Review: Obsession – Du sollst mich lieben (Kino)

Das Plakat von "Obsession" (© Universal Pictures, 2026)

Das Plakat von “Obsession” (© Universal Pictures, 2026)

Inhalt: Der zurückhaltende und einsame Bear (Michael Johnston) ist seit langem heimlich in seine beste Freundin Nikki (Inde Navarrette) verliebt. Diese hat aber nur platonische Gefühle für ihn. Zwischen Sarkasmus und Verzweiflung erwirbt der junge Mann in einem Esoterik-Shop einen „One Wish Willow“, der die sehnlichsten Wünsche erfüllen soll. Noch ahnt er nicht, dass seine Bitte, „Nikki möge ihn mehr als jede andere Person auf der Welt lieben“, sehr reale Folgen hat. Tatsächlich werden die beiden ein Paar, doch nachdem zunächst alles schön zu sein scheint, nimmt die Fixierung der Traum-Freundin auf Bear immer heftigere Formen an. Zu spät wird ihm klar, wie hoch der Preis ist, den sein geäußerter Wunsch verursacht hat.

 

Kritik: Spätestens seit Jordan Peele gibt es in den USA eine sehr erfolgreiche Pipeline zwischen Sketch-Comedy und Horrorkino. Der 1999 geborene Curry Barker betrieb bereits seit längerer Zeit gemeinsam mit Cooper Tomlinson den Comedy-YouTube-Kanal „that’s a bad idea“, ehe beide gemeinsam im Jahr 2024 den No-Budget-Horror „Milk & Serial“ drehten, der ein sehr positives Feedback bekam. Das schuf für Barker ein Jahr später die Möglichkeit, mit einem Budget von 750.000-1.000.000 Dollar das selbst verfasste Drehbuch von „Obsession – Du sollst mich lieben“ zu inszenieren. Cooper Tomlinson übernahm vor der Kamera die Rolle des besten Kumpels Ian. Mit diesem ungewöhnlichen Genrewerk ist Curry Barker der ganz große Wurf gelungen.

 

Kann es wirklich Liebe sein? (© Universal Pictures, 2026)

Kann es wirklich Liebe sein? (© Universal Pictures, 2026)

Nicht nur hat der Film zum jetzigen mit weit über 150 Millionen US-Dollar sein Budget an den Kinokassen um ein Vielfaches wieder eingespielt. Was hier mit geringen Mitteln visuell wie inhaltlich geliefert wird, ist eine mittlere Sensation. „Obsession“ sieht großartig aus und hat eine Atmosphäre, die in jedem Moment greifbar ist. Der Film ist manchmal urkomisch, manchmal unangenehm, manchmal beängstigend bis hin zu wortwörtlichen Gänsehautmomenten und schafft es dazu noch, ohne erhobenen Zeigerfinger als „cautionary tale“ über „Consent“ und „den netten Kerl“ zu funktionieren.

Zwischen Gewaltspitzen, effektiven Bildern, einem enervierenden Score und dem notwendigen Maß an Augenzwinkern steht und fällt dieses finstere Märchen mit dem Auftritt von Hauptdarstellerin Inde Navarette. Die hatte bislang als Serien-Nebendarstellerin („Superman & Lois“, „Tote Mädchen lügen nicht“) und „Call of Duty“-Streamerin auf sich aufmerksam gemacht. Hier dürfte sie sich direkt zum Star befördert haben. Mit sympathischer, verletzlicher Grundlage und schrägen, radikalen, oft wirklich angsteinflößenden Ausrastern, bei denen wilde Grimassen und Bewegungen nur die Spitze des Eisberges sind, entwickelt sie einen der denkwürdigsten Kino-Charaktere in letzter Zeit. Eine durchaus mögliche Oscar-Nominierung wäre nur verdient. An ihrer Seite gibt Michael Johnston als freundliche Lusche Bear, dessen gut versteckte Egozentrik immer mal wieder zum Vorschein kommt, den idealen Spielpartner.

Es gibt selten noch wirklich originelles Kino. Vielleicht ist es da unverzichtbar, immer mal wieder einer Internetberühmtheit in den Zwanzigern oder anderen Branchen-Newbies die Chance zu geben. Curry Barker hat seine Gelegenheit mehr als genutzt. Getragen von einer überragenden Inde Navarette liefert „Obsession – Du sollst mich lieben“ höchst unterhaltsamen sowie abwechslungsreichen Horror, der unter die Haut geht, dem Zuschauer ein paar Gedanken mitgibt und wirklich alle Zutaten mitbringt, um ein Genre-Klassiker zu werden.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, YouTube

Obsession – Du sollst mich lieben

Originaltitel:Obsession
Regie:Curry Barker
Darsteller:Michael Johnston (II), Inde Navarrette, Cooper Tomlinson
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2026
Verleih:Universal Pictures
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 25.06.2026

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Universal Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.06.2026
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