Review: Hardcore (Kino)

Das Kino-Plakat von "Hardcore" (© Capelight Pictures)

Das Kino-Plakat von „Hardcore“ (© Capelight Pictures)

Inhalt: Ohne Erinnerung erwacht Henry in einem Labor in Moskau. Seine Frau Estelle (Haley Bennett) hat ihm nach einem schweren Unfall neue Körperteile konstruiert und ihn wieder zusammengesetzt. Nur Sprechen kann er noch nicht. Noch bevor er die Situation komplett realisiert hat, entert Gangster Akan (Danila Kozlovsky) das Labor, hinterlässt eine Spur der Verwüstung und entführt Estelle. Zum Glück bemerkt Henry, dass sein neues Selbst auch über ausgezeichnete Kampfkünste verfügte. Diese benötigt er auch, da Akan eine ganze Armee an künstlich erschaffenen Soldaten hinter sich hat. Unterstützung bekommt er von dem exzentrischen Jimmy (Sharlto Copley, „Open Grave“), der ihn aus der Vergangenheit zu kennen scheint. Nach und nach lichten sie die Reihen von Akans Truppe. Können sie den diabolischen Fiesling stoppen und Estelle retten?

Kritik: Böse Zungen könnten behaupten, dass es schon einen besonderen Grund benötigt, damit Russen und Amerikaner zusammen arbeiten. In jedem Fall hat der Regie-Debütant und Drehbuch-Autor Ilya Naishuller dafür gesorgt, dass es zu eben einer solchen Kooperation gekommen ist. Das Konzept des Filmes ist ebenso simpel wie unkonventionell: Ein kompletter Actionfilm aus subjektiver Perspektive. Für diese Herangehensweise gab es eigentlich nur die Möglichkeiten, dass das Endergebnis katastrophal oder genial wird. Um es kurz zu machen, gehört „Hardcore“ ganz klar in die zweite Kategorie. Nach einem der brutalsten Vorspänne der Filmgeschichte, in dem äußerst ansehnlich Körper und Köpfe von spitzen Gegenständen und Kugeln durchbohrt werden, legt die Geschichte direkt los, als Henry von Estelle im wahrsten Sinne des Wortes zusammengeschraubt wird. Dieses Filmerlebnis ist schon dermaßen schräg und unmittelbar, dass man sich sicher sein darf, hier etwas außergewöhnliches zu erleben.

Henry wird von Estelle einsatzbereit gemacht (© Capelight Pictures)

Henry wird von Estelle einsatzbereit gemacht (© Capelight Pictures)

Auch wenn das Geschehen nicht nur die Optik, sondern auch den dramaturgischen Tiefgang eines Ego-Shooters hat, ist die Inszenierung so kreativ und temporeich wie fast nichts, was in den letzten Jahren in dem Bereich zu sehen war. Der Zuschauer fliegt mit Henry durch die Luft, baut massive Crashs und ist Zeuge, wie sich die Leichenberge immer weiter in die Höhe stapeln. Dabei sind es vor allem die Kleinigkeiten, die dieses filmische Erlebnis so prägen. Wenn Henry in seinem Geheimversteck in einem Bordell statt erhoffter Waffen nur Arbeitsutensilien der örtlichen Angestellten findet oder mitten in einer recht episch angelegten Kampfsequenz Freddy Mercury den Queen-Klassiker „Don’t stop me now“ anstimmt, ist das Geschehen einfach nur beste Erwachsenen-Unterhaltung.

Und los gehts (© Capelight Pictures)

Und los gehts (© Capelight Pictures)

Eine feste Größe zum Thema Coolness ist natürlich der einzig sichtbare Hauptdarsteller Sharlto Copley. Der charismatische Südafrikaner zeigt hier einen spektakulär vielseitigen Auftritt, bei dem ebenfalls ein spaßiges Highlight das nächste jagt. In einem solchen Film darf ein „Over the Top“-Bösewicht nicht fehlen. Der russische Schauspieler Danila Kozlovsky ist mit schriller Blondierung, eigenwilligen Kontaktlinsen, übersinnlichen Fähigkeiten und einem herrlichen Dialogvortrag sicher die richtige Wahl gewesen. Haley Bennett spielt die „Jungfrau in Nöten“, die aber auch sichtlich Freude am Geschehen hat. Dazu kommt der britische Charaktermime Tim Roth („The Hateful 8“), der sich einen kurzen Auftritt in dem Film nicht nehmen lassen wollte.

Der letzte Film, bei dem Action-Fans ein vergleichbares Erlebnis gehabt haben dürften, ist der inzwischen zum Kultfilm aufgestiegene „Crank“ mit Jason Statham. In Relation zu „Hardcore“, bei dem der Name wirklich Programm ist, wirkt dieser aber noch fast etwas zurückhaltend. Mit welch einer Konsequenz Regie-Neuling Naishuller seinen Film inszeniert ist spektakulär. So entsteht ein unfassbar brutaler, stylischer, vor Einfallsreichtum strotzender und augenzwinkernder Actionfilm in Reinkultur, der das Zeug zum Genre-Klassiker hat.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Hardcore

Originaltitel:Hardcore Henry
Regie:Ilya Naishuller
Darsteller:Haley Bennett, Sharlto Copley, Tim Roth
Genre:Action, Science Fiction
Produktionsland/-jahr:USA /Russland, 2015
Verleih:Capelight Pictures
Länge: 90 MinutenFSK: ab 18 Jahren
Kinostart: 14.04.2016
Facebook-Page:Hardcore

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 14.04.2016
Review: Hardcore (Kino)

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