Cologne Conference: My Golden Days

Gute Freunde kann niemand trennen (© Wild Bunch)

Gute Freunde kann niemand trennen (© Wild Bunch)

Inhalt: Nach Jahren im Ausland will Anthropologe Paul Dédalus (Mathieu Almaric) nach Frankreich zurückkehren. An der Grenze wird er aber aufgehalten und für ein Verhör zum Geheimdienst gebracht. Angeblich lebt jemand sein Leben. Um den Verdacht auf Spionage zu entkräften, erzählt Paul die Geschichte seiner Jugend (jetzt: Quentin Dolmaire), in der er einen Grund für den Identitätsdiebstahl sieht, und seiner Liebe zu der ebenso schönen wie sonderbaren Esther (Lou Roy-Lecollinet).

Kritik: Was sich erst anlässt, wie ein Spionage-Thriller, entpuppt sich schon bald als Coming of Age-Romanze des mehrfach preisgekrönten Filmemachers Arnaud Desplechin. Mit französischem Charme liefert er eine recht spannende erste Hälfte, in der die Zuschauer das Leben und Handeln des jungen Paul kennen lernen. Gerade eine Episode in Minsk sticht hier aus dem Geschehen heraus. Zurück in der Heimat sehen die Zuschauer einen normalen Jugendlichen, der mit seinen Freunden das Leben in den 80er-Jahren voll auskostet. Der Film funktioniert zu diesem Zeitpunkt so gut, da die Charaktere echt und natürlich erscheinen und Dialoge auf den Punkt treffen. Auch die etwas unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen Paul und Esther ist zumindest anfänglich schön erzählt.

Irgendwann geht dieser klare rote Faden teilweise verloren. Immer häufiger werden Esther und Paul wegen dessen Studiums getrennt und können sich nur noch schreiben, um in Kontakt zu bleiben. Diese Briefe werden dann ausgewalzt und philosophisch von einem der beiden in traumartigen Sequenzen für das Publikum vorgetragen. Das mag die Sehnsüchte der beiden Verliebten symbolisieren, passt aber so gar nicht in den ansonsten eher sachlich erzählten Film. Allgemein scheint der Film etwas zu zerfasern. Mit vielen kleinen Geschichten ist nur noch selten ein klares Gesamtkonstrukt zu erkennen, was die Angelegenheit trotz weiterhin schöner Bilder und überzeugender Dialoge etwas zäh werden lässt.

Eine weitere Konstanten sind die guten Schauspieler. Mathieu Almaric hat relativ wenig Spielzeit und beschränkt sich zugunsten seiner jüngeren Kollegen ziemlich auf die Rolle des Erzählers. Sowohl Quentin Dolmaire als auch Lou Roy-Lecollinet feierten in diesem Film ihr Leinwand-Debüt. Beide zeigen eine tolle Präsenz und lassen mit charismatischen Darbietungen darauf hoffen, dass in Zukunft noch mehr von ihnen zu sehen ist.

So bleibt „My Golden Days“ trotz schwächerer zweiter Hälfte ein Jugendfilm der mit ungewöhnlichem Ansatz, frischen Gesichtern und gutem Handwerk ein in jedem Fall positives Gesamtergebnis liefert.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: UniFrance, YouTube

My Golden Days

Originaltitel:Trois Souvenirs De Ma Jeunesse
Regie:Arnaud Desplechin
Darsteller:Mathieu Amalric, Quentin Dolmaire, Lou Roy-Lecollinet
Genre:Drama, Liebesfilm
Produktionsland/-jahr:Frankreich, 2015
Kinostart:noch unbekannt
Verleih:Wild Bunch
Länge:123 Minuten
FSK:noch unbekannt

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 30.09.2015
Cologne Conference: My Golden Days

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