Review: Joker (Kino)

Das Hauptplakat von "Joker" (©2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics)

Das Hauptplakat von “Joker” (©2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics)

Inhalt: In den frühen 1980ern führt der mental instabile Arthur Fleck (Joaquin Phoenix, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“) in Gotham City wahrlich nicht die Existenz, von der man träumt: Vollgepumpt mit Medikamenten geht er seinem Tagwerk – im Clowns-Kostüm Werbeschilder durch die Straßen tragen – nach und wird nicht selten das Ziel von Spott und Attacken. Abends zieht es ihn in sein heruntergekommenes Apartment, wo er sich um seine kranke Mutter (Frances Conroy, „The Tale – Die Erinnerung“) kümmert. Gemeinsam hoffen sie auf ein besseres Leben, das Arthur als Stand-Up-Komiker realisieren will. Als dann die Förderung für seine psychologische Betreuung gestrichen wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die Schusswaffe eines Kollegen, die Suche nach seinem echten Vater und plötzlicher Ruhm sorgen dafür, dass der einstmals harmlose Exzentriker die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

 

Kritik: Der Joker ist zweifelsohne einer der bekanntesten Comic-Bösewichte überhaupt. Ob Cesar Romero, Jack Nicholson, Mark Hamill oder Heath Ledger – viele bekannte Darsteller haben die Figur über die Jahre einzigartig interpretiert. Erst 2016 gab es in „Suicide Squad“ eine – extrem gewöhnungsbedürftige – Neu-Interpretation des Charakters durch Jared Leto. Die Entscheidung, den Joker für diese Origin-Story abermals umzubesetzen, überraschte nur auf den ersten Blick. Unter der Regie von Komödien-Experte Todd Phillips taucht der Film in eine Welt ein, die mehr Gemeinsamkeiten mit „Taxi Driver“ als mit „Batman“ aufweist. „Joker“ wird zu einer düsteren, zornigen Charakterstudie, die an manchen Stellen wirklich beklemmend ist. Da ist es ein wenig schade, dass sich der Film in anderen Parts deutlich cleverer und politisch relevanter einschätzt, als er schlussendlich ist.

Arthur hat gute Laune (©2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics)

Arthur hat gute Laune (©2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics)

So wählt die Geschichte bei ihren verschiedenen Subplots meistens exakt den Weg, den der erfahrene Zuschauer solcher Filme auch erwarten dürfte. Dazu schienen die Macher darauf bedacht gewesen zu sein, nicht zu kontroverse Themen anzuschneiden, weshalb der Film hier und da etwas Konsequenz vermissen lässt. Es wird an manchen Stellen ziemlich offensichtlich, dass Todd Phillips eben nicht die inszenatorische Finesse hat, die den hier so offen bemühten Martin Scorsese auszeichnet. So bricht „Joker“ manche Sequenzen viel zu früh ab, während verzichtbare Momente deutlich ausgedehnt werden.

Dennoch bleiben diese Kritikpunkte Jammern auf hohem Niveau. Die Abwärtsspirale, auf der man dem unangenehmen Arthur Fleck während der 122 Minuten folgt, ist durchaus packend, stylisch bebildert und mit einem fantastischen Score untermalt. Joaquin Phoenix, der selbst als nicht ganz einfacher Zeitgenosse bekannt ist, passt natürlich ideal in eine solche Rolle. Selbst wenn er an manchen Stellen etwas zu sehr überdreht, bleibt sein zwischen tragisch und angsteinflößend alternierender Auftritt das Zentrum des Films. Die anderen Darstellern bleibt da nur der Part des Zulieferers. Da diese Figuren mit Schauspielern wie Robert De Niro, Zazie Beetz und Frances Conroy besetzt sind, werden ordentliche Leistungen garantiert.

„Joker“ ist sicherlich nicht die gewöhnliche Comic-Verfilmung. Getragen von einem verstörenden Joaquin Phoenix beobachtet der Film den Abstieg eines schrägen Sonderlings. Das ist in manchen Phasen spannend, intensiv und rabiat, greift dann aber doch auf Klischees und eine wilde Zitate-Sammlung zurück. Am Ende bleibt ein Machwerk, was den Vorschusslorbeeren nicht ganz gerecht werden kann, aber dennoch in seiner Gesamtheit überzeugt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures, LeinwandreporterTV, YouTube

Joker

Originaltitel:Joker
Regie:Todd Phillips
Schauspieler:Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz
Genre:Drama, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2019
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge:122 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:10.10.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Warner Bros Pictures

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 05.10.2019
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