Blu-ray-Cover von “Imperium” (© Ascot Elite)

Inhalt: Der ehrgeizige Einzelgänger Nate (Daniel Radcliffe, „Swiss Army Man“) hat es mit Mitte 20 schon zum FBI geschafft. Dort ist er aber unzufrieden, da er nur Büroarbeit erledigen darf. Eine neue Chance tut sich auf, als die Teamleiterin Angela (Toni Collette, „The Night Listener – Der nächtliche Lauscher“) ihn für einen Undercover-Einsatz auswählt. Er soll sich bei einer rechtsradikalen Organisation einschleusen, die angeblich einen Anschlag plant, mit dem ein Rassenkrieg ausgelöst werden soll. Tatsächlich gelingt es Nate, dem radikalen Radio-Prediger Dallas Wolff (Tracy Letts, „Wiener Dog“) und seinen Unterstützern schon bald sehr nahe zu kommen. Dank seines Geschicks rückt er schnell immer weiter in den Kern der Organisation vor. Doch es wird immer schwerer, seine Tarnidentität aufrecht zu erhalten. Dabei gilt es möglichst schnell herauszufinden, wer nur gern Parolen schreit und wer tatsächlich zu einer Gewalttat bereit ist.

Kritik: Mit der Unterstützung von Michael German, auf dem die Figur von Nate basiert, schrieb und inszenierte der Debütant Daniel Ragussis diesen Thriller. Zu Zeiten von AFD-Erfolgen und andauernden rechtsradikalen Äußerungen eines US-Präsidentschaftskandidaten ist der Inhalt natürlich äußerst brisant und aktuell. Obwohl die Geschichte ziemlich konventionell erzählt ist, schafft Ragussis eine eindringliche Atmosphäre, die mit einer Mischung von Spannungs-, Satire- und Drama-Elementen sehr gut funktioniert. Nach einer Einleitung mit einem Hitler-Zitat verläuft der Werdegang des Protagonisten doch ein wenig zu glatt. Das verhindert aber nicht, dass der Film einen treffenden und auch oft schmerzhaften Querschnitt der Szene zeigt. Neben tumben Schlägern und manipulativ-eloquenten Rednern sind es vor allem die Durchschnittsbürger, die in diesem Film in den Mittelpunkt rücken. Wenn als Nachtisch zum Nachbarschafts-Barbecue die Muffins mit schicker Hakenkreuz-Zuckerglasur serviert werden und die Kinder stolz ihr Baumhaus „zum Schutz vor den Farbigen“ präsentieren, dürfte das bei einigen Zuschauern ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen.

Daniel Radcliffe überzeugt auch in ungewohnten Gefilden (© Ascot Elite)

Daniel Radcliffe überzeugt auch in ungewohnten Gefilden (© Ascot Elite)

Wenn die Wanddekoration aus Porträt-Zeichnungen von Jesus Christus und Adolf Hitler besteht, die friedlich Seite an Seite hängen, mutet das beinahe grotesk an. Daneben sind es vor allem die Spannungsmomente, die „Imperium“ zu einem wirklich guten Film machen. Gerade eine intensive Sequenz, bei der die Rechtsradikalen im Rahmen einer Demonstration auf eine linke Gruppierung treffen, ist eine der stärksten Phasen des Filmes. Neben dem rein politischen Ton ist es natürlich auch beeindruckend, Daniel Radcliffe erneut in einer vollkommen anderen Rolle zu erleben. Sobald seine Figur den Undercover-Dienst antritt, kann das Publikum einen kurzgeschorenen, intelligenten und rabiaten Mann kennen lernen, dem man auf seinem Weg bedingungslos folgt. Toni Collette bekommt als Chefin von Nate nur selten die Gelegenheit, ihr Potenzial abzurufen. Dazu gibt es ein sehr starkes Wiedersehen mit dem jahrelangen „True Blood“-Star Sam Trammell, der als unscheinbarer und äußerst gradliniger Familienvater ein paar Gänsehautmomente hat. Tracy Letts darf sich als Prediger Wolff von seiner hassenswerten Seite zeigen, die er ohne zu überziehen abruft. Weitere erfahrene Darsteller wie Nestor Carbonell („Bates Motel“) und Chris Sullivan sind ebenfalls in dem Film zu finden.

Auch wenn der Film auf relativ bekannten Wegen bleibt, ist er weit mehr als ein „Harry Potter wird zum Nazi“-Gimmick. Mit einem starken Daniel Radcliffe im Zentrum zeigt Daniel Ragussis in seinem Film, dass es nicht unbedingt die Lautstärke ist, die Faschismus gefährlich macht. So ist „Imperium“ trotz ein paar unabstreitbarer Schwierigkeiten – vor allem aktuell – ein sehenswertes Gesellschafts-Porträt, das seine Aufgabe als Denkanstoß nicht verfehlt.

Der Film gehört zum Programm des Fantasy Filmfest 2016 und wird von Ascot Elite am 09.12.2016 auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

4 von 5 Punkten


Quelle: Ascot Elite, , Leinwandreporter TV, YouTube

Imperium

Originaltitel:Imperium
Regie:Daniel Ragussis
Darsteller:Daniel Radcliffe, Tracy Letts, Toni Collette, Sam Trammell, Nestor Carbonell
Genre:Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Ascot Elite
Länge:109 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 12.09.2016
Review: Imperium

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