Das Kino-Plakat von “Als wir träumten” (Quelle: Pandora Film)

Inhalt: Kurz nach dem Mauerfall wissen viele in Leipzig noch nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Jugendliche wie Rico (Julius Nitschkoff), Mark (Joel Basman), Paul (Frederic Haselon) und Daniel (Merlin Rose) haben eigentlich keine Perspektive und vertreiben sich die Freizeit mit Diebstählen, Randale und Schlägereien. Als sie aus einem verlassenen Fabrikgebäude eine eigene Diskothek aufbauen, findet die Gruppe ein Leidenschaftsprojekt. In Territorialkämpfen wird ihnen aber immer schwerer von der rechtsradikalen Bande von Kehlmann (Gerdy Zint, „Kriegerin“) zugesetzt. Dabei träumen die Jugendlichen um Daniel, der sich hoffnungslos in Kehlmanns Freundin „Sternchen“ (Ruby O. Fee) verguckt hat, nur von einer eigenen Zukunft.

 

Kritik: Der gleichnamige Erfolgsroman von Clemens Meyer war schon seit 2009 immer wieder für eine Verfilmung im Gespräch gewesen, ehe sich jetzt Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, das Erfolgsgespann von „Whisky mit Wodka“ und „Sommer vorm Balkon“ des Projektes annahmen. Herausgekommen ist ein humorvolles, aber – gerade für die Verhältnisse von Dresen – sehr düsteres Jugenddrama, das die Verhältnisse zu der Zeit gut einfängt und seine Charaktere zwischen ihren Zielen und der Freundschaft sowie der allgemeinen Aggression und Hoffnungslosigkeit sehr gut einfängt. Vom erzählerischen Ton erinnert „Als wir träumten“ ein wenig an das französische Meisterwerk „Hass – La Haine“, ohne aber dessen komplette Wucht zu erreichen, da die Geschichte an manchen Stellen ein wenig hakt. Wirklich gut gelingt hingegen der Wechsel zwischen den Zeitebenen, die dem Zuschauer die Veränderungen im Leben der Protagonisten durch den Fall der Mauer begreiflich machen

Dani schwärmt für “Sternchen” (Quelle: Pandora Film)

Ein weiterer wichtiger Aspekt, weswegen der Film fesselt, ist der starke junge Cast. Vor allem der Hauptdarsteller Merlin Rose und die faszinierende Ruby O. Fee stechen heraus, wobei auch die anderen Darsteller durch die Bank weg überzeugen. Dazu kommen Schauspieler wie Gerdy Zint, der in seiner Nebenrolle den vielleicht denkwürdigsten Moment des Films mitgestaltet.

Andreas Dresen und Michael Kohlhaase erzählen in „Als wir träumten“ die höchst interessante Geschichte von Heranwachsenden, denen keine wirkliche Zukunft geboten wird. Trotz kleiner Schwächen besticht der Film durch Humor, Feingefühl und gute Darsteller, die das Coming of Age-Drama prägen.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Leinwandreporter TV, YouTube

Als wir träumten

Originaltitel:Als wir träumten
Regie:Andreas Dresen
Darsteller:Merlin Rose, Ruby O. Fee, Gerdy Zint
Genre:Jugenddrama
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2014
Kinostart:26.02.2015
Verleih:Pandora Film
Länge:112 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 28.02.2015
Review: Als wir träumten (Kino)

Thomas

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