Review: Prince Avalanche (Kino)

Das Plakat von "Prince Avalanche" (Quelle: Koolfilm)

Das Plakat von „Prince Avalanche“ (Quelle: Koolfilm)

Inhalt: Nach einem verheerenden Waldbrand 1987 müssen die Straßenarbeiter Alvin (Paul Rudd, „Beim ersten Mal“) und Lance (Emile Hirsch, „Savages“) die kompletten Straßenmarkierungen erneuern und neue Pfeiler setzen. Sie schlafen gemeinsam in einem Zelt, das sie jeden Abend neu aufschlagen. Der jüngere Lance leidet sichtlich unter der Abwesenheit von Gesellschaft, Frauen und Partys, während Alvin die Einsamkeit genießt und gefühlvolle Liebesbriefe an seine Freundin, die Schwester von Lance schreibt. Außerdem erforscht Alvin gerne die Gegend mit Häuserruinen und tristen Lichtungen. Um so länger die beiden aufeinander hocken, um so mehr stören sie sich an den Macken des anderen. Sie streiten, prügeln, diskutieren und vertragen sich aber immer wieder. Besuch kommen sie ab und zu von einem alten, äußerst eigenwilligen Trucker (Lance LeGault, „Coma“), der die beiden immer wieder mit Alkohol versorgt.

 

Kritik: Der große Durchbruch gelang David Gordon Green mit der schrägen Kifferklamotte „Ananas Express“, der der zotige „Your Highness“ und der nahezu unerträglich missglückte „Bad Sitter“ folgten. Doch vor seinen Klamaukfilmen hatte Green schon einige sehr von den Kritikern gelobte Indie-Werke wie das Gesellschaftsdrama „George Washington“ veröffentlicht. In dem Geheimprojekt „Prince Avalanche“ kehrt der Regisseur jetzt zu seinen Wurzeln zurück und zeigt eine ruhige, aber sehr amüsante Geschichte um zwei auf sich gestellte Männer, die mitten im Nirgendwo arbeiten müssen. Bei der Berlinale bekam er für diesen Film sofort den Silbernen Bären für die „Beste Regie“ verliehen. Ob diese Tragikomödie wirklich so grandios und wirklich „die beste“ ist, kann hier schwer gesagt werden. Ein ungewöhnlicher und sehr gelungener Film ist hier aber definitiv zu sehen.

Viel Ruhe, ein paar Zoten und zwei angenehme Schauspieler

Lance und Alvin auf Touren (Quelle: Koolfilm)

Lance und Alvin auf Touren (Quelle: Koolfilm)

Im Prinzip ist der Film ein Zwei-Personen-Stück mit schönen Naturaufnahmen. In den Gesprächen wechseln sich herzerwärmend witzige und tieftraurige Episoden ab. Green schlägt dabei ein sehr langsames Erzähltempo und bewusst ruhige Töne an, die in krassem Widerspruch zu seinem zuletzt gezeigten Schenkelklopfer-Humor stehen. Hier und da tauchen auch in „Prince Avalanche“ kleine zotige Sex-Witzchen auf, die aber im Kontext absolut charmant wirken. Die Tragikomödie ist ein Dialogfilm, an dem die beiden vollkommen unterschiedlichen Charaktere die meiste Zeit aneinander vorbeileben und reden. Lance beschäftigt sich hauptsächlich mit Frauen und ist von der Enthaltsamkeit frustriert. Alvin ist eher der ernsthafte, schweigsame Naturfreund. Ein großer Trumpf des Filmes sind die zwei großartigen Hauptdarsteller.

Ein Oldie sorgt für Spaß (Quelle: Koolfilm)

Ein Oldie sorgt für Spaß (Quelle: Koolfilm)

Für Emile Hirsch, der inzwischen ziemlich im Independent-Bereich zu Hause ist, kann dieser Film halb als Fortführung zu „Into the Wild“ gesehen werden. Allerdings ist seine Figur Lance hier natürlich weit weniger begeistert von Natur und Einsamkeit. Paul Rudd ist hauptsächlich festgelegt auf die sympathisch-trotteligen Mannkinder, die er regelmäßig in Judd Apatow-Produktion spielt. Hier darf er einmal einen ganz anderen Part übernehmen und zeigt sich als wandelbarer, vielseitiger Schauspieler. Besonders eine Szene, in der er alleine in einer Hausruine herumirrt und von einem Familienleben fantasiert, ist dabei besonders schön und erinnerungswürdig. Der ehemalige „The A-Team“-Darsteller Lance LeGault, der kurz nach den Dreharbeiten starb, spielt hier noch einmal eine tolle Nebenrolle als polternder, aber herzensguter Truckfahrer. Joyce Payne komplettiert die kleine Besetzung als etwas geistesabwesende Dame, die Alvin auf einem Spaziergang trifft.

„Prince Avalanche“ ist so ein kleiner Film, der zwar absolut unspektakulär wirkt, mit seiner Mischung aus Melodrama und Komödie aber mitten ins Schwarze trifft. Die Rückkehr von David Gordon Green in dieses Metier ist so überzeugend, das der Zuschauer ihm sogar „Bad Sitter“ verzeiht.

4 von 5 Punkten


Quelle: Koolfilm, YouTube

Prince Avalanche

Originaltitel:Prince Avalanche
Regie:David Gordon Green
Darsteller:Paul Rudd, Emile Hirsch, Lance LeGault
Genre:Tragikomödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Koolfilm
Länge:94 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:26.09.2013
Homepage:Der Internetauftritt-Auftritt von "Prince Avalanche"

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