Review: Rum Diary (Kino)

Kemp wacht in seinem verwüsteten Hotelzimmer auf (Quelle: filmpresskit)

Inhalt: Paul Kemp (Johnny Depp) ist von Beruf Journalist, Weltenbummler und Rumtrinker. Die Planlosigkeit des Helden in Boxershorts, seine blutunterlaufenen Augen und das verwüstete Hotelzimmer erinnern verdächtig an Raoul Duke in “Fear and Loathing in Las Vegas”. Kein Wunder, denn beide Filme sind Adaptionen von Hunter S. Thompsons Romanen. Thompson selbst war ein Revoluzzer des amerikanischen Journalismus, der Drogen, Alkohol, Waffen und Motorräder liebte und gleichzeitig dem amerikanischen Traum kritisch gegenüber treten wollte. Außerdem beschrieb er in seinen Romanen vor allem gern sich selbst. Unterhaltsam und symbolträchtig sind die Szenen, in denen Kemp bei der Gazette “San Juan Star” anheuert und seinem zukünftigen Chef Lotterman (Richard Jenkins) gegenüber steht. Dieser ist ein Choleriker seinesgleichen, der ganz klar den amerikanischen, weißen Puerto Ricaner verkörpert und dabei öfter mal sein Toupet verliert. Verschiedene Wirklichkeiten prallen in der Redaktion schnell aufeinander: Journalist Kemp will über die Armut Puerto Ricos schreiben. Sein Chef dagegen bevorzugt Themen wie Bowling und Burger, was Kemp bald ziemlich frustrierend findet.

Kemp und Sala werden bald Freunde (Quelle: filmpresskit)

Ein Lichtblick inmitten des ganzen Schlamassels ist Kemps Kollege, der Fotograf Bob Sala (Michael Rispoli). Sala bietet Kemp eines seiner Zimmer und Kemp gewöhnt sich schnell an den rustikalen Charme von Salas Eigenheim. Nachdem die Hühner ins andere Zimmer verfrachtet wurden, steht der Wohngemeinschaft nichts mehr im Wege – wäre da nicht der seltsame Moburg (Giovanni Ribisi): Nur noch auf dem Papier ein Mitarbeiter der Zeitung, verbringt er sein Leben hauptsächlich damit, extrem hochprozentigen Alkohol zu produzieren. Ganz zum Leidwesen von Kemp und Sala taucht er manchmal unangekündigt in der Wohnung auf und spielt dort seine Platten aus Hitlers Zeiten.

Kemp lernt Sandersons Geliebte kennen (Quelle: filmpresskit)

Der Lauf der Dinge will es so, dass Kemp bald dem hinterlistigen Bauträger Sanderson (Aaron Eckhart) in die Arme läuft, für dessen Machenschaften er als PR-Texter herhalten soll. Der Vertrag ist schnell unterschrieben, trotzdem weiß Kemp bald nicht mehr, auf wessen Seite er eigentlich steht. Noch dazu verdreht ihm Sandersons bildhübsche Freundin Chenault (Amber Heard) gehörig den Kopf…

Puerto Ricanisches Flair aus dem Bilderbuch

Kritik: Nachdem Johnny Depp in letzter Zeit ein bisschen zu sehr Tim Burtons geschminkte Lieblingsfigur geworden ist, läuft er hier als Schauspieler endlich mal wieder zu Höchstleistungen auf. Michael Rispoli steht ihm dabei als lustiger Mitbewohner und trinkender Freund gut zur Seite. Könnte man meinen. Regisseur und Drehbuchautor Bruce Robinson schafft es zwar, dass Puerto Ricanische Flair der Sechziger Jahre zu verströmen. Mit den Rum trinkenden, Burger essenden Amerikanern in ihren zarten Kleidchen und altmodischen Anzügen wird jedoch nur die eine Seite der Gesellschaft beleuchtet. Die Einheimischen erhalten wenig Aufmerksamkeit. Teilweise scheint es sogar so, als wären sie nur Komparsen, die vom Regisseur aus Versehen ins Bild geschickt wurden.

Kemp will die Realität beschreiben (Quelle: filmpresskit)

Bittersüße Komödie mit mittelmäßigem Tiefgang

Wer ein tiefsinnige Tragikomödie oder sogar ein Drama erwartet, wird eher enttäuscht. Die Hoffnungslosigkeit des Helden mit seinem mutigen, teils naiven, irgendwie auch gescheiterten Idealismus wird genauso oberflächlich abgehandelt wie die reale, massive Armut Puerto Ricos. Einzig die Szene, in der Sanderson einige Einheimische verjagt, geht ein wenig näher auf die Thematik ein. Wer jedoch eine einfach, leicht bittersüße Komödie erwartet, mag auf seine Kosten kommen: Alle Szenen, in denen Kemp und Sala zusammen um die Häuser ziehen, sorgen für garantierte Lacherfolge. Besonders die Fahrversuche mit Salas Autowrack möchte man immer wieder sehen und auch Kemps gefrorenes Lächeln ist in den gewissen Momenten urkomisch. Moburg ergänzt das lustige Gespann mit seinen nicht nur gelegentlichen Alkohol-Exzessen.

 

Der Kinostart ist in Deutschland der 2.8.2012.
3 von 5 Punkten

The Rum Diary

Originaltitel:The Rum Diary
Regie:Bruce Robinson
Darsteller:Johnny Depp, Michael Rispoli, Giovanni Ribisi, Richard Jenkins, Aaron Eckhart, Amber Heard
Genre:Komödie, Abenteuer, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2011
Verleih:Wild Bunch
Länge:119 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Offizielle Homepage zum Film:"The Rum Diary" Homepage

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