Review: „Millenium“-Trilogie – Director’s Cut (Blu-ray)

Alle drei Filme basieren auf Büchern des 2004 verstorbenen Bestseller-Autors Stieg Larson. Alle drei Krimis gehörten zu den erfolgreichsten europäischen Romanen seit der Jahrtausendwende.

Verblendung

Millenium

Bildquelle: Hitmeister

Der linksliberale Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (Michael Nyquist, Kurt Hendricks in „Mission Impossible – Phantom Protokoll“) von der Zeitschrift Millenium muss wegen einer angeblichen Verleumdung für drei Monate ins Gefängnis. Bevor er die Strafe antritt, erhält er vom gealterten Großunternehmer Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) einen finanziell lukrativen und kuriosen Auftrag: Er soll das 40 Jahre zurückliegende Verschwinden von Vangers Nichte Harriet aufklären. Mit Hilfe der punkigen und brillanten Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace, Simza in „Sherlock Holmes: Spiel der Schatten“), der aber die Mündigkeit abgesprochen wurde, beginnt Mikael zu recherchieren. Dabei stoßen die beiden auf Indizien, die eine ganze Mordserie mit ihrem Fall und der Familie Vanger in Verbindung bringen. Während der intensiven Suche entsteht eine enge Freundschaft und ein sexuelles Verhältnis zwischen Mikael und Lisbeth. Als sie der Lösung des Falls auf die Spur kommen, geraten Lisbeth und Mikael selbst ins Visier des Mörders.

„Verblendung“ (Originaltitel: „Män som hatar kvinnor“ = Männer, die Frauen hassen) ist der erste Teil der Trilogie um den Journalisten Mikael Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander. Regisseur Niels Arden Oplev ist es dabei gelungen, sowohl die Komplexität als auch die düstere Stimmung des Buches zu erhalten. In den 178 Minuten Spielzeit der Langfassung weicht er zwar einige Male vom zeitlichen Aufbau der Handlung des Romans ab, ohne aber dabei Logik und Zusammenhang der Geschichte zu zerstören. Handwerklich ist der Film der Perfektion nahe: Die Kameraarbeit fängt bei den spektakulären Aufnahmen der Schneelandschaften die ganze Schönheit Schwedens ein. Auch bei den harten Vergewaltigungs- und Leichenfundszenen stützt die Kameraarbeit stets die Stimmung des Films, ohne den Zuschauer dabei zu schonen. Der Schnitt des Films ist ebenfalls sehr gut gelungen und hilft das Erzähltempo hoch und mitreißend zu halten.

Der Schreiber und die Punkerin

Dass „Verblendung“ auch auf menschlicher Ebene hervorragend funktioniert, ist vor allem der Besetzung zu verdanken. Michael Nyquist zeigt als stoischer, hartnäckiger Journalist eine absolute Glanzleistung. Nyquists Auftritt wird nur noch von Noomi Rapace überboten, die für die Darstellung der Lisbeth Salander eine regelrechte Transformation durchlebte: Die Haare wurden abgeschnitten und das Gesicht mehrfach gepierct. Außerdem lernte sie für die Rolle Kickboxen und Motorradfahren. Beide Hauptdarsteller erwiesen sich als Idealbesetzung, daher sind die aktuell beginnenden internationalen Karrieren absolut gerechtfertigt. Auch die Nebenrollen wurden stark besetzt. Sven-Bertil Taube als couragierter und rüstiger Henrik Vanger, Peter Haber (Hauptdarsteller der „Kommissar Beck“-Krimiserie) als etwas zwielichtiger Martin Vanger und Lena Endre als „Millenium“-Redakteurin Erika Berger hinterlassen dabei einen besonders starken Eindruck.

„Verblendung“ ist einer der packendsten und auch optisch spektakulärsten europäischen Filme der letzten Jahre. Die fast drei Stunden Spielzeit, die wie in der TV-Ausstrahlung in zwei Teile aufgeteilt werden können, vergehen sehr schnell, da die greifbare Spannung und die zahlreichen Wendungen den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fesseln. Dass der oscar-nominierte Weltklasse-Regisseur keine drei Jahre nach der Veröffentlichung dieses schwedischen Krimis eine amerikanische Neuauflage mit Daniel Craig und Rooney Mara in die Kinos bringt, spricht für die Qualität des Stoffes. Ob es Fincher gelingt, diese Version zu überbieten, darf doch bezweifelt werden.

5 von 5 Punkten

 

Verdammnis

Millenium - Burbanski und Blomkvist

Bildquelle: Hitmeister

Nachdem sich Lisbeth (Noomi Rapace) ein beträchtliches Vermögen aneignen konnte, scheint ihr Leben in geordnete Bahnen zu laufen. Mikael (Michael Nyqvist) dagegen hat wieder einen brisanten Fall entdeckt: Gemeinsam mit seinem Journalisten-Kollegen Dag (Hans Christian Thulien) und dessen Freundin Mia (Jennie Silfverhjelm) ist er einer Bande, die osteuropäische Mädchen zur Prostitution zwingen, auf der Spur. Kurz bevor der Bericht veröffentlicht werden soll werden Dag und Mia ermordet und der Verdacht fällt auf Lisbeth, da ihre Fingerabdrücke auf der Mordwaffe gefunden werden. Als auch noch Lisbeths gerichtlicher Vormund, der fadenscheinige Anwalt Bjurman (Peter Andersson) getötet wird, muss Lisbeth untertauchen. Da die Polizei nicht auf Mikaels entlastende Hinweise im Zusammenhang mit dem serbischen Agenten Zalachenko hören will und Lisbeth jagt, nimmt Mikael selbst die Ermittlungen auf. Währenddessen taucht immer wieder ein mysteriöser, blonder Riese namens Niedermann (Mikael Spreitz) auf, der auch ein sehr großes Interesse an diesem Fall zu haben scheint.

Nach dem atemberaubend guten ersten Teil schafft es „Verdammnis“ nicht, die Qualität seines Vorgängers zu halten. Die mehr als fragwürdige Entscheidung Regisseur Oplev durch Daniel Alfredson zu ersetzen, dürfte dabei auch eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Das Erzähltempo ist vor allem im ersten Teil sehr gemächlich und baut sehr langsam auf. Während Oplev in Teil 1 noch sehr intensiv auf die Charaktere Blomkvists und Salanders einging, geht Alfredson deutlich distanzierter an seine Hauptfiguren, was eine Identifizierung der Zuschauer mit den beiden deutlich schwieriger macht. So tauchen in den erneut 178 Minuten Spieldauer doch einige Längen auf. Sehr stark entwickelt wurden sowohl der allgegenwärtige Hühne Niedermann, als auch der diabolischer Alexander Zalatschenko als die beiden Gegenspieler. Sie stellen eine allgegenwärtige Bedrohung dar, die für den Hauptteil der Spannung dieses Mittelteils verantwortlich sind.

Gute Darsteller die ihre Qualität nicht ausreizen dürfen

Dass Noomi Rapace und Michael Nyquist Idealbesetzungen für Lisbeth und Mikael sind, haben sie bereits in „Verblendung“ bewiesen. Aufgrund der oben erwähnten distanzierteren Erzählweise, können die beiden ihren Figuren jedoch nicht so viel Profil wie im Vorgänger verleihen. Georgi Staykov als Alexander Zalatschenko und Mikael Spreitz als tumber Muskelberg Niedermann nutzen den ihnen gegebenen Raum optimal und harmonieren als Bösewichter perfekt. Ralph Carlsson als in den Fall verstrickter Regierungsbeamter, Per Oscarsson als Lisbeths ehemaliger Vormund Palmgren und Yasmine Garbi als Lisbeths Freundin Miriam Wu liefern nur solides TV-Niveau, da es ihren Charakteren an der nötigen Tiefe fehlt, um mehr von ihrem Können zeigen zu können.

Trotz einiger Schwächen, die von einem sehr abrupten Ende komplettiert werden, bleibt „Verdammnis“ ein Film, der noch deutlich über dem Niveau der durchschnittlichen Krimi-Unterhaltung liegt. Die komplexe Originalgeschichte Larssons wird mit einigen überraschenden Wendungen erzählt und die Hauptdarsteller ragen trotz ihres nicht ausgeschöpften Potenzials immer noch heraus. So ist „Verdammnis“ am Ende ein Film, der auf jeden Fall Lust auf den dritten Teil macht.

3,5 von 5 Punkten

 

Vergebung

Vergebung - Lisbeth vor Gericht

Bildquelle: Hitmeister

Da es Lisbeth (Noomi Rapace) nicht geschafft hat, ihren Erzfeind Alexander Zalatschenko (Georgi Staykov) zu töten, liegen jetzt beide mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Obwohl Zalatschenko ihr für den Moment nichts anhaben kann, schwebt Lisbeth wegen Informationen, die sie über eine geheime Regierungsorganisation besitzt, weiterhin in großer Gefahr. Mikael (Michael Nyqvist) versucht währenddessen weiterhin, Lisbeths Namen rein zu waschen und stößt dabei auf ein immer größer werdendes Netz aus Korruption und Gewalt.

Die Verschwörung um Lisbeth, die in „Verdammnis“ bereits angedeutet wurde, wird der zentrale Handlungspunkt von „Vergebung“. Regisseur Daniel Alfredson lässt hier genug Raum für die Charaktere, um sich zu entfalten. Eine lange Zeit des Films wird auf Lisbeths Genesung im Krankenhaus verwendet. Diese relativ ereignisarme Phase wird aber aufgrund der Ausnahmeleistung von Noomi Rapace niemals langweilig. Auch Mikael Blomkvist kommt, nachdem es in Teil 2 relativ ruhig um ihn war, wieder mehr zum Zug. Da seine Redaktions-Kollegen aufgrund der drohenden Gefahren sich teilweise von ihm abwenden, wird er sowohl zum Konflikt-Manager als auch zum Einzelkämpfer gegen eine geheimnisvolle Regierungsorganisation. Michael Nyquist gelingt es erneut mit Tiefgang und Klasse, seine Figur glaubwürdig und facettenreich darzustellen. Auch die weiteren aus den Vorgängerfilmen bekannten Darsteller machen hier einen guten Job. Speziell Anders Ahlborn als Lisbeths ehemaliger Psychiater Dr. Teleborian hinterlässt einen besonders starken Eindruck.

Nervenkitzel vom Feinsten

Nachdem „Vergebung“ zu Beginn noch ein gut funktionierendes Charakterdrama ist, dass sich komplett auf Noomi Rapace verlassen kann, spitzt sich mit laufender Handlung die Verschwörung immer mehr zu. So entsteht speziell im zweiten Teil des Films enorme Spannung, die mit dem ersten Teil ohne Probleme mithalten kann. Die Brutalität der beiden Vorgänger wird hier etwas abgeschwächt, was der Entwicklung des Films aber keinesfalls schadet. Einige ineinander verwebte Parallelhandlungen sorgen für 178 Minuten sehr abwechslungsreiche Spielminuten. „Verblendung“ bildet den würdigen Abschluss einer Reihe, die ohne großes Budget und große Namen bewiesen hat, dass sich der europäische Film an guten Tagen nicht hinter Hollywood-Produktionen verstecken muss.

4,5 von 5 Punkten

Bild: Die Bildtransfer ist sehr gut gelungen. Die Schärfe ist speziell bei Nahaufnahmen immer gegeben. Die Farbmischung wirkt sehr kräftig und natürlich. Einzig das deutlich erkennbare Filmkorn mindert die Qualität der Bildumsetzung.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche DTS-HD MA 5.1-Sound ist gut gelungen. Dass kein Akustikfeuerwerk präsentiert wird, ist anhand der Handlung nicht verwunderlich. Der manchmal etwas frontlastige Ton ist zu jederzeit bei Dialogen und Hintergrundgeräuschen sehr klar und gut verständlich und transportiert die düstere Atmosphäre zu jeder Zeit überzeugend.

4 von 5 Punkten

Extras: Die Extras sind die große Enttäuschung der Box. Neben einigen Trailern ist kein weiteres Bonus-Material vorhanden.

1,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten

Hier geht es zur Homepage von „Millenium“


Quelle: RandomHouseOnline, Youtube

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 12.01.2012
Review: „Millenium“-Trilogie – Director’s Cut (Blu-ray)

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