Review: Californication Staffel 1 (DVD)

Californication Staffel 1 (Bildquelle: Paramount Pictures)

Inhalt: Auf den ersten Blick sieht es für Schriftsteller Hank Moody (David Duchovny, Agent Mulder aus „Akte X“) sehr gut aus im Leben: Der Mittvierziger hatte zahlreiche Bestseller, lebt in der „Stadt der Träume“ Los Angeles und kann sich die Frauen praktisch frei auswählen. Auf den zweiten Blick sieht sein Leben schon nicht mehr so großartig aus: Er hat schon lange nichts mehr geschrieben, ist drogenabhängig, ein Alkoholiker und seine große Liebe Karen (Natascha McElhone, Deirdre aus „Ronin“), die Mutter seines einzigen Kindes, hat sich gerade mit dem spießigen Verleger Bill (Damian Young) verlobt.

Daher kann Hank seine 12-jährige Tochter Becca (Madeline Martin) nur noch selten sehen. Hank tut alles, um die beiden zurück zu erobern, steht sich aber wegen seiner Eskapaden immer wieder selbst im Weg. Sein bester Freund und Agent Charlie Runkle (Evan Handler, Harry Goldenblatt aus „Sex and the City“) versucht ihm dabei in allen Lebenslagen zur Seite zustehen (mal mehr mal weniger erfolgreich). Als Hank mit der lasziven Mia (Madeline Zima, Gracie Sheffield in „Die Nanny“) einen One-Night-Stand hat und sich diese danach als die minderjährige Tochter von Bill heraus stellt, droht sein Leben endgültig aus den Fugen zu geraten.

Kritik: Die Serie „Californication“ wurde bei ihrer Vorstellung in Deutschland als „Sex and the City für Männer“ vorgestellt. Sicherlich spielt Sex eine große Rolle in dieser Serie. Ebenso sicher ist es, dass die Figur des Hank Moody nicht absolut neu und innovativ ist (vergleiche Charlie Harper in „Two and a half men“). Diese Sendung aber nur auf das Offensichtliche zu reduzieren und sie deshalb im RTL II-Nachtprogramm zu versenken, wird „Californication“ nicht ansatzweise gerecht. Denn genau wie hinter der harten Schale des versoffenen und verantwortungslosen Frauenhelden Hank steckt auch in der gesamten Serie „Californication“ ein weicher Kern, der den Tiefgang seiner Charaktere erst nach und nach offenbart.

Nie mehr Agent Mulder

Mit Hank Moody schafft es David Duchovny, seine Dauerrolle „Fox Mulder“ vergessen zu lassen. Hank Moody könnte gar nicht stärker von dem wortkargen, nachdenklichen Agent Mulder abweichen. Der wortgewandte Zyniker Hank, der sich von seiner selbstzerstörerischen Wut durch zahllose (junge) Frauenbekanntschaften ablenkt, neigt dazu, jeden seiner Gedanken zu verbalisieren. So nutzt er jede Gelegenheit aus, Karens Zukünftigen Bill mit fiesen Beleidigungen zu ärgern. Dass wirkt meistens charmant, führt aber auch oft dazu, dass er von Gleichaltrigen nicht ernst genommen wird. Der treusorgende Hank Moody erscheint aber auch manchmal, wenn er die Chance hat, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Diesen verlotterten, treudoofen Charakter stellt Duchovny so glaubwürdig dar, dass er für die erste Staffel mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde.

Aber auch die anderen Hauptdarsteller sind Idealbesetzungen und zeichnen ein herrlich schräges Bild von Los Angeles. Die großartige Natascha McElhone verkörpert die intelligente und schöne Karen, die den Glauben an ihre große Liebe Hank verloren hat. Mit einer unglaublichen Geduld kämpft sie darum, ihre Beziehung zu Bill zu entwickeln und zeitgleich Hank zu ermöglichen, als Vater für Becca da zu sein. Der Zuschauer versteht vom ersten Moment an, warum sich Hank in diese Frau verliebt hat.

Die zum Zeitpunkt des Drehs 13 Jahre alte Madeline Martin liefert als Hanks altkluge Tochter Becca eine bewundernswert reife Vorstellung. Die gebürtige New Yorkerin beweist in der ersten Staffel außerdem ihr Musical-erprobtes Gesangstalent. Ein weiteres Highlight von „Californication“ ist der ehemalige Kinderstar Madeline Zima als Bills verruchte Tochter Mia. Sie ist sarkastisch, zynisch, extrem unverklemmt und verdammt gerissen. Wie Mia Hank mit dem Geheimnis der gemeinsamen Nacht zu quälen weiß, macht beim Zuschauen unglaublich viel Spaß.

Evan Handler überzeugt als Hanks ebenso Kind gebliebener bester Freund und Agent Charlie Runkle. Der Zuschauer kann die perfekte Chemie der Kombination Duchovny/Handler regelrecht greifen. Daher sind seine verzweifelten Versuche, Hank zu arbeiten zu bewegen, ebenso amüsant wie die Momente, wenn er mit Hank um die Häuser zieht. Abgerundet wird das tolle Ensemble von Pamela Adlon als Charlies sexuell frustrierte, derbe und suchtgefährdete Frau Marcy, sowie Damian Young als Karens Verlobtem und Mias Vater Bill.

„Californication“ ist frech, provokativ, witzig, intelligent und manchmal anrührend. Für die etwas zarter Besaiteten sei gesagt, dass sowohl mit physischer, wie auch mit verbaler Erotik nicht gegeizt wird. Aufgrund der hervorragenden Drehbücher gelingen aber auch diese Szenen ohne in irgendeiner Weise plump oder zotig zu werden. Diejenigen, die die offen-schonungslose Art Moodys zu schätzen wissen, erleben eine urkomische und emotionale Serie, die über herausragend geschriebene Dialoge und eine ideale Besetzung verfügt.

4,5 von 5 Punkten

Bild: Es wird ein durchgehend klares Bild auf überzeugendem TV-Serienstandard geboten.

4 von 5 Punkten

Ton: Die englische und die deutsche Tonspur bieten hervorragendes Dolby Digital 5.1, welches den Standard weit überbietet und die Dialoge geschliffen scharf wieder gibt.

5 von 5 Punkten

Extras: So großartig die Serie ist, so spartanisch fallen die Extras aus. Die Interviews können überzeugen. Ansonsten sind aber auch keine weiteren Extras vorhanden.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten

 

Hier geht es zur offiziellen Seite von “Californication”

 


Bildquelle: Showtime, Youtube

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 23.12.2011
Californication – Season 1 (DVD)

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