Review: Call Jane (Kino)

Das Plakat von "Call Jane" (© DCM)

Das Plakat von “Call Jane” (© DCM)

Inhalt: In den späten 60ern ist Joy (Elizabeth Banks, „Die Tribute von Panem“) als Ehefrau von Anwalt Will (Chris Messina, „The Secrets We Keep – Schatten der Vergangenheit“) und Mutter von Teenie-Tochter Charlotte (Grace Edwards) vollkommen ausgefüllt. Eine überraschende Schwangerschaft nimmt sie zunächst voller Freude hin. Doch dann bekommt sie von einem Arzt mitgeteilt, dass sie unter einer Krankheit leidet, wodurch die Geburt des Kindes mit großer Wahrscheinlichkeit zu ihrem Tod führen würde. Da ihr gesetzestreuer Ehemann nicht bereit ist, für sie eine illegale Abtreibung zu organisieren, nimmt Joy das Schicksal in die eigenen Hände. Beim Jane Collective, einer Frauenrechtsbewegung, die für verzweifelte Situationen wie Joys Optionen anbietet, wird sie fündig. Nach Beendigung der bedrohliche Schwangerschaft schließt sie sich der Leiterin Virginia (Sigourney Weaver, „Chappie“) und ihrem Team an und unterstützt andere Frauen auf ihrem oft einsamen Weg. Dafür beginnt die eigentlich so brave Hausfrau ein durchaus risikoreiches Doppelleben.

 

Kritik: Für ihr exzellentes Skript zu „Carol“, das eine gleichgeschlechtliche Romanze in den 50ern beobachtet, erhielt Phyllis Nagy eine Oscar-Nominierung und zahlreiche Angebote, sich weitergehend in Hollywood zu verwirklichen. Nun durfte sie als Regisseurin in „Call Jane“ einen Blick auf die Frauenrechte in den 60ern (die in den USA mit der Aushebelung von „Roe vs. Wade“ gerade ein verstörendes Comeback feiern). Dabei taucht sie in das Wirken des Jane Collectives ein, welches vor dem und für das gerade erwähnte Grundsatzurteil eine wichtige Rolle spielte. Die Umsetzung eines schwergewichtigen Themas in eine durchaus leichtverdaulich erzählte Geschichte ist zu großen Teilen gelungen.

Joy und Virginia schließen Freundschaft (© DCM)

Joy und Virginia schließen Freundschaft (© DCM)

Schon in einer eindringlichen Einführungsszene legt Nagy den Grundstein für eine zu der Zeit passende Atmosphäre. Der stimmige Look bleibt auf Dauer eine Stärke von „Call Jane“. In seinem ersten Akt, in dem sich die werdende Mutter gegen die drohende Lebensgefahr entscheidet, wird sie von einem Raum voller Männer – einschließlich Ehepartner – in die Schranken verwiesen und in ihrer Verzweiflung zum Zugriff auf die Leistungen des wenig empathischen Dr. Dean (Cory Michael Smith) gezwungen. Diese Phase wird dem Ernst der Lage absolut gerecht und sorgt für den passenden Kloß im Hals.

Sobald es dann weniger um Joy und mehr um das titelgebende Jane Collective geht, wechselt das Geschehen in Richtung Wohlfühlatmosphäre. Das ist unterhaltsam und durchaus interessant, wirkt aber in gewissem Maß schon verharmlosend. Getragen wird der Film von einer sympathischen und abwechslungsreichen Performance von Elizabeth Banks. Eine handfeste Sigourney Weaver als Gruppenleiterin und ein verstörend pragmatischer Cory Michael Smith als notwendiges Übel des Collectives stechen aus einem prominenten Nebencast, zu dem u.a. noch Chris Messina und Kate Mara gehören, heraus.

Selbst wenn sich der Film stellenweise tonal ein bisschen vergreift, ist „Call Jane“ gut gespieltes und anzusehendes Kino, das erschreckend zeitgemäß ist und ein paar Heldinnen ihrer Zeit ein ordentliches Denkmal setzt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: DCM, YouTube

Call Jane

Originaltitel:Call Jane
Regie:Phyllis Nagy
Darsteller:Elizabeth Banks, Sigourney Weaver, Kate Mara, Chris Messina
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2022
Verleih:DCM
Länge:122 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen gibt es auf der Seite von DCM

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.12.2022
Review: Call Jane (Kino)

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