Review: Die eiserne Lady (Blu-ray)

Das Hauptplakat von "Die eiserne Lady" (Quelle Concorde Home Entertainment)

Das Hauptplakat von “Die eiserne Lady” (Quelle Concorde Home Entertainment)

Eine alte Dame, die sich tapfer durch einen Londoner Supermarkt kämpft, um Milch einzukaufen, während sich andere vordrängen. Eine senile Frau, die sich einbildet, ihr verstorbener Mann würde noch leben und mit seiner Erscheinung spricht. Hierbei handelt es sich nicht um die Geschichte irgendeiner Frau – sondern um die von Margaret Thatcher (Meryl Streep, „Der Teufel trägt Prada“), des ersten weiblichen Premierministers Großbritanniens. Nach 86 Jahren hat die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Hausschneiderin ein bewegtes Leben hinter sich: Ihre Wahl ins Unterhaus im Londoner Wahlkreis Finchley im Jahre 1959 ist nur die erste Stufe auf der steilen Treppe ihrer politischen Karriere, der sie sich mit ungewöhnlichem Ehrgeiz und Eifer widmet, und auf der sie zur wichtigsten Politikerin Großbritanniens aufsteigen sollte. Doch Thatcher wurde stets von zwei Seiten betrachtet und ihre unerbittliche Art zu regieren, brachte ihr den Spitznamen „Iron Lady“ (dt. „eiserne Lady“) ein. Im Kontrast zu ihrem öffentlichen Bild steht im Film das späte Privatleben Thatchers: Ihre sich entwickelnde Demenz und der wachsende Alkoholkonsum führt zu Einbildungen, in denen sie mit ihrem Mann Denis (Jim Broadbent, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“) diskutiert und Ratschläge von ihm erhält. Die einst mächtigste Frau Großbritanniens verirrt sich immer mehr in Erinnerungen an ihre Vergangenheit und kann Realität und Fiktion nicht mehr voneinander trennen.

Die britische Regisseurin Phyllida Lloyd („Mamma Mia!“) schafft mit „Die eiserne Lady“ eine filmische Biographie, die eigentlich keine ist: Der Zuschauer erlebt hier den visuell beeindruckenden subjektiven Blick der Regisseurin auf das Leben Thatchers, der nur teilweise auf Fakten basiert, zu einem großen Teil jedoch auf der verwaschenen imaginierten Realität einer demenzkranken Frau aufgebaut wird, die ebenso jede andere Person ausmachen könnte. Dies zeigt zwar die menschliche Seite der „eisernen Lady“, wer sich allerdings einen Einblick in das politische Wirken der ehemaligen Premierministerin wünscht, wird enttäuscht, denn ihr wirklicher Werdegang wird nur äußerst marginal erschlossen. Die historischen Fakten sind wenig verständlich integriert und werden in kürzester Zeit abgehandelt. Stattdessen häufen sich Thatchers oft überlange Dialoge mit ihrem verstorbenen Mann. Hier ist die schauspielerische Leistung von Meryl Streep zweifelsohne überragend, doch lässt das Ergebnis den Zuschauer mit dem Bedürfnis zurück, privat zu recherchieren, um etwas Handfestes über die wichtigste politische Frau Großbritanniens zu erfahren.

Zwischen Demenz und Regiment

Die eiserne Lady bei der Arbeit (Quelle Concorde Home Entertainment)

Die eiserne Lady bei der Arbeit (Quelle Concorde Home Entertainment)

Natürlich sticht in jeder Film-Biographie die Hauptdarstellerin oder der Hauptdarsteller hervor, „Die eiserne Lady“ bleibt jedoch über die Maßen im Gedächtnis: Meryl Streep, die für ihre überragende Leistung verdientermaßen einen Academy Award erhalten hat, vollzieht hier mit ihrer Performance den Charakter der Margaret Thatcher unglaublich lebendig nach. Hierbei beherrscht sie alle Facetten perfekt, sowohl die harte, unerbittliche „eiserne Lady“ während der Amtsperiode als auch die zerbrechliche, alte Seniorin, die immer mehr die Verbindung zur Realität verliert. Mit ihr wird der Zuschauer hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für die Unbeugsamkeit Margaret Thatchers, Abneigung gegen bestimmte negative Charakterzüge und schmerzendem Mitleid für die alte, senile Frau, die nur noch ein Schatten der einstigen stolzen Premierministerin ist. Neben Streep ist hier das das gewohnt gute Schauspiel von Jim Broadbent erwähnenswert, der dem Charakter des Denis Thatcher durch äußerst wirksam eingesetzte Mimik und Gestik Leben einhaucht.

Insgesamt führt „Die eiserne Lady“ lebt von seinen tollen Darstellern und zeigt auf einfühlsame und rührende Weise die Auswirkungen von Demenz auf den Alltag eines Menschen. Problematisch zeigt sich jedoch die Plotstruktur, die sehr auf emotionale Reaktionen des Zuschauers abzielt und dafür wichtige Fakten für das Verständnis der Figur Margaret Thatcher überspringt oder viel zu schnell abspult. Somit hebt sich der Film insgesamt – gerade im mit zahlreichen hochqualitativen Alternativen bestückten Biopic-Genre – nur mäßig hervor. Wer sich eine ausgereifte Nachzeichnung des Werdegangs von Margaret Thatcher wünscht, wird hier enttäuscht, und allein die herausragende Leistung Streeps verhindert nicht den insgesamt faden Gesamteindruck.

3 von 5 Punkten

 

 

Meryl Streep als Margaret Thatcher (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Meryl Streep als Margaret Thatcher (Quelle: Concorde Home Entertainment)

Bild: Durch die intensive Farbkorrektur erhält das Bild einen relativ blassen Ton, das den sonst sehr guten Eindruck des Bilds, vor allem in Bezug auf die beeindruckende Detailschärfe, deutlich trübt.

3,5 von 5 Punkten

 

Ton: Die Klangqualität ist durchweg sehr gut und erstaunt vor allem während der Archivaufnahmen mit beeindruckender Tiefe.

4,5 von 5 Punkten

 

Extras: Die Extras sind mit einem Making of, Interviews, sechs Featurettes sowie dem deutschen und englischen Kinotrailer von sehr solidem Umfang.

4 von 5 Punkten

 

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Concorde Film, YouTube

Die eiserne Lady

Originaltitel:The Iron Lady
Regie: Phyllida Lloyd
Darsteller:Meryl Streep, Jim Boadbent
Genre:Biographie
Produktionsland/-jahr:UK, 2011
Verleih:Concorde Home Entertainment
Länge:105 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Daniela.

Zuletzt geändert am 31.07.2012
Die eiserne Lady (Blu-ray)

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