
Das Plakat von “The Holy Boy” (© Busch Media Group, 2026)
Inhalt: Nach einem traumatischen Erlebnis ist Sergio Rossetti (Michele Riondino) recht froh, seine Heimat zeitweise hinter sich zu lassen und für 3 Monate in dem Bergdorf Remis zu arbeiten. Doch schnell merkt er, dass hier die Uhren ein wenig anders ticken. Jeder scheint übertrieben fröhlich und dann gibt es auch noch dieses seltsame Ritual, bei dem sich wöchentlich das ganze Dorf versammelt und jeder den zurückhaltenden Teenager Matteo Corbin (Giulio Feltri) umarmt, der ihnen angeblich den Schmerz nehmen soll. Tatsächlich merkt auch Sergio nach seiner ersten Teilnahme, wie er nach seinem ersten Aufeinandertreffen mit dem „Engel von Remis“ – so Matteos Spitzname – besser mit den eigenen Erlebnissen umgehen kann. Doch während er immer tiefer in die Geschichte des Dorfes eintaucht, wird ihm klar, wie hoch der Preis für ein kurzzeitiges Wohlbefinden ist.
Kritik: In den 70ern und 80ern war das italienische Horrorkino mit Regisseuren wie Mario Bava und Dario Argento auf der ganzen Welt anerkannt. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es diesbezüglich eher ruhig. Auf dem Filmfestival in Venedig feierte „The Holy Boy“ von Paolo Strippoli seine Premiere. Zwischen Folk-Grusel mit Dramaelementen und anspruchsvollem Horror im Stil von Filmemachern wie Ari Aster taucht dieses Werk in die finsteren Geschichten eines kleinen Bergortes ein. Irgendwo zwischen „Dorf der Verdammten“ und „Carrie“ entwickelt sich eine speziell zu Beginn fast greifbare Atmosphäre.

Sergio stellt Matteo zur Rede (© Busch Media Group, 2026)
Gemeinsam mit dem verbitterten Protagonisten lernt das Publikum eine Gemeinschaft kennen, die ein wenig zu perfekt erscheint. Schnell wird klar, dass das gesellschafts- und religionskritische Treiben, bei dem die eigene Gemütsverfassung über allem steht, durchaus drastische Auswirkungen haben kann. Getragen wird das Geschehen von drei bemerkenswerten Darstellerleistungen. Michele Riondino ist als raubeiniger, vom Leben gezeichneter Mann, der als Gast in das Dorf kommt, ein nicht immer leicht zugänglicher, aber dennoch gut funktionierender Protagonist. Giulio Feltri ist als stiller Teenager mit besonderen Talenten ein spannendes Zentrum der Geschichte. Ein Sonderlob verdient sich Romana Maggiora Vergano, die als sympathisches Love Interest von Sergio „The Holy Boy“ noch mehr doppelten Boden verleiht.
Leider steht man sich auf dem Weg, einen wirklich herausstechenden Genrebeitrag zu drehen, ein bisschen selbst auf den Füßen. Die 122 Minuten Laufzeit sind in der zweiten Hälfte des Films merklich zu viel. Während die Situation immer mehr eskaliert, dreht das Geschehen ein paar Ehrenrunden und liefert die eine oder andere redundante Sequenz.
Dennoch bleibt „The Holy Boy“ erzählerisch, inszenatorisch und darstellerisch stark genug, um nicht nur eingefleischten Freunden von „elevated horror“ ein ziemlich interessantes Filmerlebnis zu liefern.
3,5 von 5 Punkten
Der Film gehört zum Programm der Fantasy Filmfest White Nights 2026
Quelle: Fantasy Filmfest, YouTube
The Holy Boy
| Originaltitel: | La valle dei sorrisi |
| Regie: | Paolo Strippoli |
| Darsteller: | Michele Riondino, Romana Maggiora Vergano, Paolo Pierobon |
| Genre: | Drama, Horror |
| Produktionsland/-jahr: | Italien/Slowenien, 2025 |
| Verleih: | Busch Media Group |
| Länge: | 122 Minuten |
| FSK: | tba |
Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Fantasy Filmfest
Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 12.01.2026
Review: The Holy Boy (Fantasy Filmfest White Nights)

