Jason Statham Interview Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Jason Statham am 28.06.2019 auf der CCXP Cologne (© 2019 Universal Pictures)

Der Engländer Jason Statham (51) verbrachte seine jungen Jahre als Schwimmer und Model, ehe er 1998 von Guy Ritchie in dem inzwischen zum Kultfilm avancierten „Bube Dame König grAS“ besetzt wurde. Nach einigen Nebenrollen gelang ihm 2002 mit seiner ersten Hauptrolle als Frank Martin in „The Transporter“ der internationale Durchbruch. Seitdem hat sich der athletische, kampfsporterprobte Statham zu einem der beliebtesten Action-Darstellern in Hollywood entwickelt. In Filmen wie „Crank“ (2006), der „Expendables“-Reihe (seit 2010) oder „The Mechanic“ (2011) konnte er mit seinen physische Fähigkeiten und reiner Leinwand-Präsenz seinen Status als Star festigen. Seit 2015 (wenn man einen Mini-Cameo im sechsten Teil nicht mitzählt) ist er als Bösewicht Deckard Shaw fester Teil der „Fast & Furious“-Reihe. Dank der Chemie mit Dwayne Johnson, der den Polizisten Luke Hobbs spielt, bekamen die beiden jetzt den ersten Reihenableger „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ spendiert. Jason Statham ist zur Vorstellung des Films, der von Universal Pictures am 01.08.2019 in die deutschen Kinos gebracht wird, nach Köln gekommen und hat in einer Presserunde die Fragen der Journalisten beantwortet.

LWR: Wie haben sie sich auf die erneute Zusammenarbeit mit Dwayne Johnson vorbereitet? Was macht sie zu einem guten Gespann?

Jason Statham: Wir beide machen ja komplett unterschiedliche Sachen. Dwayne hantiert im Studio mit gewaltigen Gewichten herum und sieht dabei fantastisch aus. Ich beschäftige mich mehr mit Gymnastik, Kampftraining und solchen Geschichten. Gerade wegen der anderen Herangehensweisen funktionieren wir beide so gut. Wir können schwer – bezüglich Armumfang etc. – miteinander verglichen werden. Wir sind ja bewusst diese Gegensätze: der Brite und der Ami; der flink-akkurate und der muskulös-kraftvolle Typ. Beide sind auf ihre Art extrem selbstbewusst. Optisch geht das ja schon in eine „David und Goliath“-Richtung. Aber mit der richtigen Technik kann jeder besiegt werden. Ich meine, ein Bruce Lee war auch nur 65 Kilo schwer. Deshalb weiß Shaw, dass er zur Not auch Hobbs umhauen könnte. Im Gegenzug denkt sich Hobbs: Wenn es eng wird, reiß ich dem Typ die Arme aus und benutze ihn als Wischmopp. Beide vertrauen auf ihre eigene Technik. So haben wir diese andauernde Spannung zwischen den Figuren.

LWR: Wir werden alle nicht jünger. Gibt es bei Ihnen Tage, an denen Sie sich fragen, ob die physische Action noch das Richtige ist und Sie wirklich noch durch brennende Reifen springen wollen?

Jason Statham: Das ist nun einmal, was ich mache. Ich kann mir nicht vorstellen, mich mit weniger zufrieden zu geben. Die „brennenden Reifen“ müssen jetzt nicht unbedingt sein. Ein Großteil meiner körperlich betonten Actionszenen sind ziemlich sicher. Wir ergreifen da die richtigen Maßnahmen – dann passiert schon nichts. Natürlich sorgen sich die Studios bei solchen Filmproduktionen immer um unsere Gesundheit. In meinen Anfangsjahren habe ich fast alles mitgemacht; auch Autostunts, bei denen die Kameras am Fahrzeug festgeschnallt worden sind. Da waren dann bis zu zehn Kameras an deinem Auto. Du hämmerst die Croisette (Anm. d. Red.: berühmte Küstenstraße in Cannes) herunter, vollführst da die wahnsinnigsten Drehungen und schaffst es kaum, durch diesen Kamera-Wust etwas zu erkennen. In den Filmen hast du 99% deiner Stunts selbst übernommen. Wenn du dann aber bei diesen größeren und teureren Produktionen besetzt wirst, darf einfach nichts schief gehen. Auf diesem Level, bei 200 Millionen Dollar Budget, sind die selten so abenteuerlustig, mich hinters Lenkrad zu setzen (lacht). Ich kenne Dave Leitch, den Regisseur von „Hobbs & Shaw“, seit über 15 Jahren und unsere Beziehung geht auch über reine Filmdrehs hinaus. Er weiß, wie er mich anpacken muss und mich motiviert. Leitch ist selbst Stuntman und kann gut einschätzen, zu was ich in der Lage bin. Deshalb hat er mir auch bei den Autostunts und den Kampfszenen ein bisschen mehr Spielraum gegeben. Die Kämpfe sind nie wirklich gefährlich. Du kannst dich sicherlich mal verletzen und dir einen Finger brechen. Die brauchen Ewigkeiten, um wirklich zu heilen (hält seine sichtlich lädierte Hand hoch).

Das Hauptplakat von “Fast & Furious: Hobbs & Shaw” (© 2019 Universal Pictures)

LWR: Wie oft haben Sie sich schon die Finger gebrochen?

Jason Statham: Ich habe keine Ahnung. Meine Finger sehen aber immer schlimmer aus. Das passiert so schnell, wenn du einen Stuntman packst…warum jammere ich hier jetzt eigentlich über den Zustand meiner Finger? In jedem Fall: Die Dinger heilen nicht so schnell, wie man es gerne hätte. So etwas benötigt mehrere Wochen. Wenn dir so etwas am Anfang eines Drehs passiert und du während der ganzen Produktion nicht vernünftig zupacken kannst, hat das etwas von einem Marathon, den du mit einem Stein im Schuh laufen musst.

LWR: Sie haben eine inzwischen über 20 Jahre andauernde Schauspielkarriere. Hat sich Ihr Fokus und Ihre Wünsche in der Rollenwahl in dieser Zeit verändert?

Jason Statham: Ja, schon. Am Anfang willst du natürlich unbedingt mit Leuten drehen, die dich weiterbringen, fordern und verbessern. Ich kann mich aber auch ganz gut selbst formen und motivieren. Meine Wünsche haben sich diesbezüglich erfüllt, da ich ja regelmäßig in Blockbustern auftreten darf. Zum Glück konnte ich schon viel von meiner Liste abhaken. Am Anfang die kleineren Guy Ritchie-Filme, dann war ich ja auch in „Redemption – Stunde der Vergeltung“ von Steven Knight dabei, in dem der Action-Anteil eine eher kleinere Rolle spielt. Solche Parts machen mir auch viel Spaß. Wenn ich mehr davon in Angriff nehmen könnte, wäre das sicherlich nicht verkehrt. Bei den Popcorn-Filmen gehst du irgendwo einen Kompromiss ein: Du opferst etwas künstlerischen Anspruch und sprichst so ein breiteres Publikum an. Bei einem 200-Millionen-Film musst du natürlich kommerziell denken – das ist extrem viel Geld, was erst einmal wieder verdient werden darf. Da muss die Balance stimmen. „Redemption“ drehst du in sechs Wochen, „Hobbs & Shaw“ in fünf Monaten. Beide haben sicherlich ihren Reiz und an beiden habe ich gerne gearbeitet. In letzter Zeit wurden mir natürlich mehr Studiofilme angeboten.

LWR: Würden Sie sich gerne öfter im dramatischen Bereich austesten?

Jason Statham: Ich habe die Möglichkeit, mit dieser Arbeit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dazu habe ich keinerlei Abneigung gegen meinen aktuellen Karriereweg. Die Drehs sind immer schön. Meine Kollegen und ich lachen viel und haben einfach zusammen Spaß. Klar gäbe es Filme, die darstellerisch eine größere Herausforderung sind. Man kann aber eben nur ein paar vereinzelte Projekte im Jahr annehmen. Wenn ein Leonardo DiCaprio statt mir jetzt in „Crank“ mitspielen oder gegen Dwayne Johnson antreten müsste, wären das ganz andere Filme. Ja, das Gras des Nachbarn ist natürlich immer grüner…meines Erachtens sollte man immer für das dankbar sein, was man hat. Das was ich mache, liebe ich. Deshalb werde ich ganz bestimmt nicht neidisch, wenn ich auf diese Art keine Oscars gewinne. Mit engen Freunden zu arbeiten und damit Menschen auf der ganzen Welt unterhalten zu können – das ist schon ziemlich klasse. Vielleicht würde ja auch der eine oder andere Charakterdarsteller ganz gerne bei den „Expendables“ mitspielen?

LWR: Es gibt bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien, die sich mit ihrem Einfluss auf das Action-Genre und die Popkultur allgemein auseinandersetzen. Lesen Sie solche Beiträge?

Jason Statham: Bislang nicht, wäre aber ganz interessant. Wahrscheinlich kann man die Analysen über mich auf einer Briefmarke zusammenfassen (lacht). So etwas gibt es wirklich?

LWR: Tatsächlich. Haben Sie nie davon gehört?

Jason Statham: Ja, um ein paar Ecken. Das stand mal in einer englischen Zeitung. Wäre sicher spannend, da mal reinzulesen. Von außen betrachtet ist die Arbeit eines Schauspielers doch wie eine Geschmacksrichtung – entweder sie schmeckt dem Zuschauer oder halt nicht. Der eine mag Cary Grant, der nächste Jimmy Stewart und der dritte Charles Bronson. Wer ist dein Liebling? Wer spricht dich an? Die Geschmäcker von Leuten sind vielschichtig. Zu meinem Glück scheinen viele Menschen Glatzköpfe mit nuschelnder Aussprache zu mögen. (lacht)

Jason Statham und Idris Elba stellten sich am 28.06.2019 auf der CCXP Cologne den Fragen der Fans (© 2019 Universal Pictures)

LWR: Finden Sie selbst noch die Zeit, Filme zu gucken oder sogar zu sammeln? Ist für Sie als Mann aus dem Martial-Arts-Bereich die Hands-On-Action der 70er- und 80er-Jahre besonders spannend?

Jason Statham: Absolut. Ich gucke zwar inzwischen weniger als früher, bin aber auch privat ein echter Filmfan. Damals bin ich extrem gerne in Videotheken gegangen und habe mich durch die Neuveröffentlichungen gewühlt. Du hast dir dann nach dem Zufallsprinzip einen Film geschnappt, von dem du noch nie gehört hast. Das war eine tolle Möglichkeit, ein paar echte Highlights zu entdecken. Mittlerweile gibt es ja ein ziemliches Überangebot. Die Zeit für eine Serie finde ich kaum einmal. Diese Massen an Releases schrecken mich schon eher ab. Damit ich mich ins Kino bewege, muss da schon ein Regisseur oder Darsteller beteiligt sein, den ich wirklich großartig finde. Was meinen Geschmack angeht: da bin ich sehr von meinen Eltern beeinflusst worden. Die waren große Fans von Paul Newman und Steve McQueen, mit ihren eher einfachen, figurenbasierten Geschichten. Da passierte nicht einmal viel, aber es machte immer Spaß, diese Filme zu gucken. Rund um das Thema Action kann ich ohne Zweifel Bruce Lee als den Helden meiner Jugend bezeichnen.

LWR: Wir haben viel über Wünsche und Prioritäten gesprochen. Haben sich ihre Perspektiven verändert, seitdem sie selbst Vater sind?

Jason Statham: Alles ist anders. Sachen, die dir vorher wichtig vorkamen, sind plötzlich komplett unbedeutend. Die Geburt deines Kindes ist ein lebensverändernder Moment. Jahrelang durfte ich mir dieses „Wenn du selbst Vater bist, dann verstehst du das“-Zeug anhören. Aber erst in dem Moment, wenn du dann tatsächlich ein Kind hast, fällt der Groschen. Ich finde es einfach fantastisch.

LWR: Das ist doch ein schönes Schlusswort. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Jason Statham: Sehr gerne.


Quelle: Universal Pictures International Germany, LeinwandreporterTV, YouTube

Mehr Informationen findet ihr auf der Facebook-Seite des Films

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 27.07.2019
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