Keith David im Interview

Thomas Trierweiler holt Keith David vom Flughafen ab. Bildquelle: Thomas Trierweiler

Keith David (55) wurde in Harlem geboren und ist in Queens aufgewachsen. Im Alter von neun Jahren entschied er sich Schauspieler zu werden, nachdem er in einer Schulaufführung von „Der Zauberer von Oz“ den feigen Löwen spielte. Nach seiner Schauspielausbildung an der New York’s High School of the Performing Arts und der Juilliard, hatte er im John Carpenter Horrorklassiker „Das Ding aus einer anderen Welt“ 1982 sein Kino-Debüt. 1986 war David dann als Soldat King in Oliver Stones Kriegsfilm „Platoon“ zu sehen. In den letzten 30 Jahren spielte er in vielen erfolgreichen Filmen wie „Armageddon“, „Verrückt nach Mary“ oder „Mr. and Mrs. Smith“ und TV-Serien wie „Emergency Room“ und „Psych“ mit. Neben der Schauspielerei synchronisiert Keith David Animationsfilme und Computerspiele. Außerdem ist er ein erfolgreicher Jazzsänger. Im Jahr 2010 war er der erste Synchronsprecher, der zeitgleich in zwei für den Oscar als „Bester Animationsfilm“ nominierten Filmen eine Sprechrolle hatte. Er synchronisierte die Katze in „Coraline“ und Dr. Facillier in „Küss den Frosch“. Thomas Trierweiler sprach mit ihm über seine besten Rollen, seinen Einsatz als Lebensretter und über Tipps für junge Schauspieler.

 

LWR: In den letzten 30 Jahren hast du in vielen Filmen mitgespielt. Was ist deiner Meinung nach die bekannteste Keith David-Rolle?

Keith David: Viele Leute sprechen mich wegen meiner Rolle King in „Platoon“ an. Viele kennen mich wegen Goliath in „Gargoyles“(Anm. der Red.: animierte Figur, die von Keith David gesprochen wird) und natürlich wegen „Verrückt nach Mary“. Ich bin glücklich, dass ich so viele tolle Charaktere spielen durfte. Es scheint so, als ob ich in jedem Film eine tolle Textzeile hatte, an die sich die Leute erinnern. Sie kommen an und fragen mich: „Is the Frank above the beans?“ (Anm. der Red.: Zeile aus „Something about Mary“: „How’d you get the beans above the Frank?“). Das ist eine tolle Sache. Es ist einfach wunderbar, wenn ein Schauspieler mit einer seiner Rollen in Verbindung gebracht wird, ohne diese Rolle immer wieder spielen zu müssen. Du spielst eine andere Figur und die Leute erinnern sich auch daran. Ich hatte sehr viel Glück.

LWR: Charlie Sheen bezeichnet dich als seinen Lebensretter. Was ist passiert?

Keith David: Am Set von „Platoon“ haben wir eine Szene in einem Helikopter gedreht und waren dabei nicht festgeschnallt. In der Szene drehte der Helikopter über einem Bergtal seine Runden. Wir sollten nur eine halbe Runde filmen. Wir flogen eine volle Runde bis zurück zum Ausgangspunkt und fingen an zu drehen. Im letzten Durchgang schafften wir es nicht zu landen und der Helikopter neigte sich zur Seite. Plötzlich war es so holperig, dass Charlie in Richtung Tür rutschte. Ich dachte „Oh, mein Gott, er wird aus der Tür fallen und ist sich noch nicht einmal darüber im Klaren.“ Kurz bevor er an der Tür ankam, schnappte ich ihn, presste meinen Fuß gegen die Tür und zog ihn zurück. Ob er am Ende aus der Tür gefallen wäre oder nicht, weiß ich nicht. Ich wollte nur kein Risiko eingehen, weil ich nicht den Rest meines Lebens davon träumen wollte, wie er aus dem Helikopter fällt und ich nichts dagegen getan habe. Ich habe es also um meiner selbst getan.

LWR: Im Prinzip bist du also das Genie hinter „Two and a half men“, weil es die Sendung ohne deinen Einsatz nie gegeben hätte.

Keith David: lacht

LWR: Keith, was machst du, um deine Stimme zu trainieren?

Keith David singt beim Festival of Fame mit “Amadeus and the Breaking Hearts”. Bildquelle: Thomas Trierweiler

Keith David: Ich bin andauernd im Studio und übe mit meinem Lehrer. Ich bin Sänger, deswegen arbeite ich immer am Feinschliff meiner Stimme. Ich versuche mit meinem Sprachlehrer stets herauszufinden, wie ich Sachen besser machen kann. Ich habe früher sehr viel im Theater gearbeitet. Immer wenn ich in einem Stück mitspiele, gibt es einen besonderen Lehrer für mich. Sein Name ist Robert Williams und er ist einer der großartigsten Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Er weiß so viel über das Theater und hat mir beigebracht, wie ich meine Stimme richtig benutze. Ich spiele niemals in einem klassischen Stück, ohne ihn vorher um Rat zu fragen. Ich gehe immer zuerst zu ihm und sage: „Wie kann ich das besser machen? Wie kann ich das klarer machen? Was kann ich mit meiner Stimme tun, um dieser Aussage Resonanz zu verleihen?“ Wobei ich Resonanz nicht nur hinsichtlich der Lautstärke, sondern auch der Subtilität und weiterer Nuancen der Aussage meine. Deswegen übe ich kontinuierlich.

LWR: Du hast dich früh dazu entschieden Schauspieler zu werden. Hast du Tipps für junge Leute, die auch Schauspieler werden wollen?

Keith David: Es ist sehr wichtig, Schauspielern zu lernen. Finde einen guten Lehrer, einen guten Unterricht und übe so viel wie möglich. Du musst wissen, was du tust. Die Schauspielerei ist ein Handwerk. Du würdest niemanden bitten dein Auto zu reparieren, wenn der nur sagen würde: „Oh, ich glaube, dass ich dein Auto reparieren kann.“ Du würdest ihn nicht an deinem Auto arbeiten lassen. Deswegen müssen Schauspieler genau wie Mechaniker, Schreiner und jeder andere Handwerker erst einmal eine Ausbildung durchlaufen. Erst wenn du einmal weißt, was du tust, lernst du weiter für den Rest deines Lebens. Üben ist das Wichtigste für einen Schauspieler. Du musst ein Schüler des Lebens sein und lernen wie man Leute beobachtet, weil niemand genauso redet und läuft wie du. Du musst die Art anderer Leute adaptieren können und einen anpassungsfähigen Körper entwickeln. Und du musst eine geschmeidige Stimme entwickeln, damit du jede Kleinigkeit nuanciert ausdrücken kannst.

LWR: Du wirst in Tom Tykwers Film „Der Wolkenatlas“ mit Tom Hanks, Jim Sturgess, Halle Berry, Susan Sarandon und vielen mehr dabei sein. Was kannst du uns über den Film verraten?

Keith David: Ich kann sagen, dass es ein tolles Abenteuer wird. Der Film spielt zwischen fünf Jahrhunderten und jeder spielt mehrere Rollen. Der Zuschauer begleitet die andauernde Reise ihrer Seelen. Falls die Seele nicht in diesem Leben ihre Lektion lernt, muss sie im nächsten damit fortfahren. Das war mein Eindruck von der Geschichte. Wie ich schon gesagt habe, ist der Film ein tolles Abenteuer voller toller Schauspieler und sehr gut inszeniert. Meine Empfehlung: Geht euch den Film angucken. (lächelt)

LWR: Werde ich. Danke Keith, es hat viel Spaß gemacht.

Keith David: Ich danke dir.

 

Englisches Original:

Thomas Trierweiler und Keith David

Thomas Trierweiler und Keith David beim Interview. Bildquelle: Thomas Trierweiler

Keith David (55) was born in Harlem and raised in Queens. After playing the cowardly lion in a school production of „The Wizard of Oz“ at the age of nine Keith David knew that he wanted to become an actor. After he studied acting at the New York’s High School of the Performing Arts and at the Juilliard, he had his cinema debut in John Carpenter’s horror classic „The Thing“ in 1982. In 1986 David starred as soldier King in Oliver Stone’s war-movie „Platoon“. In the last 30 years he took part in successful movies like „Armageddon“, „There’s Something about Mary“ or „Mr. and Mrs. Smith“ and tv shows like „Emergency Room“ and „Psych“. In addition to his acting career Keith David synchronizes animation movies and computer games. Furthermore he is a succesful jazz singer. In February 2010 Keith became the first actor who provided his voice for two movies that were nominated for „Best Animated Feature“ at the Oscars at the same time. He synchronised the part of the cat in „Coraline“ and the villain Dr. Facilier in „The Princess and the frog“. Thomas Trierweiler talked to him about his favourite parts, his job as a life saver and tipps for young actors.

 

LWR: In the last 30 years you acted in a lot of movies. In your opinion, what is the most recognizable Keith David character?

Keith David: A lot of people come up to me about my character King in „Platoon“. Many people recognize me from Goliath in „Gargoyles“(editor’s note: animated character synchronised by Keith David) and of course „There’s something about Mary“. I am lucky because I always got to play pretty wonderful characters. It seems like I have a great line from every movie that people remember. They come up to me asking: „Is the Frank above the beans?“ (editor’s note: line from „There’s something about Mary“: „How’d you get the beans above the Frank?“). That is a great thing. It is wonderful when an actor gets identified with a certain part without having to do the same part over and over again. You get another character and the people remember that too. I have been very fortunate.

LWR: Charlie Sheen refers to you as his life saver. What did happen?

Keith David: On the set of „Platoon“ we were shooting a scene in a helicopter and we were not strapped in. The actual scene took place as the helicopter rounded in the valley of a mountain. The scene was only good for a half moon. We had to do a full circle and come back and start again to do that. In the last part we could not hit back to land and the helicopter shifted. All of the sudden it was so bumpy that Charlie slided towards the door. I thought „Oh my god, he is going to slide out of the door and he is not even aware of it.“ So just before he got to the door I grabbed him, raised my foot against the door and held him back. Whether he was actually going to fall out of that door or not, I don’t know. I just didn’t want to take that chance because I didn’t want to dream about him falling out of the helicopter for the rest of my life, knowing that I did nothing about it. It was really for my own sake.

LWR: Basically you are the genious behind „Two and a half men“ because it wouldn’t have happenend without your input.

Keith David: laughing

LWR: Keith, what do you do to train your voice?

Keith David: I am constantly in the studio studying with my teacher. I’m a singer so I am always refining and fine-tuning my voice. I try to learn how to do things better even with my speaking voice teacher. I used to work a lot in the theatre. Whenever I do a classic play there is one particular teacher. His name is Robert Williams and he is one of the greatest men I ever met in my life. He knows so much about theatre and he told me how to use my voice. I never do a classic play without consulting him. I always go to him first and say: „How can I do this better? How can I make this clearer? What can I do vocally ro really express this thought in the most resonant way?“ Resonant not just from the vocal point of view but resonant as far as the subtlety and nuances of the thought go. So I am always training.

LWR: You decided very early to become an actor. Do you have hints for young people, who also want to become an actor?

Keith David: It is very important to study acting. Find a good teacher and a good class and study as much as possible. You have to know what you are doing. Acting is a craft. You wouldn’t ask someone to fix your car when he just says: „Oh, I feel like I can fix your car.“ You wouldn’t let him work on your car. So actors have to study like mechanics, carpenters or any other kind of craftsmen. When you know what you are doing you continue learning for the rest of your life. To study is the most important thing for an actor. You also have to be a student of life. You have to learn how to observe people, because everybody else doesn’t walk and talk like you. So you have to study other people’s walk. You have to develop a flexible body and a flexible voice so you can express every nuance.

LWR: You are going to take part in Tom Tykwers movie „Cloud Atlas“ with Tom Hanks, Jim Sturgess, Halle Berry, Susan Sarandon and many more. What can you tell us about that movie?

Keith David: I can tell you that it is a wonderful adventure. It takes place in over five centuries and everybody plays multiple characters and you’ll see through it how the soul’s journey just keeps on going and never ends. If the soul doesn’t learn his lesson in this life it has to repeat it in the next one. That was my impression of it. Like I said it is a wonderful adventure filled with great actors and very well executed. My recommandation: Go and see the movie. (Smiling)

LWR: I am going to. Thank you Keith. I had a great time.

Keith David: Thank you, too.

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