Kurzkritik: The Double

Mia Wasikowska in "The Double" (Quelle: Cologne Conference)

Mia Wasikowska in „The Double“ (Quelle: Cologne Conference)

In seinem tristen Job führt Simon James (Jesse Eisenberg, „Die Unfassbaren – Now You See Me“) ein unscheinbares Dasein. Er ist im Stillen in seine Arbeitskollegin und Nachbarin Hannah (Mia Wasikowska, „Stoker“) verliebt, die er seit langer Zeit aus der Ferne beobachtet. All sein Geld geht für die Pflege seiner zynischen Mutter (Phyllis Somerville) drauf. Im Prinzip hat sich Simon mit all dem abgefunden, bis mit James Simon (ebenfalls Jesse Eisenberg) ein neuer Arbeitskollege auf der Bildfläche erscheint, der ihm vollständig gleicht. Nachdem er zunächst darüber erstaunt ist, dass niemand diese Ähnlichkeit zu erkennen scheint, nervt es ihn, wie schnell sich James etabliert und einen guten Namen bekommt. Tatsächlich freundet sich Simon dann selbst mit seinem Doppelgänger an und kann die gute Meinung der Anderen verstehen. Als er dann aber merkt, dass er auf der Arbeit nur von James ausgenutzt wird und plötzlich Hannah Interesse an James gewinnt, setzt sich Simon zur Wehr.

Basierend auf der Dostojewski-Geschichte „Der Doppelgänger“ lieferte Regisseur Richard Ayoade („Submarine“) diese Groteske, die nach „Enemy“ von Denis Villeneuve (mit Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle) bereits der zweite Film ist, bei dem ein Schauspieler mit sich selbst konkurrieren muss. In einer merkwürdig finsteren Zukunftswelt, die ein wenig an „Uhrwerk Orange“ erinnert, beobachtet man den Trauerkloß Simon, der wie ein Geist durchs Leben zieht. Die Kollegen erkennen ihn nach Jahren noch nicht wieder, der Boss, der Schwarm und selbst die Aufzugtür ignorieren ihn völlig. Diese bitter-ironische Einleitung hat so viel tragischen Charme, das man tatsächlich mehr über das triste Leben des Außenseiters und Pechvogels erfahren möchte. Eine der bizarrsten Selbstmord-Sequenzen der Filmgeschichte stellt hier ein perfektes Beispiel dar. Spätestens, wenn dann James, der trotz gleichem Äußeren nicht nur namentlich das exakte Gegenstück zu Simon ist, die Bühne betritt, wird der Film immer abgedrehter und spannender.

Schauspielerisch kann Jesse Eisenberg mit diesen zwei vollkommen verschieden gepolten Charakteren wieder einmal zeigen, wie viel er drauf hat. An seiner Seite ist es vor allem an der wie immer faszinierenden Mia Wasikowska als verträumt liebenswerte Hannah hier zu gefallen. Auch wenn es in Richtung des Finales immer undurchsichtiger wird und der Film dann mehr auf eine Meta-Ebene geht, werden vor allem Freunde des Arthaus-Kinos jederzeit bestens bedient. So gelingt es Richard Ayoade mit „The Double“ aus einer für Dostojewski fast schon simplen Ausgangsgeschichte eine originelle, ästhetisch anspruchsvolle Groteske, die selbst eigenständig genug ist, um die Individualität ihrer Charaktere ansprechend hervorzuheben.

4 von 5 Punkten


Quelle: Movieclip Trailers, YouTube

The Double

Originaltitel:The Double
Regie:Richard Ayoade
Darsteller:Jesse Eisenberg, Mia Wasikowska, Wallace Shawn
Genre:Groteske
Produktionsland/-jahr:UK, 2013
Verleih:noch unbekannt
Länge:93 Minuten
FSK:noch unbekannt

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