Review: Das Urteil von Nürnberg (Mediabook)

Das Mediabook-Artwork von "Das Urteil von Nürnberg" (© Capelight Pictures)

Das Mediabook-Artwork von “Das Urteil von Nürnberg” (© Capelight Pictures)

Inhalt: Drei Jahre sind seit dem Ende des zweiten Weltkriegs vergangen. Die Hauptschergen des Nazi-Regimes sind inzwischen tot, verurteilt, oder weiterhin auf der Flucht. Im Nürnberger Justizpalast sollen nun die Prozesse gegen Verantwortliche aus der zweiten Reihe stattfinden. Der Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) aus Alabama soll als Vorsitzender darüber befinden, ob vier deutsche Amtskollegen – unter ihnen der ehemalige Justizminister Ernst Janning (Burt Lancaster) – bei der Ausübung ihres Dienstes während des dritten Reichs Verbrechen begangen haben. Hayword ist sich unschlüssig, ob er Anklagevertreter Tad Lawson (Richard Widmark) folgen soll, oder ob der engagierte Rechtsanwalt Hans Rolfe (Maximilian Schell), der die Angeklagten als wehrlose Werkzeuge in einem großen System sieht, die sinnvollere Argumentation auf seiner Seite hat. Um seiner schweren Aufgabe gerecht zu werden, versucht er in seiner Freizeit die Stadt und ihre Menschen besser kennenzulernen. Dabei lernt er die faszinierende Witwe Bertholt (Marlene Dietrich) kennen, deren Ehemann bei den Prozessen 1946 hingerichtet wurde. In einem Geflecht aus Selbstverleumdung, Lügen und Angst muss er einen Weg finden, Verantwortung für ein unvorstellbares Verbrechen zuzuweisen.

Kritik: Während des dritten Reichs wurden zweifelsohne einige der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen. Männer wie Hitler, Goebbels und Göring werden wegen ihrer unvorstellbaren Gräueltaten für immer einen dunklen Platz in der Geschichte einnehmen. Doch wie ist mit denjenigen zu verfahren, die als Rädchen im System die Ausführung dieser Verbrechen erst ermöglicht haben? Selbst ein Adolf Eichmann, der als SS-Obersturmbannführer für den Holocaust hauptverantwortlich war, bezeichnete sich selbst nach dem Krieg als Befehlsausführer und prägte damit den Begriff der „Banalität des Bösen“. Im Jahr 1961 setzte sich Regie-Legende Stanley Kramer („Flucht in Ketten“), der immer ein Händchen für kontroverse und schwierige Themen hatte, in seinem Porträt der Nürnberger Prozesse mit der kaum zu beantwortenden Schuldfrage auseinander. Auch wenn das Gerichtsdrama rein handwerklich kaum große Sprünge wagt, sorgen hier die komplexen, spannenden Inhalte, die ausgewogen diskutiert werden, für den Klassiker-Status des 190-minütigen Epos.

Richter Hayword und die Witwe Bertholt schließen eine eigentümliche Freundschaft (© Capelight Pictures)

Richter Hayword und die Witwe Bertholt schließen eine eigentümliche Freundschaft (© Capelight Pictures)

Immer wieder dürften sich auch belesene Zuschauer dabei erwischen, wie ihre Meinung während des Films – ähnlich zu der von Dan Hayword – ins Wanken kommt. Hierbei spielen natürlich die fokussierte Inszenierung und die klugen Dialoge eine Rolle. Aber natürlich diente auch die spektakuläre Besetzung dazu, den Film während seiner langen Laufzeit fast durchgängig packend zu gestalten. Der 1967 verstorbene Spencer Tracy dient als unschlüssiger Richter als Hauptfixpunkt für das Publikum. Er schafft es, ohne großen Gesten seiner Figur genau das emotionale Gewicht zu geben, das benötigt wird. Die vielleicht herausragende unter vielen tollen Performances gehörte aber dem Österreicher Maximilian Schell, der für seine Leistung als mitreißender Rechtsanwalt Hans Rolfe einen hoch verdienten Oscar gewann. Mit wie viel Cleverness Schell seine Figur – vom kleinsten Grinsen, bis zu den spektakulären Ansprachen – entwickelt, ist ganz großes Kino.

Auch Richard Widmark, der als Colonel Lawson um eine Verurteilung der Angeklagten kämpft, zeigt eine der besten Leistungen seiner langen Karriere. Burt Lancaster hält sich als Hauptangeklagter Ernst Janning – der lose auf dem Richter Oswald Rothaug basiert – lange Zeit zurück, hat dann aber im Schlussdrittel einen der eindrucksvollsten Monologe der Filmgeschichte. Die Berlinerin Marlene Dietrich, die wohl von der Besetzung die engste Verbindung zur Thematik hatte, darf hier noch einmal zeigen, was sie über Jahrzehnte so ausgezeichnet hat. Dazu kommen weitere Stars wie Judy Garland und Montgomery Clift, sowie ein blutjunger William Shatner, die hier eher kleine Parts einnehmen.

Obgleich es sicherlich Kleinigkeiten gibt, die dem Film vorgeworfen werden können, bleibt „Das Urteil von Nürnberg“ auch 57 Jahre nach seiner Veröffentlichung ein zeitloses und herausragend gespieltes Drama, dass immer noch kluge Denkanstöße zum Thema Verantwortung liefert.

Zwei ähnliche Männer mit einer gegenläufigen Agenda (© Capelight Pictures)

Zwei ähnliche Männer mit einer gegenläufigen Agenda (© Capelight Pictures)

Der Film ist ab dem 26.10.2018 in der 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook und auf DVD erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

 

Bild: Der Bildtransfer ist gemessen am Alter des Films wirklich sehr schön. Es wird ein erstaunlich scharfes und detailreiches Bild gezeigt – wobei die Aufnahmen aus dem Gerichtssaal diesbezüglich die Außenaufnahmen aus Nürnberg ausstechen. Hier und da schleicht sich ein etwas weicheres Bild in die Präsentation, was aber zu vernachlässigen ist. Kontraste, Schwarzwert und Grauabstufungen sind exzellent. Das Bild wurde merklich gesäubert, dabei wurde aber die sehr natürlich anmutende Körnung und ein paar zeitgemäße Bildfehler beibehalten.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Die Blu-ray enthält die englische Originalfassung in einer erstaunlich effektiven DTS-HD MA 5.1-Überarbietung und die deutsche Vertonung in einer angenehm sauber klingenden PCM 2.0-Mono Version. Auf der DVD ist der englische Ton in Dolby Digital 5.1 und der deutsche in Dolby Digital 2.0 Mono zu finden. In der auf den Raum verteilten Originalfassung ist die Direktionalität, mit der die Dialoge aus den verschiedenen Ecken des Gerichtssaals geschossen kommen, eine positive Überraschung. Auch die kräftige Abmischung der so charakteristischen Musik kann gefallen. Natürlich müssen hier in der deutschen Vertonung leichte Abstriche gemacht werden. Dafür ist die Dialogwiedergabe und auch der Rest der Spur klar und sauber, was für einen Film dieses Alters keine Selbstverständlichkeit ist.

4 von 5 Punkten

Extras: Eine minimalistische, aber sehr schicke Vorderseite mit den Profilen der Protagonisten und die Rückseite mit einem alten Plakatmotiv geben den passenden Einband für diesen Klassiker. Im Inneren befindet sich das gewohnte 24-Seiten-Booklet, das Texte von Markus Obermann und Bilder aus dem Film enthält. Als Bonusmaterial auf den Discs befindet sich eine Tonspur mit isolierter Filmmusik, ein interessantes Gespräch zwischen den beiden Oscar-Gewinnern Abby Martin und Maximilian Schell (20 Minuten), die Featurettes „Der Wert eines einzelnen Menschen“ (6 Minuten) und „Ein Tribut an Stanley Kramer“ (14 Minuten) sowie ein paar Trailer.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle: Filme – wahre Begebenheiten, YouTube

Das Urteil von Nürnberg

Originaltitel:Judgement Of Nuremberg
Regie:Stanley Kramer
Darsteller:Spencer Tracy, Marlene Dietrich, Richard Widmark
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 1961
Verleih:Capelight Pictures
Länge:190 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Capelight Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.10.2018
Review: Das Urteil von Nürnberg (Mediabook)

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