Tony fast einen radikalen Plan (© LEONINE, 2026)
Das Artwork von “Dead Man’s Wire” (© LEONINE, 2026)
Inhalt: Eine Immobilien-Spekulation sollte das Leben von Tony Kiritsis (Bill Skarsgård, „Hemlock Grove“) zum Guten wenden. Doch die Wucherzinsen und Verzögerungstaktiken des Unternehmens Meridian Mortgage von M.L. Hall (Al Pacino, „Der Pate“) und dessen Sohn Sohn Richard (Dacre Montgomery, „Better Watch Out“) machen seinen Ambitionen einen jähen Strich durch die Rechnung. Am 08.02.77 hat er noch einen Termin bei dem Kreditinstitut. Dort befestigt er kurzerhand einen Totmann-Draht mitsamt Shotgun an Richards Hals, entführt diesen und verschanzt sich in seiner Wohnung. Tony träumt von finanzieller und verbaler Wiedergutmachung sowie Straffreiheit für seine Verzweiflungstat. Zwischen ihm und der Polizei entbrennt ein tagelanges Katz-und-Mausspiel, bei dem Radio-DJ Fred Temple (Colman Domingo, „The Running Man“) eine überraschend zentrale Rolle einnehmen soll.
Kritik: In seiner fast 50-jährigen Karriere hat Regisseur Gus Van Sant alle Höhen und Tiefen mitgenommen. So stehen seinen für den Oscar nominierten Arbeiten in „Good Will Hunting“ und „Milk“ nahezu unguckbare Produktionen wie das sagenhaft überflüssige „Psycho“-Remake und „The Sea of Trees“ gegenüber. „Dead Man’s Wire“ wird wohl keine seiner Extreme erreichen. Die auf einem Fall im Jahr 1977 basierende True-Crime-Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre. Dreckig-körnige Bilder, Moderation durch TV- und Radio-Sprecher sowie ein deutliches Augenzwinkern halten diesen ziemlich radikalen Fall, wo jemand sehr direkt gegen seine Unterdrückung durch „das Kapital“ vorgeht, zusammen. Fälle wie die Bluttat von Luigi Mangione verpassen dem Film natürlich eine zusätzliche Aktualität.
Tony fast einen radikalen Plan (© LEONINE, 2026)
Erzählerisch wählt Van Sant einen bitter-süßen Ton, der zwischen Verständnis für beide Protagonisten, Ernsthaftigkeit und Absurdität alterniert. Das ist nicht immer komplett zielführend, wird aber gut von einem starken Soundtrack (der in Gil-Scott Herons „Revolution will not be televised“ gipfelt) und zwei überzeugenden Darstellern getragen. Gerade Bill Skarsgård, der als ebenso sympathischer wie unberechenbarer Tony das Zentrum der Geschichte ist, liefert hier eine der besten Darbietungen seiner bisherigen Laufbahn. Auch Dacre Montgomery zeigt als verängstigter, etwas schmieriger Richard, dass er noch mehr als den „Stranger Things“-Frauenschwarm zu bieten hat.
Al Pacino genießt es sichtbar in seinen wenigen Szenen, sich als Hardcore-Unsympath auszutoben. Dazu kommen noch Colman Domingo, der einen charismatischen Radio-DJ mimt, Myha’la als ambitionierte News-Reporterin und Cary Elwes („…denn zum Küssen sind sie da“) als bemühter Cop, der eine persönliche Bindung zum Entführer hat.
Selbst wenn ein paar Kniffe zu einem wirklich herausragenden Film fehlen, ist „Dead Man’s Wire“ eine ironisch-zornige Abrechnung mit dem amerikanischen Traum, die nicht nur wegen Bill Skarsgård gute Unterhaltung liefert.
3,5 von 5 Punkten
Der Film ist ab dem 07.08.2026 auf DVD und Blu-ray sowie bereits ab dem 30.07.2026 digital erhältlich.
Quelle: Row K, YouTube
| Originaltitel: | Dead Man's Wire |
| Regie: | Gus Van Sant |
| Darsteller: | Bill Skarsgård, Dacre Montgomery, Al Pacino |
| Genre: | Krimi, Thriller |
| Produktionsland/-jahr: | USA, 2025 |
| Verleih: | Leonine |
| Länge: | 101 Minuten |
| FSK: | ab 16 Jahren |
Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Leonine Studios
Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 30.07.2026
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