Review: Ein Sommer in Haifa (Kino)

Ein Sommer in Haifa Bildquelle: Bildkraft

Inhalt: Im Sommer 1968 arbeitet der junge Arik (Tuval Shafir) für den KZ-Überlebenden Yankele Braid (Adir Miller „Die Truppe“). Er soll in der israelischen Hafenstadt Haifa mögliche Heiratskandidaten ausspionieren, die Yankele dann in seinem Ehevermittlungsbüro zusammenführen kann. Der geheimnisvolle Yankele hat sich auf sonderbare Fälle spezialisiert. Leute wie die Liliputanerin Silvia, die meinen, dass sie aufgrund einer physischen oder psychischen Zurückstellung keinen Partner finden, möchte er vermitteln. Gerade als Arik beginnt, sich in seiner Rolle als Nachwuchsdetektiv wohl zu fühlen, taucht die Cousine seines Freundes auf. Die hübsche Tamara (Neta Porat) bringt Arik mit ihrer leichtfüßigen Art und ihrem hübschen Aussehen schnell um den Verstand und Arik verliert im Laufe des Sommers nicht nur die Kontrolle über seine Libido, sondern auch über seinen Job.

Kritik: Regisseur Avi Nesher („Rage und Glory“) filmte Ein Sommer in Haifa auf der Grundlage des Romans When Heroes Fly von Amir Gutfreund. Zunächst erscheint der Film wie eine leichtverdauliche Teenager Romanze. Doch eingebettet in die unbeschwerte Geschichte einer jungen Liebe, befindet sich ein dramatisches Porträt einer Zeit, die im Schatten des Holocausts steht. Während Arik versucht in die Welt der Erwachsenen zu gelangen, geben diese sich die größte Mühe ihrer Welt, die aus schrecklichen Erinnerungen und Leid besteht, zu entfliehen. Nesher gelingt es im Rahmen einer sommerlichen Tragikkomödie immer wieder, von der Verdrängung und dem stillen Umgang mit der Shoah zu erzählen, ohne eine melancholische Stimmung zu übermitteln.

Doch die Verzweiflung der Vergangenheit ist im Sommer 1968 nicht das einzige Problem der Israelis. Ein Jahr nach dem Sechs-Tage-Krieg müssen sie auch der Tatsache ins Auge sehen, dass sie ihre Heimat mit Worten allein nicht mehr halten können. Die Krise, in der Haifa um ihn herum steckt nimmt Arik kaum war. Er hat nur Augen für Tamara, die ihn mit ihrer Emanzipation und ihrem lockeren Umgang mit der Sexualität völlig um den Verstand bringt.

Unter den Schauspielern sticht vor allem Adir Miller heraus. Er schafft es, die vielen Facetten des geheimnisvollen Yankeles voll auszuspielen. Aber auch der junge Tuval Shafir, der bei den Dreharbeiten gerade einmal 17 Jahre alt war und als Arik sein Hauptrollendebüt gibt, zeigt wie viel Potenzial in ihm steckt. Er mimt sowohl den jungen Träumer, als auch den neugierigen Detektiv sehr gekonnt.

Ein Sommer in Haifa ist ein Film, der ein bittersüßes Bild von Tragik und Komik, Vergangenheit und Zukunft, Liebe und Hass vermittelt, ohne dabei zu überzeichnen. Regisseur Avi Nesher ist der Spagat zwischen romantischer Liebelei und Holocaust-Aufarbeitung gut gelungen.

Der Film ist seit dem 02.02.2012 auch in den deutschen Kinos zu sehen.

4 von 5 Punkten


Bildquelle: Youtube: Vipmagazin

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.02.2012
Review: Ein Sommer in Haifa (Kino)

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