Review: Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze (Kino)

Das Plakat von "Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze" (© Nordpolaris)

Das Plakat von “Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze” (© Nordpolaris)

Inhalt: Normalerweise gehen Johannes „Jo“ Halbig und Andreas ‚Schlagi‘ Schlagenhaft aus dem kleinen Dillingen an der Donau in die Mittelstufe. Viel zu erleben gibt es eigentlich nicht. Um das zu ändern, wollen die beiden eine Punk-Band gründen. Mit ihrem Mitschüler Maximilian „Mäx“ Schlichter finden sie schon bald einen geeigneten Gitarristen. Da zunächst kein Drummer in Sicht ist, übernimmt Fabi, der neun Jahre alte Bruder von Jo, aushilfsweise den Job. Schnell kommt das Quartett unter dem Namen Killerpilze zu ersten Auftritten. Die Teenie-Punks entwickeln sich schnell zum echten Geheim-Tipp, was ihnen sogar bald einen Plattenvertrag beschert. Ehe sie sich versehen können, stehen Auftritte vor Massen von kreischenden Fans, Foto-Shootings für die BRAVO und Autogrammstunden auf ihrem Tagesplan. Doch nicht alle können mit der plötzlichen Popularität umgehen. Als dann das zweite Album hinter den Erwartungen zurückbleibt, verschwinden die Killerpilze plötzlich wieder von der großen Bühne. Nachdem sie überlegen mussten, wie es weitergeht, arbeitet die Band als Trio daran, auch als erwachsene Musiker Erfolg zu haben.

Kritik: Wenn der Name Killerpilze fällt, dürfte zumindest in der Altersklasse 20-30 etwas klingeln. Zu groß war der Hype, den die Band in ihrer Anfangsphase ausgelöst hat. Es ist aber auch so, dass ein guter Anteil der Leute sich zunächst wundern wird, dass die Gruppe tatsächlich noch aktiv ist. Mittels Crowdfunding haben sie jetzt das Geld gesammelt, um ihre Geschichte zu erzählen. David Schlichter, der Bruder von Mäx und Gründungsmitglied Fabian Halbig höchstselbst haben die Dokumentation in die Tat umgesetzt. Herausgekommen ist ein extrem intimes Porträt einer Band, die trotz ihres immer noch jungen Alters (subtile Referenz an den Titel) schon alle Höhen und Tiefen des Showgeschäfts durchlebt haben. Hierbei zahlt sich aus, dass die Bandmitglieder seit ihren ersten musikalischen Gehversuchen immer äußerst aktiv mit ihren Kameras unterwegs waren.

Die Killerpilze heute (© Paul Ambrusch_Final Chapter)

Die Killerpilze heute (© Paul Ambrusch_Final Chapter)

Natürlich ist es das Ziel einer solchen Dokumentation, die Stars sympathisch erscheinen zu lassen. Zum Glück funktioniert dieser Plan hier, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Das Publikum lernt eine Truppe von authentischen, ehrlichen und herzlichen Jungs kennen, die ihren Traum zunächst leben dürfen, nur um ihm danach hinterherzujagen. Bei dem Film ist es eigentlich fast egal, ob der Zuschauer ein Fan der ersten Stunde ist, nur mal irgendwann von der Existenz einer solchen Band gehört hat, oder gerade erst erfährt, dass es die Killerpilze gibt: Der Film ist nahbar, informativ und kurzweilig und schafft es so, jedes Publikum mit an Bord der Geschichte zu holen. Sehr wichtig ist auch der schonungslose Umgang der Protagonisten mit allen Aspekten der Karriere. Gerade wenn es nach der surrealen Euphorie – unverschuldet – den Berg abwärts geht, scheuen sich die Bandmitglieder auch nicht, alles über die großen Probleme offenzulegen.

So sind es auch gerade die Momente ihrer Laufbahn, die den meisten Zuschauern noch im Kopf geblieben sind (Stichwort BRAVO-Cover), die sich als Fluch erwiesen haben. Gerade in der zweiten Hälfte des Filmes bekommt das Publikum eine Gruppe von Vollblut-Musikern zu sehen, die sich wahrlich zerreißt, um weiter (oder wieder) ihren Traum leben zu können, dabei aber immer wieder mit den selbst aufgebauten Klischees zu kämpfen haben. Wer erlebt, wie sich die Killerpilze inzwischen alles selber erarbeiten und mit aufrichtiger Freude den direkten Kontakt zu den Fans suchen oder auch einmal zu Werbezwecken ein kurzes Konzert in einer Fußgängerzone spielen, kommt nicht umhin, diesen Männern Respekt zu zollen.

Die Auszeichnung mit dem Publikumspreis auf dem Filmfest München kommt sicherlich nicht nur daher, dass sich die Killerpilze eine immer noch beständige Fan-Basis erhalten haben. „Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ ist eine exzellent produzierte Musik-Dokumentation, die am Beispiel der Protagonisten durch die Höhe und Tiefen der Branche führt und ungewöhnlich direkte Einblicke ins Showgeschäft ermöglicht.

4 von 5 Punkten


Quelle: KillerpilzeTV, YouTube

Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze

Originaltitel:Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze
Regie:David Schlichter, Fabian Halbig
Darsteller:Johannes & Fabian Halbig, Maximilian Schlichter, Klaas Heufer-Umlauf, Jennifer Rostock
Genre:Dokumentation, Musikfilm
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2017
Verleih:Nordpolaris/24 Bilder
Länge: 112 MinutenFSK: ab 0 Jahren
Kinostart: 05.10.2017

Mehr Informationen gibt es auf der Seite von Nordpolaris

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.10.2017
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