
Das Hauptplakat von “30 and Wild” (© Cangerfilms Filmverleih/Lost Tape , 2026)
Inhalt: Das Abitur ist bereits einige Jahre her. Dennis (Stefan Merten) wird 30 und will mit seinen Schulfreunden Frederik (Karsten Jaskiewicz) und Tim (Michael Bruch) in der alten Heimat so richtig einen drauf machen. Doch die entspannte Party nimmt einige Umwege, da die alten Kumpels sich in verschiedene Richtungen entwickelt haben und plötzlich eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Alltag nötig wird. So sind Frederiks herrischer Vater (Martin Armknecht), Tims Jugendliebe (Kathrin Bolle) und Dennis’ idiotischer Chef (Elias Sträter) nur ein paar Stationen an einem Wochenende, das die Clique von damals nicht so schnell vergessen wird.
Kritik: Bereits im Jahr 2014 feierte Felix Maxim Eller mit der Teenie-Komödie „Young and Wild“, die den Freunden Dennis, Frederik und Tim auf einem wahrhaft wilden Trip durch ihre Heimatstadt nach dem Schulabschluss folgte, sein Regiedebüt. Der Film überraschte mit viel Herz, Humor und einem guten Auge, mit dem Eller das minimale Budget optimal nutzte. Gerade in der Region um Hauptdrehort Unna genießt die Produktion längst Kultstatus. 41 Millionen Abrufe auf YouTube sprechen außerdem eine klare Sprache. Auch das zweite Werk des Regisseurs „All Eyes On You“ ließ das Talent von Regisseur und Filmteam deutlich erkennen und wurde sogar für einige Indie-Filmpreise nominiert. Vor einigen Jahren sorgte dann ein gemeinsamer Musikvideodreh des Filmemachers mit Tim-Darsteller Michael Bruch für die Idee, den Charakteren des Debüts nochmal einen Besuch abzustatten.

Tim, Dennis und Frederik auf der Suche nach Action (© Cangerfilms Filmverleih/Lost Tape , 2026)
Wie es häufig bei nicht geförderten Indie-Filmen ist, war die Umsetzung eine Frage von Zeit und Geld. So wurde innerhalb von gut 30 Tagen das komplette Material abgedreht, die Postproduktion nahm daraufhin 18 Monate in Anspruch. Umso bewundernswerter ist das Endergebnis. Rein optisch muss sich „30 and Wild“ keinesfalls hinter vergleichbaren einheimischen Produktionen verstecken, die ein Vielfaches an Budget verschlungen haben. Viel mehr gibt es hier weit mehr gelungene Bilder und Einfallsreichtum zu sehen. Auch inhaltlich hat man nur am Anfang den Eindruck, als ob gleich M’Barek, Fitz oder Schweighöfer um die Ecke kommen könnten. Hier gelingt es, eine teils wirklich amüsante, sympathisch klamaukige Party-Komödie zu zeigen, dabei aber auch schwerere Themen im Blick zu haben.
So werden auch Themen wie Erfolgsdruck, Suchtprobleme und enttäuschte Erwartungen in die Geschichte eingearbeitet, ohne dabei eine irgendwie schwankende oder unauthentische Tonalität anzuschlagen. Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Werken belohnt der Film auch seine aufmerksamen Zuschauer, ohne Sachen überzuerklären. Dabei kann sich Eller auch immer auf seine Darsteller verlassen. Karsten Jaskiewicz, der auch als Co-Produzent beteiligt war, Michael Bruch und Stefan Merten haben weiter die Chemie, die den ersten Teil so ausgezeichnet hat. Außerdem haben sich die drei Darsteller über die Jahre merklich noch weiterentwickelt. Auch die weiteren Schauspieler liefern durchweg mindestens solide Leistungen, wobei „Young and Wild“-Scene-Stealer André Decker als chaotischer Tommy wieder für den meisten Spaß sorgt.
Es ist wirklich traurig, dass zahlreiche Filmfestivals in NRW scheinbar nicht dazu in der Lage waren, die Qualitäten dieser regionalen Einreichung zu erkennen. Gegen viele Widerstände haben Felix Maxim Eller und sein Team einen Film gedreht, der nicht nur eine schöne Fortsetzung, sondern auch das sicherlich kompletteste Werk der Beteiligten ist. Die Geschichte hat ein tolles Gefühl für die Generation der Protagonisten. Im richtigen Maß wechseln sich Witz und Melancholie ab, was „30 and Wild“ in 82 knackig erzählten und unprätentiösen Minuten zu einem echten Geheimtipp macht.
4 von 5 Punkten
Quelle: 30 and Wild, YouTube
30 and Wild
| Originaltitel: | 30 and Wild |
| Regie: | Felix Maxim Eller |
| Darsteller: | Karsten Jaskiewicz, Michael Bruch, Stefan Merten |
| Genre: | Komödie |
| Produktionsland/-jahr: | Deutschland, 2026 |
| Verleih: | Cangerfilms Filmverleih |
| Länge: | 82 Minuten |
| FSK: | ab 12 Jahren |
| Kinostart: | 26.03.2026 |
Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Films
Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 22.03.2026
Review: 30 and Wild (Kino)

