Review: Hautnah (DVD)

Die Vier treffen in Annas Fotoausstellung aufeinander (Bildquelle: Sony Pictures)

Inhalt: Als ihre Beziehung scheitert, flieht die ehemalige Stripperin Alice (Natalie Portman) von New York nach London. Kaum in London angekommen wird sie von einem Taxi angefahren. Der attraktive Nachrufschreiber Dan (Jude Law), der sich erfolglos als Schriftsteller versucht, begleitet sie ins Krankenhaus. Die beiden vollkommen unterschiedlichen Menschen verlieben sich sofort ineinander und werden ein Paar. Von nun an verleiht Dan Alice Stabilität und Alice wird zur Muse für Dans ersten erfolgreichen Roman.

Trotz der funktionierenden Beziehung fühlt Dan sich bei einer Fotosession für sein Buchcover sofort zu der geschiedenen Amerikanerin Anna (Julia Roberts) hingezogen, die er noch während des Shootings küsst. Einige Monate später gibt Dan in einem Chat vor Anna zu sein und legt so den Dermatologen Larry (Clive Owen) rein, den er auf ein Blind-Date mit der unwissenden Anna schickt. Allerdings ist Dan selbstdas größte Opfer seines Scherzes, da er Gefühle für Anna entwickelt hat, diese aber tatsächlich mit Larry zusammenkommt. Es entwickelt sich eine komplizierte Vierecks-Beziehung, bestehend aus Sex, Lügen und Intrigen, bei der es keine Gewinner geben kann.

Kritik: Im Jahr 1997 wurde das Theaterstück „Closer“ (Originaltitel von „Hautnah“) von Patrick Marber in London uraufgeführt. Das Stück wurde mit unzähligen Preisen ausgezeichnet und zählt weltweit zu den erfolgreichsten Theaterstücken der letzten 20 Jahre. Daher war es auch wenig verwunderlich, dass Regie-Altmeister Mike Nichols („Die Reifeprüfung“) gemeinsam mit Marber 2004 eine Leinwand-Version des Stücks inszenierte. Herausgekommen ist ein ebenso ungewöhnlicher wie authentischer Film. Der Film zeigt einzelne Szenen aus vier Jahren zwischenmenschlicher Beziehung der Figuren. Bis auf die vier Hauptcharaktere sind praktisch keine Sprechrollen vorhanden. Dank der angenehm zurückhaltenden Inszenierung von Nichols ist eine volle Fokussierung auf die Entwicklung der Charaktere, die alleine durch Dialoge vermittelt wird, möglich. Er setzt nur wenige Schnitte ein und bleibt so sehr nah an der Theater-Version. Zusammengehalten wird die Geschichte durch Leitmotive (z.B. Zigarette, Fisch), die die konstanten Größen darstellen, die über Jahre im Leben der wankelmütigen Charaktere immer wieder auftauchen.

Großartige Schauspieler bringen das Theaterstück auf die Leinwand

Das Konzept von „Hautnah“ hing fast komplett von der Qualität seiner Darsteller ab. Jude Law spielt als einfühlsamer aber selbstgefälliger Dan den hoffnungslosen Romantiker. Dan glaubt an die Liebe und ist bereit dafür alles Andere, auch das Wohlergehen seiner Mitmenschen, unterzuordnen.Dabei ist seine Darstellung sowohl am Anfang, als er nochein schüchterner Nachrufschreiber ist, als auch später, als er es zum selbstbewussten Autor gebracht hat, absolut glaubwürdig. Die Überraschung in „Hautnah“ ist der schonungslose Auftritt von Julia Roberts. Wenn der als biederer „Everybody’s Darling“ bekannte Hollywood-Star in diesem Film wutschnaubend flucht, ist („Yes, I fucked him! Yes, I came. Twice!“) dürfte dem ein oder anderen Zuschauer die Kinnlade nach unten sinken. Trotzdem oder gerade deswegen gehört ihre Darstellung der Anna zum Besten, was sie bislang in ihrer Karriere geleistet hat.

Das reicht aber nicht ganz aus, um Natalie Portman das Wasser zu reichen. Ihre Alice ist sowohl frech, abgebrüht und taff, als auch verloren verletzlich und kindisch. Diese Breite an Charaktereigenschaften wird nur noch überboten von ihrer Ausstrahlung: Natalie Portman gelingt es, eine vor Erotik sprühende Figur zu verkörpern, ohne sich dafür ganz auszuziehen. Für diese Glanzleistung bekam sie einen Golden Globe-Award und eine Oscar-Nominierung als „Beste Nebendarstellerin“. Außerdem schaffte sie es, das Püppchen-Image aus den Star Wars-Filmen abzulegen und sich als ernstzunehmende Charakterdarstellerin zu etablieren. Warum ihre Figur allerdings nicht als Hauptrolle anerkannt wurde, dürfte sich kaum jemandem nach dem Ansehen des Films erschließen können.

Die größte schauspielerische Leistung vollbringt allerdings der damals noch relativ unbekannte Clive Owen. Der Engländer, der 1997 bei der Theateraufführung von „Closer“ noch die Rolle des Dans übernommen hatte, liefert hier als impulsiver und chauvinistischer Larry die wohl beste Leistung seiner bisherigen Karriere ab. Er hat eine unglaubliche Leinwandpräsenz und lässt den Zuschauer jede seiner Regungen spüren.

Mike Nichols ist mit „Hautnah“ eine würdige Leinwandadaption von Marbers Theaterstück gelungen Allerdings ist „Hautnah“ eine Geschichte, die abgesehen von ihrer handwerklich perfekten Inszenierung, polarisiert: Die einen mögen die Dialoglastigkeit des Films nicht oder sind von dem häufigen Gebrauch von Schimpfwörtern entsetzt, die Anderen sind von der Macht der Wörter in diesem Film fasziniert. Dabei ist der Film vor allem intensiv und schonungslos ehrlich. Wenn sich der Zuschauer davon begeistern lässt, ist „Hautnah“ einer der stärksten Filme der letzten Jahre.

5 von 5 Punkten

 

Bild: Das Bild ist nicht auf idealem Niveau. Der Schärfegrad ist eher mittelmäßig, was bei der Detailzeichnung zu häufigen Ungenauigkeiten führt. Der Kontrast ist gelungen, dafür wirken die Farben in manchen Szenen schon unnatürlich kräftig.

3 von 5 Punkten

Ton: Auch der Ton, der auf Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1 vorhanden ist, weißt leichte Schwächen auf. Das in „Hautnah“ die Dialogverständlichkeit auf hohem Niveau ist, war natürlich das entscheidende Ziel bei dieser Umsetzung. Allerdings ist der Klang relativ frontlastig geworden.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Bei den Bonusmateralien wird der Zuschauer enttäuscht. Statt Zusatzinformationen zu dem starbesetzten Film mit der interessanten Entstehungsgeschichte zu liefern, sind nur einige Trailer und das Musikvideo zu dem (großartigen) Titelsong „The Blower’s Daughter“ von Damien Rice enthalten. Da hätte es schon etwas mehr Mühe bedurft.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Bildquelle: Bommelbummi, Sony Pictures, YouTube

Hautnah

Originaltitel:Closer
Regie:Mike Nichols
Darsteller:Jude Law, Julia Roberts, Natalie Portman, Clive Owen
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2004
Verleih:Sony Pictures
Länge:104 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

 

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 08.03.2012
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