Uli Edel Interview zu HOUDINI

Das Blu-ray-Cover von "Houdini" (Quelle: StudioCanal)

Das Blu-ray-Cover von “Houdini” (Quelle: StudioCanal)

LWR: Wie sind Sie zu „Houdini“ gekommen und was hat Sie an der Thematik gereizt?

Uli Edel: Ich wollte diesen Film gerne machen und die Geschichte von Houdini erzählen. Meine ersten Eindrücke von ihm hatte ich damals in dem Tony Curtis-Film (Anm. der Red. „Houdini, der König des Varieté“ aus dem Jahr 1953) gewonnen. Den Film hatte ich als Kind gesehen und ihn als sehr faszinierend empfunden. Ich habe glücklicherweise auch einen Vater, der Zauberer war. Er hat seine Tricks nicht nur der Familie vorgeführt, sondern ist wirklich auf kleineren Bühnen aufgetreten und hat seine Zauberstücke präsentiert. Im Alter von sechs bis acht Jahren war ich total begeistert von dem, was er da oben machte und wollte immer hinter das Geheimnis seiner Tricks kommen. Ich habe ihn dann auch immer heimlich beobachtet, wenn er seine Apparaturen gebaut und seine Stücke vorbereitet hat. Ich fühlte mich dann als Mitverschworener, wenn das Publikum gespannt zusah und ich als kleiner Junge eigentlich schon wusste, wie der Trick funktionierte. Trotzdem bin ich immer wieder gern hingegangen. Eigentlich wissen wir alle, dass es sich um einen Trick handelt. Wir wissen, dass Naturgesetze nicht außer Kraft gesetzt werden können, aber wir lassen uns gerne verzaubern.

 

Houdini und seine Frau bei der Arbeit (Quelle: StudioCanal)

Houdini und seine Frau bei der Arbeit (Quelle: StudioCanal)

LWR: Warum übt Magie denn so eine große Faszination auf uns aus?

Uli Edel: Zauberer und Magie gab es in allen Kulturen in allen Jahrhundert bis zurück zur Steinzeit. Das ist etwas, was die Menschen schon immer interessiert und begeistert hat. Um jetzt weit auszuholen: Selbst ein Religionsgründer wie Jesus Christus hat auch immer etwas Magie gebraucht, um die Zuschauer erst einmal anzuziehen und seine Predigten zu lauschen. Er hat beispielsweise Fische und Brot vermehrt. Zauberei ist somit nicht neu und existiert überall auf der Welt.

 

Adrien Brody glänzt als Entfesslungskünstler Houdini (Quelle: StudioCanal)

Adrien Brody glänzt als Entfesslungskünstler Houdini (Quelle: StudioCanal)

LWR: Was hat der Beruf des Regisseurs mit dem eines Magiers gemeinsam?

Uli Edel: Ich wollte damals eigentlich in die Fußstapfen meines Vater treten. Ich habe mich über das Thema auch mit Adrien Brody unterhalten, der selbst auch als junger Man bei kleineren Events als Magier auftrat. Ich selbst habe es auch versucht, war aber nicht so geschickt mit meinen Fingern, wie es bei meinem Vater der Fall war. Es benötigt auch sehr viel Arbeit und Durchhaltekraft, die ich nicht unbedingt darein stecken wollte. Vielleicht war das aber dann der Grund, warum ich später Regisseur geworden bin. Was auf der Leinwand im Kino passiert, hat ja auch etwas mit Magie zu tun. Das Kino ist ja auch eine Art magischer Raum, in dem wir uns gerne verführen und verzaubern lassen.

 

LWR: Was haben Sie aus der Zusammenarbeit mit Adrien Brody mitgenommen?

Uli Edel: Zunächst einmal war Adrien Brody die erste und einzige Wahl für die Rolle des Houdini. Ich könnte mir bis heute niemand anderen für den Part vorstellen, Er hat ihn verkörpert, auch wenn er körperlich anders aussieht. Houdini war eher etwas untersetzt, während Adrien ein großer, schlanker Mann ist. Trotzdem hat er Flair und Charisma Houdinis perfekt umgesetzt. Ich war sehr glücklich, dass er diese Rolle für mich gespielt hat. Er hat es auch wegen einer großen Achtung vor Houdini gemacht. David Copperfield, der vielleicht bekannteste Magier von heute, hat immer wieder betont, dass Harry Houdini der größte Zauberer aller Zeiten war. Er hat sein Leben lang Houdini-Reliquien gesammelt und ihn immer als Vorbild bewundert. Es gibt kaum Magier, die nicht zu Houdini aufschauen.

 

Wie die Hauptfigur haben auch Adrien Brody und Uli Edel einen Bezug zur Magie (Quelle: StudioCanal)

Wie die Hauptfigur haben auch Adrien Brody und Uli Edel einen Bezug zur Magie (Quelle: StudioCanal)

LWR: In den letzten Jahren werden Serien immer aufwendiger und anspruchsvoller. Wird dieses Medium das Kino irgendwann überholen?

Uli Edel: Ich glaube, dass die Serie, beziehungsweise die Langform der Erzählung dem Kino aktuell überlegen ist. Es kursiert ja die Frage in Hollywood, was in den letzten zehn Jahren im Kino passiert ist. Da kommt dann häufig die Serie im Fernsehen als Antwort. Die Serien haben im Moment ein enorm hohes Niveau und das Kino hat im Vergleich gar nicht mehr so viel zu bieten, was diese Serien bieten können. Selbst in Hollywood reden die Leute nur noch von Serien. Egal, wohin Sie auf der Welt kommen, werden Sie mitten den Leuten über die selben Serien sprechen. Es sind Geschichten, die so stark sind, dass sie in jedem Kulturkreis die Menschen begeistern. Diese Serien bringen Menschen zusammen und sorgen für ein kollektives Erleben. Die positive Wirkung davon kann man gar nicht genug schätzen.

 

Die drei Hauptdarsteller der Serie (Quelle: StudioCanal)

Die drei Hauptdarsteller der Serie (Quelle: StudioCanal)

LWR: Wie sehen Sie diese Entwicklung hier in Deutschland, wo es bis auf vereinzelte TV-Events in dieser Richtung bislang eher ruhig geblieben ist?

Uli Edel: In Deutschland gibt es die Sprache als Problem. Wenn sie eine Serie in Deutsch drehen, können sie diese nicht ohne Probleme weltweit vermarkten. Mit einer Serie auf Englisch haben sie einen enormen Markt. Es wird überall gesehen. Eine deutschsprachige Produktion wird mit Untertiteln gezeigt oder muss synchronisiert werden. Beispielsweise in den USA werden kaum Filme synchronisiert und untertitelte Filme werden nicht geschaut. Es ist wirklich eine Sprachbarriere da, die schwer zu überwinden ist. So werden in Deutschland hauptsächlich Produktionen für den inländischen Markt. Allein dadurch hat die Entwicklung der Serie eine Beschränkung. Englischsprachige Produktionen können Geschichten erzählen, die danach in der ganzen Welt gesehen, konsumiert und geliebt werden.

 

LWR: Warum sollte sich der Zuschauer unbedingt die Serie „Houdini“ ansehen?

Uli Edel: Der Zuschauer sollte Houdini ansehen, weil es dreieinhalb Stunden sehr unterhaltsames Fernsehen ist. Ich habe den Film auch immer als große Show gesehen. Er soll unterhalten und faszinieren, dabei aber auch die Person und der Charakter Houdini dem Publikum etwas näher bringen. Außerdem soll einen Einblick in die Zeit vermittelt werden und was Houdini für das damalige Publikum bedeutete. Kurz gesagt, wollte ich dem Zuschauer die Frage beantworten, warum Houdini der größte Zauberer aller Zeiten war.

 

Hier geht es zur Kritik von HOUDINI

Die Highlights des Interviews könnt ihr euch hier noch einmal in Video-Form anschauen:


Quelle: StudioCanal, Leinwandreporter TV, YouTube

Houdini

Originaltitel:Houdini
Regie:Uli Edel
Darsteller:Adrien Brody, Kristen Connolly, Evan Jones
Genre:Mini-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Verleih:StudioCanal
Länge:2 Episoden (insgesamt 165 Minuten)
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.04.2015
Uli Edel im Interview zu Houdini

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