Review: Kids Run (Kino)

Das Hauptplakat von "Kids Run" (© 2020 Farbfilm)

Das Hauptplakat von „Kids Run“ (© 2020 Farbfilm)

Inhalt: Mit Mitte 20 hat Andi (Jannis Niewöhner, „Asphaltgorillas“) Probleme, sich mit Gelegenheitsjobs als Türsteher oder auf dem Bau über Wasser zu halten. Die Sorgen steigen durch die drei Kinder, die er bereits in die Welt gesetzt hat. Isabell (Carol Schuler, „Lindenberg! Mach dein Ding“), die Mutter der beiden Älteren, ist komplett unberechenbar und erziehungsuntauglich. Sonja (Lena Tronina), mit der Andi eine Tochter im Säuglingsalter hat, ist inzwischen in einer neuen Beziehung und möchte ihrem Ex aufgrund von massiven Schulden bei ihr das Sorgerecht entziehen lassen. Da ihm keine bessere Lösung einfällt, entschließt sich Andi, der nach einer schlimmen Verletzung seine Ambitionen als Boxer aufgeben musste, für ein Preisgeld zurück in den Ring zu steigen.

 

Kritik: Nach einigen Kurzfilmen und TV-Projekten feierte Autoren-Filmerin Barbara Ott in diesem Jahr mit dem Sozialdrama „Kids Run“ ihren Einstand als (Kino-)Regisseurin. Die Geschichte taucht tief in das verzweifelte Leben eines jungen, bemühten, aber vollkommen überforderten Familienvaters ein. Zu Beginn gelingt es Ott gut, das triste Geschehen und die schwierigen Umstände glaubhaft einzufangen. Der durchaus reizvolle Versuch, dem Zuschauer eine Mischung aus Milieu- und Charakterstudie zu präsentieren, bleibt leider in seinen Ansätzen stecken.

Auch wenn der Wunsch nach Authentizität fast greifbar ist, steht sich der Film mit seinen zahlreichen Klischees (von denen die „Rocky“-Storyline nur die offensichtlichste Ausprägung ist) immer wieder selbst auf den Füßen. Hinzu kommt eine Schlusspointe, die man mindestens als sonderbar bezeichnen kann.

Andi muss irgendwie für seine drei Kinder sorgen (© Flare Film, Falko Lachmund)

Andi muss irgendwie für seine drei Kinder sorgen (© Flare Film, Falko Lachmund)

Es ist keine neue Nachricht, dass Jannis Niewöhner längst den Absprung vom Teenieschwarm zum Charakterdarsteller geschafft hat. Auch hier ist er als grobschlächtiger Unterschichtler, der im tiefsten Herzen ein guter Vater sein möchte, so überzeugend, wie es das Material zulässt. Das Drehbuch, dank dem seine Figur an einigen Stellen die Grenze von fehlerbehaftet zu unverzeihlich überschreitet, tut ihm aber keinen Gefallen. Eline Doenst und Giuseppe Bonvissuto als ältere Kinder, Carol Schuler und Lena Tronina als sehr verschiedene Mütter und Sascha Alexander Gersak als väterlicher Kumpel feiern durchweg ordentliche Auftritte.

Das Potenzial, hier ein wirklich eindringliches Sozialdrama zu erzählen, war sicherlich vorhanden. Mit überzeugenden Schauspielern und einer recht dichten Atmosphäre wurde vernünftige Grundlagenarbeit geleistet. Leider verrennt sich der Film zu oft in Klischees und merkwürdigen Entscheidungen, die dieser figurenbasierten Geschichte merklich schaden. So bleibt „Kids Run“ schlussendlich ein emotional ziemlich unzugängliches, karges, unerfreuliches Drama, das die eigene Prämisse nicht zu einem überzeugenden Gesamtergebnis nutzen kann.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Farbfilm, LeinwandreporterTV, YouTube

Kids Run

Originaltitel:Kids Run
Regie:Barbara Ott
Sprecher:Jannis Niewöhner, Lena Tronina, Carol Schuler
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2020
Verleih:Farbfilm
Länge:104 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:tba

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Farbfilm

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 11.12.2020
Review: Kids Run (Kino)

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