Review: Shocking Shorts 2014 (DVD)

 

Das DVD-Cover von "Shocking Shorts 2014" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Das DVD-Cover von “Shocking Shorts 2014” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

1) Au Pair

Regie: Marc Schießer

Deutschland, 2013

Länge: 25:03 Minuten

Darsteller: Pia Slomczyk, Yvonne Yung Hee, Darell Montoya, Janina Grün

Die französische Au-Pair Joline (Pia Slomczyk) möchte einige Zeit in Deutschland beim chinesischen Restaurant „Blue Dragon“ arbeiten. Ihre eigenwillige Chefin und Gastmutter Frau Zhou (Yvonne Yung Hee) macht ihr das Leben von Beginn an schwer. Noch hat sie keine Ahnung, worauf sie sich tatsächlich eingelassen hat.

Wenn man diesem Kurzfilm etwas vorwerfen will, ist es die etwas zu lange, aber stark gefilmte Einleitungsphase. In der zweiten Hälfte passt sich der Film inhaltlich seiner visuellen Qualität an und Schießer zeigt uns eine Gruselgeschichte, die durchaus beklemmend nachwirkt.

 

2) Dunkler Wald

Regie: Felix F. Walz

Deutschland, 2013

Länge: 05:15 Minuten

Darsteller: Sarah Maria Besgen, Oliver Franck

Die junge Simone (Sarah Maria Besgen) erwacht in ihrer Badewanne. Die Wände sind voller Blut und aus ihrem Haus ertönen eigenwillige Geräusche. Tatsächlich war ein Eindringling im Haus, der aber schon wieder auf dem Weg nach draußen ist. Von Neugier getrieben macht sie sich auf, um herauszufinden, was passiert ist. Als sie einem Auto in den Wald folgt, macht sie eine schockierende Entdeckung, die alles verändert.

Mit nur fünf Minuten Spielzeit und ohne ein gesprochenes Wort gelingt es Regisseur Walz, fesselnde Schwarz-Weiß-Bilder zu präsentieren, die vor allem aus künstlerischer Sicht gefallen können.

 

 

Szenenbild aus "Vollnarkose" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Szenenbild aus “Vollnarkose” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

3) Vollnarkose

Regie: Johannes Furrer

Deutschland, 2013

Länge: 12:53 Minuten

Darsteller: Christian Furrer, Jonas Müller-Liljeström, Bernd Michael Straub, Carolin Freund

Der junge OP-Helfer Peter (Christian Furrer) wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Auf dem Operationstisch befindet sich ein Mann, mit dem Peter noch eine Rechnung zu begleichen hat. Hin- und hergerissen zwischen seiner ärztlichen Pflicht und seinen Rachegelüsten, kämpft er mit der Erinnerung.

Zu Beginn etwas verwirrend, präsentiert uns Regisseur Furrer einen klassischen Thriller, der auf zwei Ebenen funktioniert. Mit Hilfe der Rückblenden schafft der Regisseur nach und nach Empathie für die Lage seines Helden, mit dem die Zuschauer trotz kurzer Spielzeit wirklich mitleiden.

 

 

Szenenbild aus "Revolve" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Szenenbild aus “Revolve” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

4) Revolve

Regie: Andreas Olenberg, Nils Klatt

Deutschland, 2013

Länge: 17:36 Minuten

Darsteller: u.a. Alwin Barg, Martin Geuer, Hans Morgeneyer, Sebastian Sellner

Sechs Menschen sitzen in einem abgelegenen Gasthaus zusammen und riskieren alles: Russisches Roulette um hohe Einsätze. In jeder zweiten Kammer ist eine Patrone, weswegen nur 50 Prozent Überlebenschance bestehen, für den, der an der Reihe ist. Wozu ist der Mensch bereit, wenn er nichts zu verlieren hat? Dabei spielt sicher nicht jeder nach den Regeln.

Russisches Roulette mit zahlreichen Wendungen. Die Geschichte ist genauso unterhaltsam, wie sie sich anhört. Dabei ist es nicht einmal störend, dass nicht jeder Kniff sitzt.

 

5) Anti Cupido

Regie: Andreas Pakull

Deutschland, 2014

Länge: 15:00 Minuten

Darsteller: Thomas Krutmann, Meike Gottschalk, Christof Düro, Laurenz Dietz

Ein Ehepaar wird von einer im SM-Outfit verkleideten Gestalt (Thomas Krutmann) aus dem Schlaf gerissen. Obwohl sie mit einer Armbrust bedroht werden, merken sie bald, dass sie nicht ausgeraubt werden sollen. Der Fremde möchte den kriselnden Eheleuten zu einem Gespräch verhelfen. Sund dabei weiß dieser „Anti Cupido“ mehr über die beiden, als ihnen recht sein kann.

Diese Groteske ist zwar nicht so spannend oder beklemmend, wie einige andere Werke, dafür punktet dieses ungewöhnliche Geschichte mit Kreativität und einem gewissen Realitätsbezug. Auch durchaus empfehlenswert.

 

6) Antlitz des Bösen

Regie: Jasmin Lord

Deutschland, 2014

Länge: 17:00 Minuten

Darsteller: Tamara Rohloff, Philipp Danne, Francisco Medina

Die erfolgreiche Autorin Nina Sanders (Tamara Rohloff) lässt sich auf einen ihrer seltenen Interviewtermine mit dem jungen Journalisten Daniel (Philipp Danne) ein. Daniel recherchiert über einen Serienkiller, der in der Stadt aktiv ist. Auch Nina wurde als junge Frau von einem ähnlichen Monster gefangen gehalten und gequält. Sie konnte als einziges Opfer fliehen. Während des Interviews stellt sich heraus, dass Daniel mehr als nur Hintergrundwissen eines ehemaligen Opfers will.

Regisseurin Jasmin Lord hat hier einen klassischen Psychothriller mit gut funktionierenden Suspense-Elementen inszeniert, der sich nach und nach zum atmosphärischen Katz- und Maus-Spiel entwickelt. Zwar nicht innovativ, dafür sehr unterhaltsam.

 

 

Szenenbild aus "Malik" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Szenenbild aus “Malik” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

7) Malik

Regie: Gregor Bös

Deutschland, 2013

Länge: 08:00 Minuten

Darsteller: Hubert Burczek, Laurenz Lerch, Canan Kir

David (Laurenz Lerch) arbeitet als Barkeeper und flirtet während des Dienstes mit der hübschen Sophie (Canan Kir). Ein älterer Mann (Hubert Burczek) unterbricht die beiden und fordert Davids Männlichkeit heraus, indem er ihm eine perfide Wette vorschlägt: Er verspricht David einen Sportwagen, sollte sein Feuerzeug zehnmal hintereinander funktionieren. Doch bleibt die Flamme nur einmal aus, wird es blutig.

In nur 8 Minuten wird hier eine, scheinbar alltägliche, aber überaus verstörende Story erzählt, die schon nach wenigen Momenten höchst spannend wird. Ein ungewöhnlicher, aber gut funktionierender Beitrag, der zu überraschen weiß.

 

 

Szenenbild aus "Rotkäppchen" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Szenenbild aus “Rotkäppchen” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

8) Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod

Regie: Florian von Bornstädt, Martin Czaja

Deutschland, 2013

Länge: 17:19 Minuten

Darsteller: Cornelia Werner, Alexx Grimm, Vivien Ciskowska

Als Markus (Alexx Grimm) vor seinem Wohnhaus ein einsames und verschmutztes Mädchen (Vivien Ciskowska) entdeckt und es mit hinein nimmt, ahnt seine Frau Annika (Cornelia Werner) schnell, dass mit diesem Kind etwas nicht in Ordnung ist. Sie fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, es übernachten zu lassen und soll schnell Recht behalten. Das Mädchen kennt die intimsten Geheimnisse des Ehepaars und spielt die beiden gegeneinander aus. Schon bald wird es blutig.

Diese eigenwillige, sehr freie Interpretation des berühmten Märchens verlässt sich zunächst auf die Atmosphäre des Misstrauens, die hier von Anfang an besteht. Diese entwickelt sich zu einem ziemlich ungehemmten Mix von Sex und Gewalt, der dank eines schön schaurigen Finales nicht übers Ziel hinausschießt.

 

9) die Prüfung

Regie: Claudio Franke

Deutschland, 2014

Länge: 06:00 Minuten

Darsteller: Markus Knüfken, Valentin Teufel, Melanie Herbe

„Weil du jetzt zwölf bist. Jeder muss diese Prüfung ablegen.“ Als Léon (Valentin Teufel) zwölf wird, steht die ominöse Prüfung an. Der Staat, in dem er lebt, testet jeden Bürger im Alter von zwölf Jahren. Der Junge soll nicht genau wissen worum es geht, macht sich aber keine Sorgen, da er immer ein guter Schüler war. Léons Mutter (Melanie Herbe) erklärt ihm, dass es eine Art Intelligenztest sei, die auf ihn zukommt. Doch irgend etwas stimmt nicht mit seinen Eltern und deren Verhalten.

In sechs Minuten gelingt es Regisseur Franke, einen Science Fiction mit durchaus fieser Botschaft zu erzählen. Mit Markus Knüfken konnte außerdem ein durchaus bekannter Name der deutschen Filmlandschaft verpflichtet werden. Origineller Beitrag.

 

 

Szenenbild aus "Abbitte eines Mörders" (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Szenenbild aus “Abbitte eines Mörders” (Quelle: Concorde Home Entertainment)

10) Abbitte eines Mörders

Regie: Julian Cohn

Deutschland, 2013

Länge: 21:30 Minuten

Darsteller: Olaf Krätke, Bernd Gnann, Ludwig Blochberger, David Heim, Marc Adler

Eine Kirche. Ein junger Pater (Ludwig Blochberger) im Beichtstuhl. Ein alter Mann (Olaf Krätke) in der Nachbarkabine. Er will Buße tun – so scheint es zumindest. Doch schon bald wird die Situation lebensgefährlich.

Auf engstem Raum wird hier in gut 20 Minuten ein spannender Reißer erzählt, bei dem wenig so ist wie es zunächst scheint. Julian Cohn nutzt hier das Medium Kurzfilm für einen Genre-Beitrag der auch die Klasse für die große Leinwand gehabt hätte. Zurecht bekam „Abbitte eines Mörders“ den „Shocking Shorts Award 2014“ verliehen.

 

Fazit: In diesen zehn mehr oder weniger gelungenen, durchweg sehenswerten Filmen, sieht man, wie viel Potenzial in der oft etwas stagnierenden deutschen Filmlandschaft zu finden ist. Es ist sehr lobenswert, dass „13th Street“ und auch Concorde Home Entertainment den jungen Filmemachern die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Für diejenigen, die gerne einmal einen etwas anderen Filmeabend verleben, mehr als ein Geheimtipp.

Die Filme sind seit dem 10.07.2014 auf DVD erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Die Bilder sind aufgrund der vielen verschiedenen Ausgangsmaterialien natürlich etwas schwankend, können im Großen und Ganzen aber in jedem Fall überzeugen. Bildschärfe und Detaildarstellung, sowie Farben und Kontraste werden den meisten Ansprüchen gerecht, auch wenn hier und da kleine Schwächen auftauchen. Hier und da ist das Bild etwas unruhig. Wenn man aber bedenkt, mit wie wenig Geld die jungen Filmemacher ihre Werke realisiert haben, ist diese Umsetzung schon am oberen Rand.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche Dolby Digital 5.1-Ton variiert ebenfalls. In einigen Fällen ist der Sound sehr dynamisch und gut räumlich abgemischt, bei anderen Teilen klingt der Sound teilweise etwas blechern oder übersteuert leicht. In allen Filmen sind die Dialoge gut zu verstehen.

3 von 5 Punkten

Extras: Eine Pressebericht zu der Award-Verleihung 2013 (9 Minuten) ergänzt die DVD.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: ganz-muenchen.de, YouTube

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.07.2014
Shocking Shorts 2014 (DVD)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.
Consent Management Platform von Real Cookie Banner