Review: Mittagsstunde (Kino)

Das Hauptplakat von "Mittagsstunde" (© Majesatic Film)

Das Hauptplakat von “Mittagsstunde” (© Majesatic Film)

Inhalt: Der Endvierziger Ingwer Feddersen (Charly Hübner, „Hausen“), verheirateter Uni-Dozent aus Kiel, steht mit beiden Füßen im Leben. Doch dann wird er gezwungen, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, als Großmutter Ella (Hildegard Schmahl) und Großvater Sönke (Peter Franke) – die als Ingwers Zieheltern fungiert haben – dringend Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags benötigen. Er legt ein Sabbatical ein und fährt nach Jahren erstmals wieder in sein Heimatdorf Brinkebüll. Kaum noch etwas erinnert noch an den Ort seiner Kindheit. Zwischen den schwierigen Verhältnissen rund um Oma und Opa sowie der Tristesse, für die die einstmalige Dorfidylle weichen mussten, denkt Ingwer über die Jahre mit seiner Mutter Marret (Gro Swantje Kohlhof, „Endzeit“) und seine damalige Flucht aus der Heimat nach.

 

Kritik: 2018 veröffentlichte Autorin Dörte Hansen ihren Roman „Mittagsstunde“, der mit einem feinen Blick für Gesellschaft und Menschen in Norddeutschland zum Bestseller avancierte. Die erwartbare Verfilmung wurde jetzt von Lars Jessen („Am Tag als Bobby Ewing starb“) realisiert. Mit ruhiger Hand führt der Regisseur durch die weiten Landschaften und einsamen Straßenkreuzungen rund um das fiktive Dorf Brinkebüll. Auf zwei Zeitebenen lernt man die menschlich-eigentümlichen Charaktere und ihre Welt im Wandel kennen. Der nordische Charme und ein – gerade in den sehr bitteren Momenten des Films – sehr hintersinniger Humor machen „Mittagsstunde“ extrem nahbar.

 

Ingwer kümmert sich um seine geliebte Oma Ella (© Majesatic Film)

Ingwer kümmert sich um seine geliebte Oma Ella (© Majesatic Film)

Auch der unkonventionelle Kniff, die Geschichte im nordischen Platt mit (wahrscheinlich nicht nur für einen Rheinländer wie mich notwendigen) Untertiteln zu präsentieren, geht gut auf. Selbst wenn der Film an einigen Stellen schon ein ganzes Stück zu zurückhaltend und unspektakulär erscheint, greifen die parallel erzählten Stränge dieses melancholischen Blicks auf das zentrale Dorf überzeugend ineinander. Das hat nicht zuletzt mit einer Besetzung rund um den gewohnt starken Charly Hübner gut zu tun. Gro Swantje Kohldorf als geistig beeinträchtigte Mutter von Ingwer in jungen Jahren und die Routiniers Hildegard Schmahl und Peter Franke als betagtes Ehepaar Feddersen sind weitere Highlights von „Mittagsstunde“.

Ohne große Gesten bieten die wortkargen 97 Minuten reichlich zündende Tragik und passenden Humor, die den Fans der Vorlage zusagen sollten. Selbst wenn die letzte Wucht zu einem noch größeren Wurf fehlt, wird die „Mittagsstunde“ ohne Zweifel zu einem mehr als ordentlichen Film.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Majestic Film, YouTube

Mittagsstunde

Originaltitel:Mittagsstunde
Regie:Lars Jessen
Darsteller:Charly Hübner,Gro Swantje Kohlhof, Lennard Conrad, Peter Franke
Genre:Drama, Komödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2022
Verleih:Majestic Film
Länge:97 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart: 22.09.2022

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Majestic Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 21.09.2022
Review: Mittagsstunde (Kino)

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