Kino

Review: Euphoria (Kino)

Das Hauptplakat von “Euphoria” (© Wild Bunch Germany)

Inhalt: Schon seit einiger Zeit haben die Schwestern Ines (Alicia Vikander, „Tomb Raider“) und Emilie (Eva Green, „Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“) kaum noch Kontakt miteinander. Doch dann ergreift Emilie die Initiative und lädt Ines zu einem idyllischen Urlaub in einer abgelegenen Villa ein. Vor Ort wird schnell klar, dass die Wiedervereinigung der beiden einen sehr traurigen Grund hat: Emilie hat Krebs im Endstadium und möchte in der Institution aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Ines ist vollkommen entsetzt von der Schreckensnachricht und den kompromisslosen Plänen ihrer Schwester. In hitzigen Diskussionen, in die sich auch Anstaltsleiterin Marina (Charlotte Rampling, „Red Sparrow“) immer wieder einklinkt, versuchen beide, ihre schwierige Vergangenheit aufzuarbeiten und die andere vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Nur langsam kommen sich die Schwestern wieder näher.

Kritik: In den vergangenen Jahren hat Regisseurin und Autorin Lisa Langseth im schwedischen Kino auf sich aufmerksam gemacht und konnte für ihre ersten beiden Filme „Hotel“ und „Die innere Schönheit des Universums“ gleich mehrere Preise gewinnen. Nun hat sie für diese europäische Co-Produktion erstmals in englischer Sprache geschrieben und gedreht. Der Ansatz ist leider ziemlich missglückt. Einen Film zu drehen, der merklich von skandinavischen Filmemachern wie Lars von Trier inspiriert wurde und sich mit einer komplexen Thematik wie aktiver Sterbehilfe auseinandersetzt, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Wenn der Film dann noch nicht einmal in der Muttersprache entsteht, wird das Projekt natürlich noch einmal ungleich schwerer. So ist es leicht zu erklären, weshalb sich „Euphoria“ vom ersten Moment an ziemlich gekünstelt anfühlt.

Noch ahnt Ines nichts vom bevorstehenden Schicksalsschlag (© Wild Bunch Germany)

Es ist natürlich legitim, ein leicht surreales Setting zu wählen, um darin ein sehr reales Charakterdrama entstehen zu lassen. Hier erschlägt der Look in vielen Fällen die Inhalte. Dazu werden zahlreiche Elemente (wie eine durchweg nackte, betagte Frau) eingefügt, die nur skurril sind, um skurril zu sein. Eine emotional aufrichtige Geschichte, die bei diesen Themen mehr als wünschenswert gewesen wäre, ist nicht im Ansatz zu erkennen. Beziehung, Hintergrund und Streitereien der beiden Protagonistinnen wirken immer oberflächlich und erfüllen doch einige Klischees. Da hilft es nur bedingt, dass zwei darstellerische Schwergewichte sichtlich bemüht sind, ihre Parts mit Leben zu füllen.

Alicia Vikander hatte bereits in den beiden Vorgänger-Werken von Langseth die Hauptrolle gespielt. Leider ist es ihr seit ihrem Oscar für „The Danish Girl“ scheinbar nicht mehr vergönnt, in wirklich guten Filmen mitzuspielen. Hier hat sie als kühle zielgerichtete Künstlerin sicherlich ihre starken Momente. Ähnliches gilt für Eva Green, die sich als Familienmensch Ellie mit ihrem Schicksal abgefunden hat. Trotzdem schaffen es die beiden nicht, den eindimensionalen Dialogen die benötigte Tiefe zu geben. Charlotte Rampling spielt als stoische Institutsleiterin, die beiden Schwestern mit Rat zur Seite steht, eine unspektakuläre Paraderolle. Charles Dance („Game of Thrones“) als Lebemann, der den Tod nach den eigenen Vorstellungen bestimmen will, hat ein paar sehr alberne Szenen, aber auch Momente, die am ehesten noch als glaubwürdig bezeichnet werden können.

Das ändert aber nichts daran, dass sich das Gesamtergebnis fehlgeleitet anfühlt. Schräges Arthaus-Kino mit einem ernsten Charakterstück zu kombinieren, ist durchaus möglich, hätte aber ein deutlich besseres Drehbuch benötigt. So bleibt „Euphoria“ ein seltsamer, unrunder und ziemlich zäher Film, der trotz der vorhandenen darstellerischen Qualität die eigenen Ansprüche deutlich verfehlt.

2 von 5 Punkten


Quelle: Wild Bunch Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Euphoria

Originaltitel:Euphoria
Regie:Lisa Langseth
Darsteller:Alicia Vikander, Eva Green, Charlotte Rampling, Charles Dance
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Großbritannien, Schweden, Deutschland, 2018
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:104 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:24.05.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Wild Bunch Germany

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 23.05.2018
Review: Euphoria (Kino)

Thomas

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